Australien klagt mutmaßlichen Spitzel im Ukraine
Startseite Politik 20 Jahre Haft drohen: Australier soll Standorte ukrainischer Soldaten an Russland verraten haben Uns auf Google folgen Der Mann soll sich in die ukrainische Armee eingeschleust und Russland mit wichtigen Informationen versorgt haben. In Australien gilt vorsätzliche ausländische Einflussnahme als Straftat. Sydney – In Australien ist am Freitag (21. August) ein Mann wegen ausländischer Einflussnahme angeklagt worden. Ihm wird vorgeworfen, versucht zu haben, Russland über militärische Aktivitäten der Ukraine zu informieren, nachdem er sich Zugang zu sensiblen Bereichen verschafft haben soll. Content-Partnerschaft Dieser Artikel von Gavin Blackburn entstand in Kooperation mit Euronews Die Anklage stützt sich auf Ermittlungen der australischen Bundespolizei und wirft dem Beschuldigten gezielte Zusammenarbeit mit mutmaßlichen Vertretern russischer Nachrichtendienste vor. Der 27 Jahre alte russisch-australische Staatsbürger erhielt nach Angaben der Chefin der australischen Bundespolizei, Krissy Barrett, in Russland eine „militärische“ Ausbildung und schloss sich später den ukrainischen Streitkräften an. Die Behörden gehen davon aus, dass er dabei Kenntnisse erwarb, die ihn in die Lage versetzten, besonders sicherheitsrelevante Informationen zu sammeln und weiterzugeben, die im Kontext des Ukraine-Kriegs von Bedeutung sind. „Wir wollen nicht, dass Australien zu einem sicheren Hafen für Menschen wird, die im Auftrag anderer Staaten ausländische Einflussnahme betreiben“, sagte Barrett auf einer Pressekonferenz. Die Ermittlungen sollen zeigen, dass der Fall über eine bloße individuelle Initiative hinausgeht und in ein größeres Muster verdeckter Einflussnahme passt, gegen das Australien seit einigen Jahren verstärkt vorgeht. Vorwürfe gegen mutmaßlichen Agenten mit militärischer Ausbildung Die Ermittler werfen dem Mann vor, im Oktober 2024 für die militärische Ausbildung nach Russland gereist zu sein. Anschließend sei er nach Australien zurückgekehrt und habe dort „Kontakt gehalten“ zu Personen, die er für mit dem russischen Nachrichtendienst verbunden hielt, wodurch die Behörden von einer fortgesetzten, zielgerichteten Kooperation ausgehen, die sich auch auf künftige Informationsflüsse beziehen sollte. Nach Polizeiangaben reiste er 2025 in die Ukraine und ließ sich dort in die Streitkräfte des Landes aufnehmen. Dabei habe er „Zugang zu Informationen über militärisches Personal, Einheiten und Standorte“ erhalten, die aus Sicht der Ermittler für russische Dienste von erheblichem strategischem Wert sein könnten und unter normalen Umständen strenger Geheimhaltung unterliegen würden. Weitergabe sensibler Informationen und Gefährdung ukrainischer Truppen Barrett erklärte, der Mann habe anschließend „Informationen, die er in der Ukraine erhalten hatte, an Personen weitergegeben oder weitergeben wollen, von denen er annahm, dass sie im Auftrag russischer Nachrichtendienste handelten“. Nach Darstellung der Ermittler soll er dabei gezielt Daten gesammelt haben, die Rückschlüsse auf die Struktur und Einsatzfähigkeit der ukrainischen Einheiten zulassen. Dies soll die Sicherheit ukrainischer Soldatinnen und Soldaten gefährdet haben, da Standortdaten und Details zu Personalbewegungen im Kriegsgebiet für gegnerische Streitkräfte unmittelbar nutzbar wären. Die Behörden betonen, dass schon der Versuch der Weitergabe solcher Informationen strafbar ist, selbst wenn nicht alle Daten tatsächlich bei russischen Stellen angekommen sein sollten. Harte Strafen für ausländische Einflussnahme und Australiens Rolle im Ukraine-Konflikt Gezielte ausländische Einflussnahme kann in Australien mit bis zu 20 Jahren Haft bestraft werden. Diese strengen Strafandrohungen sind Teil eines Maßnahmenpakets, mit dem Canberra verhindern will, dass fremde Staaten politische Entscheidungen, öffentliche Debatten oder sicherheitsrelevante Prozesse verdeckt beeinflussen, und sollen potenzielle Akteure bereits im Vorfeld abschrecken. Australien unterstützt die Ukraine bei ihrer Verteidigung gegen den russischen Angriffskrieg. Im Februar 2025 hatte Außenministerin Penny Wong bilanziert, dass ihr Land binnen drei Jahren mehr als 1,5 Milliarden Dollar (900 Millionen Euro) bereitgestellt habe, um der Ukraine bei der Verteidigung zu helfen. Darunter über 1,3 Milliarden Dollar (700 Millionen Euro) an militärischer Unterstützung durch wichtige Ausrüstung für das Schlachtfeld und die Ausbildung ukrainischer Kräfte. „Australien hat von Anfang an klargemacht, dass Russland und alle, die seine illegale Invasion unterstützen, Konsequenzen zu spüren bekommen werden.“ Mit dieser Haltung begründet die Regierung in Canberra auch ihr hartes Vorgehen gegen mutmaßliche Spionage- und Einflussnahmefälle, zu denen nun auch der angeklagte 27-Jährige gezählt wird.