Aus für Lithium? Warum GM und BYD auf Natrium-Akkus setzen
Weil die Lithiumpreise massiv steigen, setzen GM und BYD auf billiges Natrium. Die neuen Akkus sichern die Stromversorgung auch bei extremem Wetter. Lithium ist begehrt und wird immer teurer. Das liegt an der steigenden Nachfrage für Batterien für Elektroautos und zunehmend auch für Netzspeicher. Diese Entwicklung fördert bei den größten Batterieherstellern der Welt ein Umdenken, das den Fokus auf Natrium-Ionen-Batterien legt. Weiterlesen nach der Anzeige Reuters berichtet jetzt, dass General Motors, BYD und CATL die Produktionskapazitäten für Natrium-Ionen-Batterien ausbauen. GM will demnach gemeinsam mit dem Start-up Peak Energy ab 2028 in Michigan Natrium-Ionen-Zellen fertigen. Die Zelle entsteht in GMs eigenem Wallace Battery Cell Innovation Center, und Peak Energy integriert sie dann in schlüsselfertige Speichersysteme. "Wir glauben, dass Natrium-Ionen-Batterien in den kommenden Jahren eine entscheidende Rolle bei Energiespeichersystemen im Netzmaßstab spielen werden", erklärte Kurt Kelty, Vizepräsident für Batterien, Antrieb und Nachhaltigkeit bei General Motors. Natrium biete "eine überzeugende Kombination aus Langlebigkeit über einen breiteren Temperaturbereich […] und dem Potenzial für niedrigere Systemkosten". 86 Prozent teurer: Wie der Lithium-Preisschock den Umstieg fördert Dieser Schwenk wird durch die steigenden Kosten gefördert. Der CME-Lithiumhydroxid-Kontrakt legte, so berichtet Reuters, seit Jahresbeginn um 86 Prozent zu und notiert erstmals seit Ende 2023 wieder über 20.000 US-Dollar pro Tonne. Weiterlesen nach der Anzeige Gleichzeitig treibt der Boom bei Rechenzentren in den USA die Nachfrage nach steuerbaren Speichern massiv. Weil sie mit einem größer werdenden Anteil von Wind- und Solarenergie im Strommix betrieben werden, sind Speicher für ein stabiles Netz notwendig. Wie Venkat Srinivasan, Direktor des Argonne Collaborative Center for Energy Storage Science (ACCESS), gegenüber Reuters erklärte, treibe ein Mix aus Sorgen über die Versorgungssicherheit und technologischem Fortschritt die Investitionen in neue Batterietechnik. Die US-Autobauer haben dabei einen Vorteil: Im Februar erst hatte die Trump-Regierung die Emissionsvorschriften für Automobile aufgehoben. Daraufhin brach der Absatz von Elektroautos deutlich ein. Die Fabriken für Batteriezellen, die seitdem brach liegen, lassen sich allerdings ohne erheblichen Aufwand für die Herstellung von neuen Stromspeichern umwidmen. "Die Expansion in den Bereich der Energiespeicherung ist ein logischer nächster Schritt" für Automobilhersteller, sagte Peak-Energy-Chef Landon Mossburg. Schon heute hat Peak Energy laut Reuters Bestellungen über 6,5 GWh für Natrium-Ionen-Systeme gebucht, darunter einen 500-Millionen-Dollar-Vertrag mit dem US-Speicherentwickler Jupiter Power über bis zu 4,75 GWh bis 2030. Geringerer Kühlbedarf für Rechenzentren Technisch punktet Natrium-Ionen vor allem dort, wo Lithium an Grenzen stößt. Die Zellen arbeiten in einem deutlich breiteren Temperaturfenster. Werden sie auf minus 40 Grad abgekühlt, so behalten sie laut IEA rund 90 Prozent ihrer Leistung. Sie funktionieren auch noch, wenn ihre Temperatur auf 70 Grad Celsius ansteigt. Eine aktive Kühlung ist in vielen Szenarien nicht notwendig, was sie laut Bericht ideal für Rechenzentren macht. Marco Terruzzin, Chief Revenue Officer bei Energy Vault betonte gegenüber Reuters: Die Systeme entsprächen "direkt den Bedürfnissen der Rechenzentrumskunden". Energy Vault und Peak Energy unterzeichneten im Februar 2026 eine Entwicklungsvereinbarung für Natrium-Speicher mit einer anfänglichen Kapazität von 1,5 GWh. Dass die Fertigungsqualität bereits mit etablierter Lithium-Produktion mithalten kann, zeigte eine Untersuchung der RWTH Aachen: Das Team um Batterieforscher Moritz Schütte testete 120 Natrium-Ionen-Rundzellen des chinesischen Herstellers Hina Battery. Der ohmsche Innenwiderstand streute demnach nur um 5,3 Prozent – ein Wert auf dem Niveau ausgereifter Lithium-Linien. Die Zellen nutzen ein Tabless-Design ähnlich Teslas 4680-Format. Milliarden-Deals von China bis Michigan Den globalen Maßstab setzen derweil chinesische Konzerne. CATL, weltgrößter Zellhersteller, vereinbarte im April die Lieferung von 60 GWh Natrium-Ionen-Batterien an Beijing HyperStrong Technology innerhalb von drei Jahren. BYD investierte gemeinsam mit der Huaihai-Gruppe in ein 30-GWh-Werk in Xuzhou. Auch US-Hersteller profitieren von der Förderlandschaft: Da Natrium-Systeme kaum Importbedarf haben, qualifizieren sich Fabriken laut Terruzzin für bundesstaatliche Investitionssteuergutschriften – ein klarer Wettbewerbsvorteil gegenüber importiertem Lithium. Die Internationale Energieagentur prognostiziert, dass Natrium-Ionen-Batterien bis 2030 rund zehn Prozent der jährlich neu installierten Speicherkapazität weltweit ausmachen. Alsym-Energy-COO Graeme Grant sieht das laut Reuters für die USA noch optimistischer: "Wir glauben, dass sie innerhalb von fünf Jahren die De-facto-Wahl für [die Energiespeicherung] sein werden".