Aus für den Kita-Zuschuss: Bayerns Eltern tragen die Mehrkosten
Für Martin Ladach aus Würzburg bedeutet die Entscheidung spürbare Mehrkosten. Seine beiden Söhne besuchen eine Kindertageseinrichtung. Bisher profitiert die Familie vom staatlichen Zuschuss. "Wir zahlen für den Kindergartenplatz nur 110 Euro, weil es den 100 Euro Zuschuss gibt. Und für die Kita um die 300 Euro", sagt Ladach. Ab Januar entfällt der Zuschuss allerdings. Für Familien mit Kindergartenkindern bedeutet das 1.200 Euro Mehrkosten pro Jahr und Kind.
Kita-Träger: Unrealistisch, Beiträge stabil zu halten oder zu senken
Viele Eltern hatten gehofft, Städte und Gemeinden könnten die wegfallende Förderung übernehmen. Nach Einschätzung des Bayerischen Städtetags fehlen dafür jedoch vielerorts die finanziellen Möglichkeiten. Und nicht nur die kommunal getragenen Kitas müssen so entscheiden, auch die kirchlichen Träger in Bayern erklären auf Nachfrage von BR24: "Bei von Jahr zu Jahr stetig steigenden Personal- und Sachkosten und bereits bestehenden und auch weiterhin vorhandenen Defiziten in der Finanzierung wird es dafür wenig Handlungsspielräume geben", heißt es vom Verband katholischer Kindertageseinrichtungen in Bayern. Am Ende entscheide jeder regionale Kita-Träger selbst. Tendenziell, so der evangelische Kita-Verband in Bayern, schließen sich die meisten Träger den Entscheidungen der Kommunen an.
Würzburg lehnt Ausgleich ab
In Würzburg ist diese Entscheidung jetzt gefallen. Die Stadt könne die Mehrkosten nicht kompensieren, so Sozialreferentin Eva von Vietinghoff-Scheel. Dafür müssten die Betreuungskosten um 100 Euro gesenkt werden – das wären 1,7 Millionen Euro Defizit im städtischen Haushalt für das Jahr 2027. Und damit wären lediglich die kommunalen Kitas abgedeckt. "Auch in Rücksprache mit anderen Kita-Trägern war es nicht möglich, weil es das Defizit noch weiter vergrößert hätte", so von Vietinghoff-Scheel. Weil die eigenen kommunalen Kitas bereits Mehrkosten verursachen würden und Zuschüsse an die anderen Träger bereits fließen.
Für die anschließenden Jahre, wenn der versprochene Qualitätsbonus vom Freistaat voll angekommen ist, behält sich die Stadt vor, die Beiträge neu zu berechnen und den Eltern dann eventuell entgegenkommen zu können. Eine Unterstützung gibt es weiterhin nur für Familien, die auf Sozialleistungen angewiesen sind.
Kitas befürchten Rückbuchungen
Christian Gündling, Leiter der Kita an der Löwenbrücke in Würzburg, sieht gravierende Folgen nicht nur auf die Eltern zukommen, sondern auch auf die Kitas und Träger: "Eine Rückbuchung von Betreuungszeit, um die Mehrkosten anderswo zu kompensieren, ist für die Kitas die größte Gefahr", mahnt er. Denn die Finanzierung vieler Einrichtungen hängt direkt davon ab, wie viele Stunden die Kinder tatsächlich angemeldet sind. Werden Betreuungszeiten reduziert, fließt auch weniger Geld an die Kitas. Das könne zur Folge haben, dass "weniger Personalstunden finanziert werden", so Gündling.
Bayerns Familienministerin: Geld bleibt im Kita-System
Familienministerin Ulrike Scharf (CSU) plant eine Reform des BayKiBiGs, um die Kitas finanziell mehr zu unterstützen. So stockt der Freistaat seine staatliche Betriebskostenförderung um insgesamt 25 Prozent auf. Bereits in diesem Jahr wurden die Mittel mit zusätzlichen 280 Millionen Euro erhöht. Die Kita-Finanzierung werde umgestellt, so das Ministerium.
Gündling befürchtet allerdings genau das Gegenteil. "Die Gefahr ist viel größer, dass sie geschwächt werden. Denn wenn kürzer gebucht wird, landet insgesamt weniger Geld im System. Und das geht zulasten der Kinder." Eine Entwicklung, die die höher werdenden Ansprüche an das Kita-Personal nicht im Blick habe, kritisiert er.
Familien müssen selbst auffangen
Die politische Entscheidung in Würzburg ist gefallen. Für die Ladachs beginnt jetzt das Rechnen. "Wir sind beide berufstätig, insofern haben wir keine sofortigen Konsequenzen zu befürchten, wir müssen nicht mit den Buchungszeiten runtergehen." Aber klar, sagt er: Die Lebenshaltungskosten steigen und damit der Druck und die Frage, wie er und seine Frau mit zwei Kindern die 2.400 Euro Mehrkosten im Jahr auffangen können.