Australien: Vogelgrippe H5N1 bedroht einzigartige Tierwelt
Die Vogelgrippe hat sich in Australien ausgebreitet. Die Seuche stellt zunehmend eine Gefahr für die Wildtiere insgesamt dar. Anfang September waren den Behörden zufolge bereits mehr als 460 positive Fälle des hochpathogenen H5-Virus registriert.
Betroffen sind auch endemische Vogelarten, darunter Eilseeschwalben und Silberkopfmöwen. Und inzwischen gibt es zudem die ersten Nachweise bei Säugetieren: einem Rotfuchs, einem Langnasen-Seebären und einem Gemeinen Delfin. Die große Frage ist: Welche anderen Arten der einzigartigen australischen Tierwelt könnte das Virus noch erreichen?
»Unsere Tierwelt war ja bisher diesem Virus überhaupt nicht ausgesetzt«, sagte Galit Tzipori, leitende Veterinärin des bekannten Lone Pine Koala Sanctuary in Brisbane der Nachrichtenagentur dpa. In dem Schutzpark leben neben Koalas auch viele Vögel, Dingos und andere australische Spezies. »Wir werden erst mit der Zeit mehr darüber lernen, was das für die verschiedenen endemischen Arten bedeutet«, sagte Tzipori.
Ende August erstmals Säugetiere infiziert
Die Angst, dass die Krankheit auch den letzten vogelgrippefreien Kontinent erreichen könnte, ging unter Experten schon lange um. Denn über den Ozean erreichen jedes Jahr Millionen Zugvögel Australiens Küsten.
Im Juni brachten zwei von ihnen die gefährliche Fracht mit: Bei einem Braunen Skua und einem Riesensturmvogel wurde die aviäre Influenza, wie die Krankheit auch heißt, im Bundesstaat Western Australia nachgewiesen. Zunächst sah es nach einzelnen Fällen bei weit gereisten Vögeln aus. Doch bald war klar: Das Virus wird bleiben.
Ende August infizierten sich erste Säugetiere. Zunächst traf es eine Robbe, genauer gesagt einen Langnasen-Seebär (Arctocephalus forsteri), auch Neuseeländischer Seebär genannt. Kurz darauf wurde der Erreger bei einem Fuchs und einem Delfin festgestellt.
Impfungen für Papageien und Pinguine
»Bedroht sind vor allem Fleischfresser und Raubtiere, wie überall sonst auf der Welt. Also Arten, die tote Vögel fressen würden«, sagte Tzipori. »Es könnte etwa Dingos in Küstengebieten betreffen, vor allem auf K’gari.« Auf der Insel, die früher Fraser Island hieß, leben Hunderte der hundeähnlichen Raubtiere.
Die zuständigen Regierungsbehörden haben mittlerweile eine umfangreiche Risikoliste erstellt. Für fast 400 heimische Vogel- und Säugetierarten wird darin ein hohes bis extremes Risiko durch H5N1 ausgewiesen.
Fünf Arten könnten im schlimmsten Fall vollständig verschwinden. Dazu gehören der Weißbauch-Fregattvogel, der sein Brutgebiet auf der Weihnachtsinsel hat, und der Heraldsturmvogel. Zu den besonders gefährdeten Säugetieren zählen verschiedene Delfin-, Wal- und Robbenarten.
Auch Zwergpinguine sollen Immunität gegen die Krankheit bekommen. Unter anderem auf Phillip Island in der Nähe von Melbourne sowie auf der Insel Barunguba in New South Wales haben Impfungen begonnen. Möglich ist das, weil die flugunfähigen Tiere jeden Abend in ihre Kolonie und meist sogar in dieselben Bruthöhlen zurückkehren.
So können Helfer sie gezielt einfangen und einige Wochen später für die wichtige zweite Impfung wieder erreichen – bei den meisten wild lebenden Vogelarten wäre das kaum möglich.