Aus für Lokbau in Kassel wird konkreter: Rheinmetall will Alstom-Werk übernehmen
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Aus für Lokbau in Kassel wird konkreter: Rheinmetall will Alstom-Werk übernehmen
Von: Daniel Seeger
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Der Rüstungskonzern Rheinmetall verhandelt über die Übernahme des Alstom-Lokomotivwerks in Kassel mit 900 Beschäftigten. Der Betriebsrat plant Proteste.
Kassel – Die Übernahme des Lokomotivwerks von Alstom durch den Rüstungskonzern Rheinmetall wird konkreter. Betriebsrat und IG Metall kündigten im Gespräch mit unserer Zeitung Protest gegen die mögliche Übernahme des Standortes mit seinen 900 Beschäftigten an. Rheinmetall betreibt in unmittelbarer Nachbarschaft im Industriepark Mittelfeld bereits ein Werk und sucht Flächen und Personal, um seine Panzerproduktion auszubauen.
Dass Rheinmetall Interesse an der Lokomotivfabrik hat, verkündete der Vorstandsvorsitzende Armin Papperger bei seinem Besuch im Werk Kassel am Donnerstagmittag erstmals öffentlich. „Wir sind in Diskussionen mit Alstom. Wir wollen helfen“, sagte er auf Nachfrage der HNA zum Stand der Gespräche. Papperger stellte auch in Aussicht, dass der Rüstungskonzern bereit sei, Beschäftigte von Alstom zu übernehmen: „Wir suchen Leute. Alstom versucht, eine Lösung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden.“ Es gebe noch keinen finalen Abschluss, aber Papperger gehe davon aus, dass er sich innerhalb der kommenden vier Wochen mit dem Vorstandsvorsitzenden von Alstom treffen werde. „Ich könnte mir vorstellen, dass wir eine Lösung finden.“
Auch Alstom rechnet offenbar mit einer baldigen Einigung: „Wir gehen davon aus, dass diese Gespräche in den kommenden Wochen zu einem Ergebnis führen“, teilt das Unternehmen auf Nachfrage mit. Was mit den rund 900 Mitarbeitern passieren soll, lässt der Sprecher allerdings offen.
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Der Betriebsrat will den Lokomotivbau in Kassel nicht kampflos aufgeben. Das betonte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende André Walter im Gespräch mit der HNA. Der Betriebsrat berief noch am Freitag eine außerordentliche Sitzung ein und plant, sich Anfang der kommenden Woche mit der IG Metall abzustimmen. Ende der kommenden Woche sollen dann Aktionen folgen.
Dass die Gespräche so weit fortgeschritten sind, erfuhren Betriebsrat und Beschäftigte aus der Zeitung. Ebenso überraschend sei es gewesen, dass es sich bei dem Interessenten erneut um Rheinmetall handelt. „Der Betriebsrat war eigentlich davon ausgegangen, dass die Gespräche mit Rheinmetall ergebnislos beendet worden waren und man nun mit einem neuen Interessenten verhandelt“, so Walter.
Der Grund: Ende Juni informierte Alstom die Beschäftigten darüber, dass Gespräche mit einem Interessenten ohne Ergebnis beendet worden seien. Die Verhandlungen waren im Frühjahr bekannt geworden. Es sei „keine zufriedenstellende Lösung für beide Seiten“ gefunden worden. Dass es sich dabei um Rheinmetall handelte, bestätigten Konzernkreise. Zuerst hatte die französische Wirtschaftszeitung „La Lettre“ darüber berichtet.
Weiter heißt es in dem Schreiben vom Juni: „Derzeit befinden wir uns in einer Sondierungsphase mit einem weiteren Unternehmen.“ Aus dem Schreiben ging nicht hervor, dass die Gespräche mit Rheinmetall später wieder aufgenommen wurden. Ein Sprecher des Rüstungskonzerns sagte auf Anfrage der HNA: „Wir können bestätigen, dass wir seit einiger Zeit in Gesprächen mit der Firma Alstom sind, welche zwischenzeitlich unterbrochen und wieder aufgenommen wurden.“
In der Alstom-Belegschaft ist die Verunsicherung weiterhin groß. In einer internen Umfrage des Betriebsrates sprach sich ein großer Teil der Belegschaft dafür aus, weiterhin Lokomotiven in Kassel zu bauen. Viele Beschäftigte erklärten zudem, für den Standort kämpfen zu wollen. Wie genau dieser Kampf aussieht, wird die kommende Woche zeigen.