Australien hat 25 Jahre lang das größte Ingenieursprojekt des Landes gebaut, um einen Fluss umzuleiten
Es begann bereits 1949: Damals hatte die australische Regierung die Idee, Flüsse aus den Snowy Mountains (gelegen im Südosten des Landes) ins Landesinnere umzuleiten. Über ein Netz aus Staudämmen und Tunneln sollte das Wasser trockene Agrarflächen versorgen und Kraftwerke antreiben. Der Bau dauerte Jahre – und kostete Milliarden. Das Wichtigste in Kürze: Das „Snowy Scheme“ ist eines der größten Infrastrukturprojekte Australiens. Es besteht aus Dutzenden Infrastruktursegmenten, darunter Staudämme, Kraftwerke und Tunnel. Pro Jahr generiert es 4500 Gigawattstunden Energie. „Snowy 2.0“ soll die bestehende Infrastruktur ergänzen. Snowy-Plan umfasst Dämme, Kraftwerke und Tunnel Insgesamt umfasst das fertige System 16 große Staudämme, sieben Kraftwerke und jede Menge Tunnel. Der Bau dauerte etwa 25 Jahre, gerechnet ab der ersten Sprengung. Wie die „Times of India“ berichtet, besteht das Snowy Scheme aus zwei hauptsächlichen Komplexen. Weiter im Norden liegt der Snowy-Tumut-Komplex und südlich der Snowy-Murray-Komplex. Beide sind per Tunnel mit dem Lake Eucumbene verbunden, der als regulierendes Wasserreservoir fungiert. Das Snowy-Scheme umfasst acht Wasserkraftwerke, darunter zwei Untergrundkraftwerke. Dazu gehört unter anderem das Pumpspeicherkraftwerk Tumut 3. Es erzeugt Strom und pumpt Wasser, indem es das Wasser zwischen dem Talbingo-Stausee und einem Ausgleichsbecken hin- und herleitet. Damals war es das erste große Pumpspeicherkraftwerk Australiens und ist bis heute die größte Anlage dieser Art im Land. ANZEIGE ANZEIGE Weitere Kraftwerke im Überblick: Tumut 3: 1973 beendet, Leistung 1800 Megawatt Murray 1: 1967 beendet, 950 Megawatt Murray 2: 1969 beendet, 600 Megawatt Weiter gehören 16 große Staudämme zu dem Projekt. Sie regulieren den Wasserstand in verschiedenen Reservoirs. Das Tumut-Kraftwerk ist auf den Talbingo-Damm angewiesen, weil der das Wasser im gleichnamigen See erst aufstaut. Wichtige Staudämme des Snowy-Plans: Talbingo: 162 Meter hoch, 1970 fertiggestellt Eucumbene: 117 Meter hoch, 1958 fertiggestellt Blowering: 112 Meter hoch, 1968 fertiggestellt In Gänze generiert das „Snowy Scheme“ pro Jahr 410 Megawatt bei durchschnittlich 4500 Gigawattstunden an sauberer Energie. Schattenseiten beim Snowy-Plan Und zuletzt machen verschiedene Tunnel, Pipelines und Aquädukte einen Großteil des Projekts aus. Dazu gehören rund 145 Kilometer an teilweise verbundenen Tunnels und Pipelines sowie 80 Kilometer an Aquädukten. Nur etwa zwei Prozent der gesamten Infrastruktur des „Snowy Scheme“ sind sichtbar über der Erde, gibt das National Museum of Australia dazu an. Die große Mehrheit der Tunnel, Kraftwerke und Aquädukte wurden entweder unterirdisch gebaut oder direkt in das bergige Terrain eingelassen. Laut dem „National Museum Australia“ hat das Projekt die technologischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten Australiens maßgeblich mit vorangetrieben. Einige Durchbrüche in Sachen Technologie seien bereits in die Welt heraus importiert worden. Die Schattenseite: Das Megaprojekt hat einige Umweltprobleme mit sich gebracht. Zum Beispiel sollen sowohl der Snowy River als auch andere Flüsse nach dem Bau deutlich weniger Wasser führen. Snowy 2.0 ergänzt Infrastruktur Australien reicht das noch nicht: Schon jetzt ist „Snowy 2.0“ geplant, ein Wasserkraftprojekt, das auf der bestehenden Infrastruktur aufbauen soll. Laut dem Energieversorger Snowy Hydro soll die 2.0-Variante die Stromerzeugung von Snowy 1 deutlich steigern. Es verbindet zwei Reservoirs (Tantangara und Talbingo) durch ein 27 Kilometer langes Tunnelsystem, hinzu kommt ein unterirdisches Wasserkraftwerk. Das System dahinter: Sechs umkehrbare Turbinen im Kraftwerk sollen das Wasser ansaugen, wenn der Strombedarf gerade hoch ist, und dann wieder in das höher gelegene Reservoir zurückpumpen. Dabei benutztes Wasser soll immer wiederverwendet werden können. Wasserkraft mit Risiken In Deutschland fließt wegen der Energiewende ebenfalls viel Geld in den Ausbau von Wind-, Solar- und Wasserkraft. 2023 konnte die Bundesrepublik erstmalig die Hälfte des Stromverbrauchs durch erneuerbare Energien decken. Wasserkraft spielt dabei allerdings eine vergleichsweise kleine Rolle. Denn die birgt massive Probleme, die erneuerbare Energien eigentlich vermeiden sollen. Laut der EU-Wasserrahmenrichtlinie belastet die Wasserkraftnutzung die Gewässer. Unter anderem unterbrechen Wasserkraftanlagen die Reisewege von Wanderfischarten, in den Turbinen kommen Fische und andere Wasserbewohner ums Leben und die Turbinen verändern den Lebensraum in der Umgebung in erheblichem Maße.