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Aus von Sinner kurz vor der Krönung seiner Karriere

Sport

Zverev steht nach Saison-Aus von Sinner kurz vor der Krönung seiner Karriere - Nummer-eins-Status jedoch mit Makel

Von Thomas Gaber

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Das vorzeitige Saison-Aus von Jannik Sinner macht Alexander Zverev den Weg zur Spitze der Weltrangliste frei. Doch während die Nummer eins zum Greifen nah ist, sorgt ausgerechnet Zverevs Bilanz gegen die Elite für Zweifel. Seit Anfang 2025 hat der Deutsche nur sechs seiner 25 Duelle mit Top-10-Spielern gewonnen. Die schwierigste Aufgabe könnte deshalb erst nach dem Aufstieg beginnen.

Plötzlich ist es kein langer Weg mehr. Eher ein letzter Schritt. Alexander Zverev steht unmittelbar davor, erstmals in seiner Karriere die Nummer eins der Tennis-Welt zu werden.

Das vorzeitige Saison-Aus von Jannik Sinner wegen anhaltender Knieprobleme hat den Zweikampf an der Spitze praktisch entschieden. Der Italiener kann in diesem Jahr keine Punkte mehr verteidigen, während Zverev deutlich weniger Zähler verliert. Aktuell führt Sinner noch mit 11.000 Punkten vor Zverev mit 9720. Doch dieser Vorsprung wird in den kommenden Wochen zusammenschmelzen.

Frühestens überholen kann Zverev Sinner beim ATP-Turnier in Wien. Allerdings genügt dem Deutschen bereits ein Sieg zum Auftakt des Masters in Shanghai, um spätestens am Jahresende den Tennisthron zu übernehmen.

Der große Traum ist damit zum Greifen nah. Und doch steckt in Zverevs Aufstieg ein bemerkenswertes Paradoxon. Der vielleicht bald beste Spieler der Weltrangliste tut sich seit geraumer Zeit erstaunlich schwer damit, die besten Spieler der Welt zu schlagen.

Seit 2025 nur sechs Siege gegen Top-10-Spieler

Seit Anfang 2025 steht Zverev gegen Top-10-Gegner bei sechs Siegen und 19 Niederlagen. In dieser Saison lautet seine Bilanz 2:8. In seinen insgesamt 73 Matches 2026 schlug Zverev nur zweimal einen Top-10-Spieler. Zum Vergleich: Altmeister Novak Djokovic gelang dies in 24 Matches viermal.

Die Zahlen kratzen am Bild eines künftigen Branchenprimus. Besonders Sinner erwies sich als unüberwindbare Hürde. Den letzten Sieg landete Zverev bei den US Open 2023, seitdem lautet die Bilanz 0:10.

Nach Zverevs Niederlage im Wimbledon-Finale diagnostizierte der siebenmalige Grand-Slam-Champion Mats Wilander noch immer eine Lücke, "nicht körperlich, sondern mental". Bei den entscheidenden Punkten seien Sinner und Carlos Alcaraz weiterhin "ein Level darüber".

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Federer lobt Zverevs Fortschritte

Allerdings gibt es die andere Seite. Zverev hat die Chancen genutzt, die sich ihm boten. Dass er bei seinen großen Erfolgen nicht sämtliche Topstars aus dem Weg räumen musste, kann ihm nicht zum Vorwurf gemacht werden. "Er kann immer nur den Gegner schlagen, gegen den er auf dem Platz antreten muss", sagte Eurosport-Experte Boris Becker dazu.

Auch Roger Federer sieht beim Deutschen große Fortschritte. Er habe Zverev lange geraten, von der Grundlinie aggressiver zu spielen. "Endlich macht er das", sagte der Schweizer am Rande des Laver Cups.

Die Weltrangliste fragt nicht danach, wer in direkten Duellen mit der Elite am überzeugendsten auftritt. Sie belohnt Resultate über zwölf Monate. Konstanz, tiefe Runs bei den großen Turnieren, Titel. Zverev hat sich seine Position deshalb erarbeitet.

Gleichzeitig haben die Verletzungsprobleme seiner größten Rivalen seinen Weg erheblich verkürzt. Sinner beendet die Saison vorzeitig, Carlos Alcaraz musste 2026 ebenfalls eine längere Pause einlegen und verpasste mit den French Open und Wimbledon zwei Grand-Slam-Turniere.

Zverevs Bilanz gegen Top-10-Spieler seit 2025Jannik Sinner 0:9Carlos Alcaraz 0:2Alex de Minaur 0:2Felix Auger-Aliassime 0:1Taylor Fritz 1:3Novak Djokovic 1:1Lorenzo Musetti 1:1 Ben Shelton 3:0

Zverev Anfang 2026 in der Weltrangliste noch weit zurück

Wie radikal sich die Situation verändert hat, zeigt ein Blick zurück. Anfang Februar lag Zverev noch mehr als 9000 Weltranglistenpunkte hinter dem damals führenden Alcaraz und knapp 5700 hinter Sinner. Nun trennen Zverev nur noch 1280 Punkte vom Italiener.

Aus einer Aufholjagd ist damit beinahe ein Spaziergang auf den letzten Metern geworden. Das allerdings schmälert Zverevs Leistung nicht automatisch. Nur: Die Nummer eins zu werden und wie eine Nummer eins aufzutreten, sind zwei unterschiedliche Dinge.

Genau dieser zweiten Aufgabe wird sich Zverev stellen müssen. Seine Bilanz gegen die Top 10 bleibt der auffälligste Fleck auf einem ansonsten außergewöhnlichen Jahr. Fünf Siege aus 26 Partien seit Anfang 2025 sind nicht einfach eine statistische Randnotiz. Sie berühren die zentrale Frage, die Zverev nach seiner Eroberung des Tennis-Throns begleiten wird: Kann er die Spitze auch gegen jene behaupten, die ihm sportlich am gefährlichsten werden?

Mit der Nummer eins verändert sich schließlich der Blick auf einen Spieler. Dann reicht es nicht mehr, nahe dran zu sein. Dann ist man selbst der Maßstab. Sinners Ausfall nimmt Zverev nun die letzte große Hürde auf dem Weg dorthin. Der Hamburger kann die wichtigste Ranglistenposition seiner Karriere erreichen, ohne dafür in den kommenden Wochen noch Außergewöhnliches leisten zu müssen.

Genau dann beginnt womöglich die schwierigere Mission. Zverev muss nicht mehr beweisen, dass er die Nummer eins werden kann. Er muss beweisen, dass er auch eine ist.

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