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Aufsteiger Amthor wird Staatsminister

Allgemein

Startseite Politik Social-Media-Spaßvogel mit Lobbyismus-Skandal: Philipp Amthor wird Staatsminister von Merz Von: Katja Thorwarth Uns auf Google folgen Kanzler Merz nutzt den Spahn-Rücktritt für einen Umbau im Kabinett und der CDU‑Führung. Auch Amthor soll vom Sommerkarussell profitieren. Berlin – Der CDU-Politiker aus Ueckermünde in Mecklenburg-Vorpommern ist bekannter, als es seine Position vermuten lässt: Philipp Amthor, 33 Jahre alt, bekleidet seit 2025 das Amt des Parlamentarischen Staatssekretärs beim Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung. Wie er konkret seinen Arbeitsalltag ausfüllt, gelangt selten ans Licht der Öffentlichkeit – dennoch ist Amthor häufig im TV präsent, sei es in Talkshows oder in der ZDF-heute-show, wo er den redegewandten Spaßversteher geben darf. Nun wurde er von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Zuge des Spahn-Rücktritts befördert. Jens Spahn war zurückgetreten, weil er der Kritik aus den eigenen Reihen nicht mehr standhalten wollte. Er hatte eine Leihmutterschaft in den USA in Anspruch genommen, obwohl selbige in Deutschland – auch durch seine Gesetzgebung als Gesundheitsminister – verboten ist. Sein Posten als Unionsfraktionschef wird daher neu von Thorsten Frei besetzt, woraufhin Gesundheitsministerin Nina Warken es nun ins Kanzleramt zieht – und Carsten Linnemann auf ihren Kabinettsstuhl. Amthor bald im näheren Merz-Umfeld: „Sie kochen den Kaffee. Ich bringe den Kuchen“ Damit hätte es eigentlich gut sein können, doch Merz nutzt wohl die Gunst der Stunde, um die CDU-Spitze einmal durchzurühren. Denn Merz feuert auch Michael Meister, der als Staatsminister die Bund-Länder-Zusammenarbeit im Bundeskanzleramt koordinierte. Die Landesregierungen sollen jedoch höchst unzufrieden gewesen sein, weshalb Amthor an seine Stelle und damit in des Kanzlers Nähe rückt. Merz-Umbau im Kabinett und der CDU-Führung: Kanzleramtsminister Thorsten Frei wird Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) wechselt auf den Posten von Thorsten Frei im Kanzleramt. Für sie wird CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann Gesundheitsminister. Der bisherige Parlamentarische Staatssekretär im Digitalministerium, Philipp Amthor (CDU), löst den Staatsminister für die Bund-Länder-Beziehungen im Kanzleramt ab. Amthor gilt als politisches Talent, wurde gar als CDU-Hoffnungsträger bezeichnet, und zog bereits mit 24 im Jahr 2017 erstmals in den Bundestag ein. Im Wahlkampf hatte er seine Handynummer auf Plakaten veröffentlicht mit dem Slogan: „Sie kochen den Kaffee. Ich bringe den Kuchen.“ Er soll stets das Gespräch suchen und kaum einer Diskussion aus dem Weg gehen; Präsenz zeigt er insbesondere in den sozialen Medien. Lustige Filmchen auf Instagram, wie etwa zuletzt zur Fußball-WM, bezeichnet er dann zwar selbst zurecht als „cringe“, scheint aber das Format ebenso zu zelebrieren, wie die damit verbundene Aufmerksamkeit. Seine Markenzeichen mit Anzug, Krawatte, Einstecktuch, Deutschland-Pin, ergänzt um den strengen Scheitel und die Brille, scheinen Strategie. Schließlich geben sie ihm den Flair eines Politikers aus den 80ern, weshalb er in jüngeren Jahren als der „älteste“ Mittzwanziger bezeichnet wurde. Doch Amthor kann nicht nur Social Media und Spaßvogel, denn seine Positionen sind selbst innerhalb der CDU am rechten Rand zu verorten. So stellte er sich gegen ein angebliches „Gender-Mainstreaming“, gegen Schwangerschaftsabbruch und gegen die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe. Amthor als Lobbyist 2020 im Fokus: „Es war ein Fehler“ Auch in Sachen Sozialstaat fährt Amthor einen radikal antisozialen Kurs. Im RTL Frühstart begrüßte er im Februar die Debatte über Arbeitspflicht für Bürgergeldempfänger: „Ich finde, auch da ist es eine Frage der Gerechtigkeit, darüber zu reden, dass diejenigen, die arbeiten können und etwas beitragen können, auch zu unserem Sozialstaat, das auch tun.“ Das ist umso bemerkenswerter, als er selbst 2020 als Lobbyist in den Fokus geriet – und zwar während er im Bundestag saß. Amthor hatte ab Mai 2019 beim IT-Unternehmen Augustus Intelligence einen Aufsichtsratsposten inne und besaß Aktienoptionen des Unternehmens. Zudem ließ er sich Reisen nach New York, Korsika und St. Moritz finanzieren, wie der Spiegel enthüllte, und betrieb für das Unternehmen Lobbyarbeit. Als das aufgeflogen war, bezeichnete Amthor die Tätigkeit als eine „nicht-exekutive Funktion, mit der sich kein regelmäßiger Arbeitsaufwand verbindet“, erklärte jedoch im Juni 2020: „Es war ein Fehler“. Er beendete das lukrative Tätigkeitsfeld ebenso wie jenes für die Wirtschaftskanzlei White & Case – er wolle sich „politisch nicht noch angreifbarer“ machen. Amthor: „fehlendes Bewusstsein für Interessenkonflikte“ Transparency Deutschland und Lobbycontrol diagnostizierten daraufhin, dass durch Amthors Verhalten ein fataler „Eindruck der Käuflichkeit“ entstehe. Und in Bezug auf seine Person: Er habe ein „fehlendes Bewusstsein für Interessenkonflikte“. (Quellen: eigene Recherche, dpa, nordost24) (ktho)

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