Aus für halbe Brote beim Ecksbäcker wegen Bürokratie
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Keine halben Brote mehr: Mühldorfer Bäckerei hat eine Lösung gegen die „Erbsenzählerei“
Von: Ursula Huckemeyer, Heike Duczek
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Derzeit ist es in aller Munde: die Waagen-Pflicht beim Verkauf halber Brote. Eine Bäckerei in Mühldorf hat sich eine kreative Lösung gegen die „Erbsenzählerei“ einfallen lassen. Und sogar der Obermeister der Bäcker-Innung Mühldorf-Altötting hat auf den „Schmarrn“ reagiert.
Mühldorf/Neuötting – Ein Sprichwort sagt: „Altes Brot ist nicht hart, kein Brot, das ist hart.“ Und hart, oder besser gesagt streng, ist auch die deutsche Fertigpackungsverordnung, die den Bäckereien des Landes das Leben schwer machen kann. „Es gibt unter den Menschen halt auch Erbsenzähler“, meint Bäckermeister Georg Auer etwas nüchtern.
Momentan sind halbe Brote in aller Munde, sprich in den Medien, seit ein Kunde in einer Pfaffenhofener Bäckerei monierte, seine Brothälfte sei um zehn Gramm zu leicht. Er fühlte sich betrogen und schaltete die Behörden ein. Nach der Fertigpackungsverordnung müssen Bäckereien halbe Brote, die auf Kundenwunsch geschnitten werden, exakt abwiegen und nach tatsächlichem Gewicht abrechnen, anstatt sie pauschal zum halben Preis zu verkaufen.
Geteiltes Brot: Das sagt das Bayerische Landesamt für Maß und Gewicht
Im Direktverkauf muss die Preisermittlung für Brote, die auf Kundenwunsch geteilt werden, nach Gewicht erfolgen. Hierfür ist eine konformitätsbewertete oder geeichte Waage (Klasse III) zu verwenden. Beim Verkauf von geteiltem Brot ist das Gewicht mit einer geeichten Waage zu ermitteln, schreibt das Landesamt für Maß und Gewicht.
Grauzone beim Brotverkauf
„Diese Vorgaben sind allerdings nicht neu“, weiß Anna Perzlmaier, die Leiterin der Bäckerei und des Cafés Innleitn, die zu den Ecksberger Integrationsbetieben gehören. Bisher hätten auch Kunden beim Ecksbäcker halbe Brote ohne Gewichtskontrolle kaufen können. Dieser Praxis schob die Chefin nun endgültig den Riegel vor, und zwar bereits kurz vor der Geschichte in Pfaffenhofen. „Eine Bäckerei bewegt sich für mich nämlich täglich in einer Grauzone, wenn sie Brothälften verkauft, ohne sie vorher genau abzuwiegen“, behauptet Perzlmaier.
Bäckermeister Auer ergänzt: „Bei einem Laib Brot in der Schneidemaschine stets exakt die Mitte zu treffen, ist nicht immer ganz einfach, da kann es tatsächlich minimale Abweichungen geben.“ Gerade auch die Angestellten mit Handicap wären herausgefordert gewesen, denn immerhin sei Ecksberg ein Inklusionsbetrieb.
Im Laden habe sich bisher zwar noch nie ein Kunde über das Gewicht seines halbierten Brotes beschwert. „Aber“, stellt Anna Perzlmaier klar: „Es reicht einer unter tausend Kunden, der annimmt, das Gewicht seiner Brothälfte stimme nicht und er hätte zu viel bezahlt. Dem Risiko einer Beschwerde beugen wir nun vor.“
Um weiterhin sorgenfrei halbe Brote anbieten zu können, müsste sich der Ecksbäcker eine geeichte Präzisionswaage zulegen und diese dann an das Kassensystem koppeln. Solche Investitionen lehnte Perzlmaier jedoch ab, und zwar aus Kosten- und Platzgründen.
Die neue Zwillingsvariante
Sie entwickelte einen anderen Plan und schlug der Backstube vor, zwei 500-Gramm-Brote herzustellen, die vor dem Backvorgang aneinandergesetzt werden. „Es gibt Kunden, die es nicht schätzen, beim Brot rundherum eine Kruste zu haben. Bei unserer Ausführung fällt dies weg, und der Anschnitt schaut beinahe so aus wie bei einer durchgeschnittenen Brothälfte“, erläutert der Bäckermeister, der aber keinen Hehl daraus macht, dass die „Zwillingsvariante“ für die Mitarbeiter in der Backstube einen Mehraufwand bedeutet.
Nach Einschätzung Perzlmaiers werden die bisherigen halben Brote kaum vermisst, denn die neuen kleinen 500-Gramm-Brote kämen bei der Kundschaft recht gut an. „Auf Nachfrage erklären wir den Kunden gerne, warum die Zeit der halben Brote bei uns vorbei ist“, sagt die Chefin. Bisher sei man auf Verständnis gestoßen.
Oskar Hofstetter, Obermeister der Bäcker-Innung Mühldorf/Altötting, hat sich ebenfalls umstellen müssen. Denn auch sein Betrieb in Neuötting gehörte zu den Bäckern, die ein Brot einfach in der Mitte durchgeschnitten haben. „Beanstandungen hat es noch nie gegeben.“ Doch Hofstetter hat umgedacht und die geeichte Waage, die sein Betrieb etwa für das Abpacken von Weihnachtsplatzerl nutzt, nach vorne ins Café geholt.