Aus dem 11. Jahrhundert: Archäologen finden mittelalterliche Backschaufel mit überraschendem Detail
Bei Grabungen in der historischen Stadt Staraja Russa stießen Wissenschaftler auf eine gut erhaltene, etwa 30 mal 40 Zentimeter große Holzschaufel aus dem 11. Jahrhundert, deren Stiel teilweise erhalten war. Das Arbeitsgerät aus Eichenholz diente den Bewohnern einst zum Backen von Brot. Auf der Rückseite des Schaufelblatts entdeckten die Ausgräber drei ineinander gravierte Quadrate, die zusammen ein Spielfeld bilden.
Archäologen entdecken Mühlespiel auf Eichenholz
Das eingeritzte Muster entspricht der klassischen Variante des Mühlespiels. Wie die Staatliche Universität Weliki Nowgorod mitteilt, nutzten die Menschen im Mittelalter solche Raster für strategische Denkspiele. „Möglicherweise gab es in früheren Zeiten spezielle Spielbretter für Mühle, aber häufiger findet man Spielfelder, die auf die ebenen Flächen von Alltagsgegenständen geritzt oder geschnitten wurden“, erläutert Sergey Toropov, Leiter des Archäologischen Forschungszentrums der Universität, in der Mitteilung.
Ein seltenes Zeugnis mittelalterlicher Kultur
Die Bevölkerung nutzte meist kaputte oder ungenutzte Gebrauchsgegenstände, um spontan Partien beispielsweise mit kleinen Steinen auszutragen. Es ist allerdings nicht ausgeschlossen, dass die Schaufel noch funktionstüchtig war und weiterhin verwendet wurde. Durch die außergewöhnlich gute Erhaltung gilt das Holzobjekt als seltenes Zeugnis mittelalterlicher Handwerks- und Spielgeschichte.
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Brettspiele haben jahrtausendealte Geschichte
Laut der britischen Kulturerbeorganisation „English Heritage“ haben Brettspiele eine jahrtausendealte Geschichte. Die ersten bekannten Spiele dieser Art entstanden demnach vor rund 5500 Jahren in Ägypten. Das Mühlespiel, auch „Nine Men’s Morris“ genannt, entwickelte sich vermutlich vor etwa 5000 Jahren im Mittelmeerraum oder im Nahen Osten. Die Spielfelder ließen sich einfach in Stein, Holz oder Erde einritzen, während als Spielsteine neben Knochen und Keramik auch gewöhnliche Kieselsteine dienten.
11. Jahrhundert markierte Übergang zum Hochmittelalter
Neben der Arbeit gehörten auch Spiele zur mittelalterlichen Alltagskultur. Das 11. Jahrhundert markierte laut „Planet Wissen“ den Übergang vom frühen zum Hochmittelalter. In dieser Zeit gewannen Städte und Handel in West- und Mitteleuropa zunehmend an Bedeutung.
Die meisten Menschen lebten auf dem Land und arbeiteten in der Landwirtschaft, während sich in den Städten Handwerk und Handel entwickelten. Ihre ständische Ordnung prägte die Gesellschaft stark und die Kirche spielte eine zentrale Rolle.
Auch in Osteuropa entstanden bedeutende Handelszentren. Wie historische Forschungen von Toropova et al. von 2019 zeigen, lag Staraja Russa im Umfeld des mittelalterlichen Nowgoroder Herrschaftsgebiets, das mit der Kiewer Rus, einem mittelalterlichen Herrschaftsverband der ostslawischen Welt, verbunden war. Der Handelsweg „Von den Warägern zu den Griechen“ verband über Flüsse die Ostsee mit dem Schwarzen Meer und dem Byzantinischen Reich, wie Karayev 1976 in einem wissenschaftlichen Fachartikel schreibt.