Axel Milberg („Tatort“): 5. Enkelkind unterwegs! „Juchhu“
TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen München (Bayern) – Als Kriminalhauptkommissar Klaus Borowski prägte er den Kieler „Tatort“ über zwei Jahrzehnte lang und wurde zu einem der beliebtesten deutschen TV-Stars. Wer Axel Milberg (70) kennt, weiß, dass er als Ehemann, Vater und Großvater nicht weniger beliebt ist. Gestern feierte er seinen 70. Geburtstag. Das schönste Geschenk macht ihm die Familie: Enkelkind Nummer fünf ist unterwegs, wie er BILD verriet. BILD: Sie haben gestern Ihren 70. Geburtstag gefeiert. Haben Sie im Vorfeld gerne auf diese Zahl geblickt, oder sind Ihnen diese Wegmarken nicht ganz so wichtig? Axel Milberg: „Ich habe keine Antwort darauf. Ehrlich gesagt kann ich mit diesen runden Geburtstagen nicht viel anfangen. Ich habe bis letzte Woche gedreht, hatte also keine Zeit, darüber nachzudenken. Aber so vom Gefühl her habe ich damit tatsächlich nichts zu tun. Jedenfalls nicht mit der Zahl.“ Das unterscheidet Sie vielleicht von anderen Jubilaren. Milberg: „Als Schauspieler habe ich schon viele Leben ausprobiert und überlebt. Ich bin über 50 Mal in Filmen gestorben – Selbstmord mit der Dienstwaffe, durch Mord, überrollt vom 20-Tonner, anschließend im Säurebad aufgelöst. Am Ende geht es um das Gefühl, lebendig zu sein. Und dieses Gefühl bleibt auch mit 70, habe ich mir sagen lassen, uneingeschränkt.“ Ihre Rollen haben Sie demnach auf das Leben vorbereitet? Und auch auf das Älterwerden und den Tod? Milberg: „Wie gut, werde ich wohl erst wissen, wenn es so weit ist. Allerdings werde ich in den letzten Minuten meines Lebens nicht mit BILD telefonieren, who knows …“ (lacht) Hatten oder haben Sie Wünsche? Milberg: „Diese Reiswaffeln mit Schokolade, zartbitter, sind schon eine Versuchung! Ansonsten bin ich einer von Milliarden, die sich gerade alle das Gleiche wünschen: Demokratie, Freiheit, Frieden. Mögen Klugheit und Empathie über Besitzgier, Machtgeilheit und krankhafte Unberechenbarkeit siegen.“ Viele Menschen Ihrer Generation sind froh, dass sie nicht mehr arbeiten müssen, um endlich mehr im Garten zu sein. Sie nicht. Sie machen einfach weiter. Milberg: „Ja, ich werde fröhlich weiterarbeiten. Aber ich habe auch nichts dagegen, im Garten zu sein und Rosen zurückzuschneiden. Man kann so viel Neues lernen. Das hört nie auf.“ Was hält Sie mehr auf Trab – Ihre Arbeit oder Ihre Familie? Milberg: „Beides! Jetzt beginnt gerade eine kleine Unterbrechung, freie Sommertage, ohne Wecker, ohne strenges Programm. Ich freue mich darauf, keine Aufgaben zugeteilt zu bekommen und für mich zu sein, nichts zu tun. Schweigen. Schreiben. Lesen. Familie. Aber dennoch: Wenig geht über das Glücksgefühl, das sich nach einem langen, harten Arbeitstag einstellt, wenn etwas gelungen ist.“ Bei Ihnen dürfen wir also auch feststellen: Es gibt ein Leben nach dem „Tatort“. Milberg: „Durchaus, aber dennoch, es war auch eine irre Reise mit Klaus Borowski. Ich zitiere meinen Kollegen Harrison Ford: Es ist schwierig, in den Beruf hineinzukommen. Aber noch schwieriger, aus dem Beruf wieder herauszufinden.“ (lacht) Was wissen Sie als 70-Jähriger über das Leben, das Sie gerne schon als 17-Jähriger gewusst hätten? Milberg: „Dass es viel mehr Menschen gut mit mir meinten, als ich es zunächst wahrnahm. An mich glaubten. Mit mir arbeiten wollten. In mir war viel unnötiges Misstrauen.“ Denken Sie manchmal: Wo ist eigentlich die Zeit geblieben? Milberg: „Das ging mir so, als ich neulich den Sechsteiler ,Tassilo S. Grübel‘ wiederentdeckte. 1988/89 drehte ich mit Bruno Ganz am Bodensee. Wir waren Kleinganoven, die sich als Detektive ausgaben. Das Wiedersehen nach so langer Zeit war merkwürdig und schön.“ Und wie ist der Blick morgens in den Spiegel? Schon merkwürdig oder noch schön? Milberg: „Ich schaue nicht oft, aber bin zufrieden. Nächste Frage.“ Haben Sie sich – auch gemeinsam mit Ihrer Frau – für das neue Jahrzehnt etwas vorgenommen? Viele Paare leiden bekanntlich am sogenannten Empty-Nest-Syndrom. Milberg: „Haha! Wir nicht. Unser jüngster Sohn lebt noch bei uns, er macht gerade eine Ausbildung. Manchmal sehen wir ihn tagelang nicht. Und das Nest wird immer wieder durch die wilde Enkelschar gefüllt. Allein das Aufräumen nach den Besuchen schaffen wir inzwischen unter 35 Minuten. Juchhu! Das fünfte Enkelkind ist unterwegs.“ Eignen Sie sich eigentlich für die Rolle als Großvater im Schaukelstuhl? Milberg: „Nein. Mir wird leider schlecht im Schaukelstuhl. Ich werde regelrecht seekrank.“ Nochmal zurück zum neuen Jahrzehnt: Haben Sie gar keine Pläne?