Aus für Tegut-Zentrale: 470 Mitarbeiter verlieren ihren Job
Fuldaer Zeitung
Fulda
Aus für 470 Mitarbeiter: Wie Betriebsrat und Politik auf Schließung der Tegut-Zentrale reagieren
Von: Sabrina Mehler
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Migros schließt die Tegut-Zentrale in Fulda zum 31. März 2027. Vertreter von Politik und Wirtschaft reagieren betroffen. Die Arbeitsagentur will helfen.
Fulda – Für die meisten Beschäftigten dürfte die Nachricht nicht überraschend kommen, erschütternd ist sie dennoch. Denn was sich seit Monaten bereits abgezeichnet hat, ist nun Gewissheit: Die Tegut-Zentrale am Gerloser Weg in Fulda wird zum 31. März 2027 geschlossen. Rund 470 Beschäftigte sind betroffen.
Aus für Tegut-Zentrale: 470 Mitarbeiter verlieren ihren Job
Dass Edeka keine eigene Zentrale in Fulda braucht, war seit Langem klar. Betriebsratsvorsitzender Günter Ledermann hatte gegenüber unserer Zeitung frühzeitig darauf hingewiesen, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung voraussichtlich nicht vom künftigen Eigentümer übernommen werden. Dennoch blieb bis zuletzt ein Stück Hoffnung: Denn das Gebäude gehört zum Übernahmepaket, das zwischen Migros und Edeka vereinbart worden war und über das aktuell noch das Bundeskartellamt entscheidet. Bei einer Weiternutzung der Immobilie bestand zumindest die vage Möglichkeit, dass Arbeitsplätze erhalten bleiben könnten.
Nun bestätigt die Migros Zürich, dass am Donnerstag rund 470 Tegut-Mitarbeitende der Zentralen Dienste über ihre Kündigung informiert wurden. Nicht betroffen seien die Mitarbeitenden jener Filialen, die verkauft wurden, der Logistik, des Teo-Unternehmens Smart Retail Solutions sowie der Bäckerei Herzberger. Diese Bereiche seien Teil der jeweiligen Veräußerungspakete und gingen an die Käufer über.
Die Situation sei frühzeitig mit dem Betriebsrat besprochen worden. Mit dem am Donnerstag verabschiedeten Interessenausgleich und Sozialplan nehme die Migros Zürich ihre Verantwortung gegenüber den betroffenen Mitarbeitenden wahr. „Uns ist bewusst, dass die Situation für viele Mitarbeitende belastend ist“, erklärt Annabelle Ott, Leiterin der Unternehmenskommunikation in Zürich. Zugleich dankt sie den Beschäftigten für ihr großes Engagement und ihre hohe Professionalität. Die Schließung der Zentrale ist damit der vorerst letzte Schritt in einer Entwicklung, die bereits Ende 2024 begonnen hatte. Damals waren im Zuge eines angekündigten Sanierungsprogramms bereits rund 120 Stellen am Gerloser Weg abgebaut worden.
Tegut-Betriebsratchef: Wir sind tief betroffen
Tegut-Betriebsratschef Ledermann bestätigt derweil, dass die Mitarbeitenden der Zentralen Dienste in einer Mitarbeiterbesprechung über die geplante Stilllegung und die Kündigungen informiert worden seien. Bereits am Donnerstag habe der Betriebsrat einen Interessenausgleich sowie den dazugehörigen Sozialplan verabschiedet. Mit diesem werde ein „finanzieller Ausgleich zur Milderung von Nachteilen“ erreicht, sagt Ledermann. Er ergänzt jedoch: „Wir sind dennoch tief betroffen, da wir wissen, dass kein finanzieller Ausgleich über den Verlust der Arbeitsplätze hinwegtrösten kann.“ Immerhin bestehe nun nach vielen Gerüchten und Befürchtungen Klarheit, die allen Planungssicherheit ermögliche.
„Mit tiefem Bedauern haben wir von der endgültigen Schließung der Tegut-Zentrale erfahren“, äußern sich Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld und Landrat Bernd Woide (beide CDU) in einem gemeinsamen Statement. „Damit verlieren unsere Stadt und unsere Region die Schaltzentrale eines traditionsreichen und zugleich innovativen Unternehmens, das seit vielen Jahren fest hier verwurzelt ist und von vielen Menschen sehr geschätzt wird.“
Der Verlust von 470 Arbeitsplätzen schmerze. „Wir hoffen, dass im Rahmen des Interessenausgleichs faire Lösungen gefunden werden.“. Hinter jeder einzelnen Stelle stünden Menschen, Familien und persönliche Lebenswege. Wingenfeld und Woide wünschen den „engagierten und qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“, dass sie in der Region schnell neue berufliche Perspektiven finden.
Michael Konow, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK), hat mit der Schließung gerechnet, spricht aber ebenfalls von „großem Bedauern“. Er hoffe zum einen, dass die Mitarbeitenden rasch eine neue Arbeitsstelle finden. Zum anderen betont er, wie wichtig eine zügige Entscheidung des Bundeskartellamts über die Filialübernahmen für die Region und die ländliche Versorgung sei.
IHK-Hauptgeschäftsführer erwartet Umschulungen
Der Arbeitsmarkt in der Region sei nicht mehr so dynamisch wie vor einigen Jahren. „Und Tegut ist nicht das erste Unternehmen in der Region, das massiv Menschen freigesetzt hat – viele bauen Stellen ab, vor allem Stellen, die administrativer Natur sind.“ Für viele Mitarbeitende könnte daher der Weg in eine neue Beschäftigung über Umschulungen führen.
Dabei will auch die Agentur für Arbeit helfen: „Wir sind bereit, alle notwendigen Schritte zu unternehmen, um die Folgen dieser Schließung zu minimieren“, sagt Katharina Henkel, Vorsitzende der Geschäftsführung, gegenüber unserer Zeitung. Die Kündigungen würden sich nicht nur auf die Mitarbeitenden und ihre Familien auswirken, sondern ebenso auf die regionale Wirtschaft. Dennoch sei der osthessische Arbeitsmarkt trotz gedämpfter Erwartungen stabil und in vielen Bereichen von einem Arbeitskräftemangel geprägt. Da individuelle Kompetenzen und Erfahrungen entscheidend seien, unterstütze die Agentur dabei, berufliche Fähigkeiten und Kenntnisse zu erweitern, verspricht Henkel.
Eine Stellungnahme von Edeka zur Schließung der Zentralen Dienste und zur Zukunft der Immobilie gibt es bislang nicht.