Autozulieferer gibt Produktion in Deutschland auf: 180 Jobs weg
TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen Gründau – Nächster Rückschlag für die deutsche Autozuliefer-Industrie! Ein weiterer Hersteller verlagert seine Produktion ins Ausland. Für den Standort in Deutschland stehen 180 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Doch nicht nur die Jobs sollen verschwinden: Auch Maschinen, Know-how und Fertigung wandern ab. Beim Autozulieferer Lear in Gründau ( Hessen ) will das Management nach Angaben von Betriebsrat und IG Metall die Bereiche Produktion und Logistik schließen. Arbeit und Maschinen sollen in die Slowakei, nach Serbien und nach Tunesien verlagert werden. Der Stellenabbau soll bis Mitte 2027 abgeschlossen sein. Demnach bleiben lediglich rund 120 Jobs in der Entwicklung. Die Gründe für den Stellenabbau Warum der Kahlschlag? „Um die Produktion zu halten, hätte das Unternehmen nach eigener Auffassung zu viel investieren müssen. Da geht man lieber in Billiglohnländer. Der Standort wird aber systematisch schlecht gerechnet“, sagt Matthias Ebenau, Geschäftsführer der IG Metall Hanau-Fulda, zu BILD. Denn laut dem Gewerkschafter platze die „Logistik aus allen Nähten“. Autozulieferer von US-Riese übernommen Daher ist die Nachricht für die Beschäftigten ein Schock. Viele Mitarbeiter sind zwischen 50 und 60 Jahre alt. Das Management sei nach der Ankündigung am Dienstag kaum zu Wort gekommen, so ein Teilnehmer der Mitarbeiterversammlung. Betriebsratschef Markus Rotter kritisiert: „Bei der Übernahme durch Lear wurde uns noch versprochen, alles bleibe beim Alten. Aber die Ankündigung des Unternehmens übertrifft unsere schlimmsten Befürchtungen.“ Der Standort Gründau hat eine lange Geschichte. Dort werden u. a. Sitz-, Lenkrad- und Flächenheizungen für die Auto-Hersteller entwickelt und derzeit noch gefertigt. Vor drei Jahren übernahm der börsennotierte Riese Lear das 1840 gegründete Familienunternehmen I.G. Bauerhin (IGB). Die US-Firma gehört zu den größten Autozulieferern der Welt, hat weitere Standorte hierzulande und setzte zuletzt mehr als 20 Milliarden Euro um. Hat das deutsche Werk noch eine Chance? Erst im vergangenen Jahr hatten Gewerkschaft und Unternehmen eine tarifliche Vereinbarung geschlossen. Nach Angaben der IG Metall sollten damit die Zukunft des Werkes gesichert und betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen werden. „Wir werden dem Management ein Alternativ-Konzept unterbreiten. Am Ende steht aber die unternehmerische Freiheit über der sozialen Frage. Das kritisiere ich, es ist aber so“, sagt der 41-jährige Gewerkschafter. Eine BILD-Anfrage an Lear blieb bislang unbeantwortet.