DAX -0,22 % 25.099,00 Pkt 18:00:00 MDAX -0,05 % 31.965,53 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +1,14 % 6.280,94 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,52 % 51.947,25 Pkt 23:26:43 S&P 500 -1,16 % 7.411,98 Pkt 23:26:35 Nasdaq -2,78 % 24.975,82 Pkt 23:15:59 Nikkei -2,73 % 64.611,15 Pkt 08:45:03 Gold +0,08 % 4.070,80 USD 22:59:59 Silber +0,43 % 58,91 USD 22:59:55 Brent 0,00 % 96,78 USD 22:59:55 WTI 0,00 % 89,31 USD 22:59:59 Bitcoin +0,21 % 64.443,67 USD 07:23:55 EUR/USD -0,32 % 1,13750 USD 23:29:21 EUR/GBP 0,00 % 0,85320 GBP 06:49:20 EUR/CHF +0,06 % 0,92970 CHF 06:49:20 EUR/JPY +0,08 % 186,245 JPY 23:29:21

Ausländerkriminalität: Was die Zahlen wirklich zeigen

Wissenschaft

In Trier soll ein afghanischer Staatsangehöriger einen Studenten erstochen haben. In Ruhpolding soll ein Afghane bei einer Ticketkontrolle im Zug mehrere Personen mit einem Messer bedroht haben. Und in Dresden wird gegen einen türkischen Staatsangehörigen ermittelt. Der Vorwurf: Er führte angeblich unerlaubt eine Schusswaffe mit sich und soll versucht haben, einen Syrer mit einem Hammer zu schlagen. Derartige Fälle prägen die öffentliche Wahrnehmung. Sie nähren den Eindruck, Ausländer seien überproportional an schweren Straftaten beteiligt. Doch was steht in offiziellen Statistiken? Hoher Anteil ausländischer Tatverdächtiger bei Gewaltdelikten Die wichtigste Datengrundlage ist die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS). Das Bundesinnenministerium gibt sie in Zusammenarbeit mit den Innenministerien der 16 Bundesländer einmal im Jahr heraus. Wichtig: Die PKS erfasst keine rechtskräftig Verurteilten, sondern polizeilich registrierte Tatverdächtige. Sie bildet das sogenannte „Hellfeld“ ab – also Straftaten, die der Polizei bekannt werden. Auf diese methodischen Grenzen weist das Bundeskriminalamt (BKA) ausdrücklich hin. Beim Blick auf die jüngsten Ereignisse ist vor allem der Bereich der Gewaltkriminalität interessant. Für das Jahr 2025 fällt wie schon in den Vorjahren auf, dass der Anteil ausländischer Tatverdächtiger auffallend hoch ist. ANZEIGE ANZEIGE Zwar sank die Zahl nichtdeutscher Tatverdächtiger von 85.012 in Jahr 2024 auf 82.565 im vergangenen Jahr. Das entspricht einem Rückgang von 2,9 Prozent. Der Anteil, den Zuwanderer an dieser Zahl hatten, ging im gleichen Zeitraum sogar um 7,2 Prozent zurück (2024: 27.095, 2025: 25.143). Doch im Vergleich zu den rund 15 Prozent nichtdeutschen Staatsangehörigen fällt der Anteil ausländischer Tatverdächtiger in der PKS mit 42,9 Prozent sehr hoch aus. Einschränkungen der Statistik Kriminalitätsexperten leiten aus den Daten dennoch nicht ab, dass Menschen, die aus anderen Ländern stammen, keine deutsche Staatsbürgerschaft haben und bei uns leben, grundsätzlich krimineller sind als Deutsche. Verschiedene Faktoren können den Anteil ausländischer Tatverdächtiger nach oben treiben. 1. Demografische Struktur Straftaten, insbesondere Delikte der Gewaltkriminalität, werden vor allem von Männern verübt. Laut PKS waren 2025 von insgesamt 2.054.855 Tatverdächtigen insgesamt 74,1 Prozent männlich und 25,9 Prozent weiblich. Das sind etwa so viele wie 2024. Unter Asylsuchenden waren und sind traditionell deutlich mehr Männer als Frauen, auch wenn der Frauenanteil steigt. Im vergangenen Jahr waren laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) rund 60 Prozent der Antragsteller Männer, 40 Prozent Frauen. 2. Lebensumstände und sozioökonomische Risikofaktoren Armut und geringes Bildungsniveau, die Perspektivlosigkeit begünstigen, gelten allgemein als kriminalitätstreibende Faktoren. Darauf weisen renommierte Kriminologen wie Christian Pfeifer in ihren Studien hin. Asylbewerber, die zur Gruppe der nichtdeutschen Staatsangehörigen zählen, leben häufig in prekären Wohnverhältnissen, etwa Massenunterkünften. Viele Menschen müssen dort auf engstem Raum miteinander auskommen. Immer wieder berichten Medien über Zwischenfälle: Etwa im Asylheim in Suhl, in dem es immer wieder zu Gewalt kam. Zudem sind Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit mit einer Quote von mehr als 30 Prozent laut einer Studie des „Paritätischen Wohlfahrtsverbandes“ fast dreimal so häufig von Armut betroffen wie Deutsche. Das setze sie überproportional sozialen Spannungen aus - was wiederum Gewalt begünstigt. 