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Autofahrer wünschen sich echte Tasten zurück

Technologie

Ablenkung am Steuer ist ein unterschätztes Sicherheitsrisiko. Smartphones, Touchscreens und verschachtelte Fahrzeugmenüs tragen dazu einen erheblichen Teil bei. Zu diesem Ergebnis kommt die Allianz im Rahmen ihrer neuen Studie, die im Rahmen des Motor Days des Versicherers vorgestellt wurde.

Nach eigenen Untersuchungen geht der Versicherer davon aus, dass Ablenkung bei mindestens jedem dritten Verkehrsunfall eine Rolle spielt. Die Forscher simulierten kritische Verkehrssituationen und verglichen, wie sich aufmerksame und abgelenkte Fahrer verhalten. Dafür wurde jede Situation tausendfach durchgerechnet.

Ablenkung gefährlicher als Alkohol am Steuer

Bei einer simulierten Gefahrenbremsung des vorausfahrenden Fahrzeugs auf der Autobahn stieg der Anteil der Kollisionen von 18,2 Prozent bei aufmerksamen Fahrern auf 54,3 Prozent bei abgelenkten Fahrern. In einem weiteren Szenario, in dem plötzlich ein Kind auf die Straße läuft, erhöhte sich der Anteil von 3,9 auf 11,2 Prozent. In beiden Fällen näherte sich damit das Kollisionsrisiko dem Dreifachen.

In allen vier untersuchten Szenarien fiel das Risiko bei Ablenkung zudem höher aus als beim simulierten Fahren unter dem Einfluss von 0,8 Promille Alkohol.

Touchscreens werden zum Sicherheitsproblem

Neben den Simulationen befragte die Allianz 1200 Autofahrer in Deutschland. Besonders kritisch sehen viele die Bedienung moderner Fahrzeugdisplays. 39 Prozent berichten, in den vergangenen drei Jahren mindestens einmal durch die Nutzung eines Touchscreens während der Fahrt in eine kritische Situation geraten zu sein. Dazu zählen beispielsweise starkes Bremsen, Beinahe-Unfälle oder tatsächliche Kollisionen.

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Als besonders ablenkend gelten längeres Scrollen durch Listen, etwa bei Kontakten oder Musik, sowie unübersichtliche Menüs. 48 Prozent nennen dieses Scrollen als Ablenkungsquelle, 46 Prozent kritisieren die komplexen Menüstrukturen. Auch kleine oder schwer zu treffende Touchflächen können die Aufmerksamkeit beanspruchen.

Entscheidend ist allerdings nicht allein, ob ein Fahrzeug einen Touchscreen besitzt. Untersuchungen des Allianz Zentrums für Technik zeigen, dass auch die Gestaltung der Bedienoberfläche eine Rolle spielt. Bei identischen Bedienaufgaben konnten günstig gestaltete Systeme die Blickabwendungszeit in einzelnen Fällen um bis zu 25 Prozent beziehungsweise rund drei Sekunden reduzieren.

Smartphone bleibt eine Gefahr

Auch das Smartphone ist weiterhin ein Problem. 42 Prozent der Befragten geben an, während der Fahrt zumindest selten Texte mit dem Smartphone in der Hand zu tippen. 27 Prozent berichten von mindestens einer kritischen Situation in den vergangenen drei Jahren, die mit der Smartphone-Nutzung in der Hand zusammenhing. Bei besonders intensiven Smartphone-Nutzern steigt dieser Anteil sogar auf 66 Prozent.

Wie häufig Ablenkung tatsächlich bei Unfällen eine Rolle spielt, zeigt ebenfalls die Befragung: 19 Prozent der Teilnehmer hatten in den vergangenen drei Jahren einen Verkehrsunfall, den sie ganz oder teilweise selbst verursacht hatten. Von diesen Befragten geben 72 Prozent an, dass Ablenkung ihrerseits eindeutig oder möglicherweise eine Rolle spielte. Die Befragung erfasst dabei die Einschätzung der Unfallbeteiligten und ist kein unabhängiger Nachweis der jeweiligen Unfallursache.

Autofahrer wünschen sich klassische Schalter zurück

Die Ergebnisse spiegeln sich auch in den Bedienwünschen. 70 Prozent der Befragten bevorzugen für bestimmte Fahrzeugfunktionen klassische Bedienelemente wie Tasten und Drehregler gegenüber einer ausschließlich digitalen Steuerung. Bemerkenswert ist, dass die Zustimmung bei den vermeintlich touch-talentierteren 18- bis 25-Jährigen mit 79 Prozent höher liegt als im Durchschnitt.

Vor allem bei häufig benötigte Funktionen wie Klimaanlage, Radio oder bestimmte Fahrzeugeinstellungen wäre es sinnvoll, wenn sie ohne verschachtelte Bildschirmmenüs erreichbar wären. Die Allianz fordert deshalb, sicherheitsrelevante Funktionen intuitiv bedienbar zu gestalten.

Fahrer sehen sich aber auch selbst in der Verantwortung

Trotz der Kritik an modernen Cockpits sehen die Befragten die Hauptverantwortung für weniger Ablenkung bei sich selbst: 87 Prozent sind der Ansicht, dass Autofahrer in erster Linie selbst dafür sorgen müssen, ihre Aufmerksamkeit auf die Straße zu richten. Gleichzeitig befürworten viele strengere Maßnahmen. 60 Prozent sprechen sich für höhere Geldstrafen bei der Smartphone-Nutzung am Steuer aus. 48 Prozent wünschen sich strengere rechtliche Sanktionen, während 41 Prozent technische Einschränkungen für komplexe Bedienmöglichkeiten während der Fahrt unterstützen.

Digitale Technik kann den Alltag erleichtern – sie sollte jedoch die Aufmerksamkeit nicht vom Verkehrsgeschehen abziehen. Denn schon wenige Sekunden fehlender Konzentration können in einer kritischen Situation darüber entscheiden, ob es zum Unfall kommt.

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