3. Gewalterfahrungen und kulturell bedingte Unterschiede Viele Geflüchtete haben Gewalt- und Kriegserfahrungen gesammelt. Der Kriminologe Christian Walburg erforscht seit Jahren die Zusammenhänge von Migration und Kriminalität. Er sagte dem WDR 2025, dass die „Lebensgeschichte“ eines Menschen sich auf dessen Wahrscheinlichkeit, straffällig zu werden, auswirkt. Dazu gehören ihm zufolge prägende Lebenserfahrungen, die Sozialisation im Herkunftsland, das Aufwachsen in instabilen Verhältnissen aber eben auch Traumatisierungen durch Gewalt-, Kriegs- oder Fluchterfahrungen. In Medienberichten wird zudem immer wieder über patriarchalisch geprägte Männlichkeitsbilder sowie ein geringes Vertrauen in rechtsstaatliche Institutionen als verhaltensrelevante Faktoren diskutiert, die in Gewalt umschlagen können. 4. Dunkelfeld-Effekt Dazu kommt: In der PKS tauchen nur jene Gewaltdelikte auf, die auch zur Anzeige gebracht wurden. Man spricht vom sogenannten „Hellfeld“. Bekannt ist, dass Straftaten häufiger angezeigt werden, wenn der Tatverdächtige fremdländisch wahrgenommen wird. Das bestätigte die Bundesregierung schon 2021 in einer kleinen Anfrage der AfD-Fraktion im Bundestag. Ein solches Anzeigeverhalten kann Daten zu Ungunsten ausländischer Tatverdächtiger verzerren. Ein Blick auf die „Tatverdächtigenbelastungszahl“ Fazit: Nichtdeutsche Tatverdächtige sind in der PKS bei Straftaten überrepräsentiert, vor allem auch im Bereich Gewaltkriminalität. Es gibt jedoch mehrere Faktoren, die dagegensprechen, aus dem statistischen Ungleichgewicht eine allgemeine Neigung zu Straftaten abzuleiten. Dazu gehören demografische Faktoren und der Dunkelfeld-Effekt. Die sogenannte „Tatverdächtigenbelastungszahl“ ermöglicht ein klareres Bild als der bloße Blick auf die PKS-Daten. Sie beschreibt die Zahl der ermittelten, ansässigen Tatverdächtigen, berechnet auf 100.000 Einwohner des entsprechenden Bevölkerungsanteils - ohne Kinder unter acht Jahren. Heißt: Sie bildet die Kriminalitätsbelastung einzelner Gruppen ab, gemessen an ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung. Ausländische Tatverdächtige sind auch hier überrepräsentiert. Wurden laut Bundesinnenministerium 2025 von 100.000 Deutschen 1813 einer Straftat verdächtigt, waren es unter 100.000 Ausländern 4788 Personen. Wichtig: Ausländerrechtliche Verstöße - also Verstöße, die fast nur von Ausländern begangen werden können, etwa unerlaubte Einreisen - wurden bei dieser Berechnung ausgeschlossen. Die Tatverdächtigenbelastungszahl von Ausländern ist insgesamt 2,6 mal höher als die Deutscher. Mansour: „Wir reden von Gewalttätern. Von Kriminellen“ Ausländerkriminalität bleibt also ein brisantes Thema. Beobachter rufen nicht erst seit gestern zur Debatte und Suche nach möglichen Lösungen auf. Der Extremismus-Experte Ahmad Mansour etwa wies 2025 im Interview mit der „Welt“ darauf hin, dass „diese Debatte sachlich und differenziert in der Mitte der Gesellschaft“ geführt werden sollte, „nicht nur von AfD-Politikern, die pauschal alle Migranten und Flüchtlinge verurteilen“. Mansour: „Wir reden hier von Gewalttätern. Wir reden hier von Kriminellen. Und nur von denen. Nicht von Menschen, die aus Syrien gekommen sind und hervorragend integriert sind. Auch sie sind genervt, weil sie in eine Schublade gesteckt werden.“ Wichtig sei es, ein Bewusstsein für die bestehenden Probleme zu entwickeln. „In der öffentlichen Debatte der letzten Jahre habe ich das Gefühl, dass jede Erwähnung von Faktoren wie Migration, Kultur, Sozialisation oder patriarchalischen Strukturen sofort als rechtsextrem abgestempelt wird“, sagte Mansour der „Welt“. Damit komme man aber keinen Schritt weiter.

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