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Backhaus: Waldbrand im Müritz-Nationalpark unter Kontrolle

Nation

Stand: 20.07.2026 14:32 Uhr Der Waldbrand im Müritz-Nationalpark ist unter Kontrolle. Doch gelöscht ist er nicht - und Wind und Trockenheit könnten die Lage erneut verschärfen. Nach gut einer Woche beruhigt sich die Lage im Müritz-Nationalpark: "Dieser Brand ist vollständig unter Kontrolle - aber das Feuer ist noch nicht komplett aus", erklärte Umweltminister Till Backhaus (SPD) gleich zu Beginn der Pressekonferenz in Dalmsdorf. Am Montagmorgen hatte das Ministerium noch in einer Presseeinladung geschrieben, das Feuer sei gelöscht. Nun stellt der Minister klar: Erst wenn die Nachsorge abgeschlossen sei, könne man davon sprechen. Für die nächsten Tage seien zudem weniger Regen und mehr Wind angesagt – das könnte die Lage wieder verändern. Noch sehr heiße Glutnester - Explosionsgefahr Laut Backhaus wurde das betroffenen Gebiet von rund 400 Hektar am Morgen abgeflogen. Dabei wurden Temperaturen zwischen 130 und 160 Grad gemessen, weshalb die starke Gefahr von Detonationen besteht. Laut Bachkhaus gab es wohl Personen, die schon versucht hätten die Fläche zu betreten. Dabei gelte ein absolutes Betretungsverbot der Fläche, so der Minister. Das sei "unverantwortlich", sagte der Landrat des Kreises Mecklenburgische Seenplatte, Thomas Müller (CDU). Deutlich weniger Personal im Einsatz Backhaus und Müller bedankten am Tag 8 des Waldbrandes sowohl bei der Bevölkerung und bei den Einsatzkräften aus ganz Deutschland. Bisher arbeitete das Team von 800 Personen im Schichtdienst - zweimal zwölf Stunden. Laut Landrat Müller werden die Verteidigungslinien gehalten, aber deutlich weniger Personal rund um die Uhr vor Ort sein. Das bedeutet die Kreisregner, die ungefähr 1.200 Hektar umstellen, bleiben zur Sicherheit stehen, werden aber nicht benutzt. Frühestens Mittwoch werde es dazu eine weitere Entscheidung geben. Weitere Löschboxen sollen besorgt werden Man werde den Landkreis nicht im Stich lassen, was die Kosten angehe, erklärte Backhaus bei der Pressekonferenz. Außerdem kündigte er an, dass das Ministerium zwei weitere Löschboxen anschaffen werde, im Forstamt Neustrelitz stationiert werden sollen. Feuer könnte absichtlich gelegt worden sein Während die Einsatzkräfte weiter gegen die immer wieder auflodernden Brandherde vorgehen, stellt sich vermehrt die Frage nach der Brandursache. Landrat Müller betont zwar, dass von der Polizei in alle Richtungen ermittelt wird, hat aber auch seine eigene Vermutung: "Ich persönlich gehe davon aus, dass dieser Brand nicht von allein entstanden ist und für mich ist es auch seltsam, dass wir innerhalb so kürzester Zeit zwei so große Brände haben." Müller verweist hier auf den Brand auf dem ehemaligen sowjetischen Truppenübungsplatz im Müritz-Nationalpark nördlich von Neustrelitz vor gut drei Wochen. Munition erschwert die Löscharbeiten Der Brand hat sich auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz ausgebreitet. Im Boden liegen noch Munitionsreste aus Zeiten des Zweiten Weltkriegs und der DDR, darunter auch große Panzerabwehrminen. Deshalb dürfen die Einsatzkräfte das Brandgebiet nicht betreten und müssen einen Sicherheitsabstand von rund 1.000 Metern einhalten. Dadurch konnten die Einsatzkräfte das Feuer nur indirekt bekämpfen und die Beregnungsanlagen außerhalb des Gefahrenbereichs aufbauen. Immer wieder ist es im Brandgebiet zu Explosionen gekommen. Wochenende: Waldbrand hat sich nicht weiter ausgebreitet Einsetzender Regen hatte am Sonntagnachmittag die Lage entspannt. Wasserwerfer der Landespolizei haben am Sonntag zudem beim Löschen unterstützt und das Gebiet zwischen Granzin und der Brandfläche bewässert. Die beiden Bundeswehrhubschrauber vom Typ CH-53 wurden am Sonntag nicht bei der Brandbekämpfung eingesetzt, weil die Piloten ihre Ruhezeiten einhalten mussten. Die Transporthubschrauber hatten in den letzten Tagen rund 1,5 Millionen Liter Wasser aus umliegenden Seen aufgenommen und großflächig über gefährdeten Bereichen abgelassen. Wegen der Munitionsbelastung durften sie die eigentlichen Brandherde jedoch nicht direkt überfliegen. Evakuierung von Granzin vorerst aufgehoben Nach mehreren Tagen im Ausnahmezustand gab es für die 100 Einwohnerinnen und Einwohner von Granzin einen ersten Lichtblick: Die Evakuierung des Dorfes wurde am Sonnabend aufgehoben. Es müsse aber weiter damit gerechnet werden, dass das Dorf erneut evakuiert werden könnte, teilte der Landkreis mit. Dies hänge vom weiteren Verlauf des Großbrandes ab. Unterstützung aus mehreren Bundesländern Bis zu 500 Helferinnen und Helfer waren zum Teil vor Ort, der Großteil von ihnen arbeitet ehrenamtlich. Unterstützung kommt unter anderem aus Bayern, Brandenburg und Sachsen. Auch das THW hat seine Kräfte verstärkt und übernimmt unter anderem die Versorgung der Pumpen, die Wasser zu den Kreisregnern transportieren. Aus Bayern sind zudem Spezialkräfte mit zahlreichen weiteren Kreisregnern angereist. Ein Team der Feuerwehr Adelsdorf betreut allein 60 Stück davon, die rund 6.000 Liter Wasser pro Minute fördern. Große Solidarität mit den Einsatzkräften Die Unterstützung aus der Bevölkerung ist groß. Viele Anwohner bringen Kuchen, Getränke oder andere Verpflegung zur Einsatzzentrale. Das Deutsche Rote Kreuz versorgt die Einsatzkräfte unterdessen mit Tausenden belegten Brötchen, warmem Essen und Getränken. Auch Mückenspray und Sonnencreme gehören inzwischen zum Repertoire der Feuerwehrleute. An mehreren Orten wurden zudem Schilder aufgehängt, die den Einsatzkräften für ihre Arbeit danken. Natur und Tierwelt können sich erholen Auch wenn die verbrannten Flächen derzeit ein verheerendes Bild abgeben, rechnen Fachleute langfristig mit einer Erholung der Natur. Das betroffene Gebiet sei nach der militärischen Nutzung innerhalb von rund 30 Jahren wieder zu Wald geworden. Eine ähnliche Entwicklung sei auch diesmal zu erwarten. "Verbrannte Fläche sieht natürlich immer sehr extrem aus. Das ist ein Bild, was uns als Mensch überhaupt nicht gefällt. Wir haben aber die Erfahrung gemacht, dass sich die Natur doch wieder sehr schnell erholt", so der Amtsleiter des Müritz-Nationalparks, Ulf Zimmermann. Auch für die Tierwelt sieht Zimmermann Chancen. "Alles, was laufen oder fliegen kann, zieht sich rechtzeitig zurück." Schwieriger sei die Situation für die Tiere nach dem Brand - viele Arten würden hier natürlich zunächst keine Nahrungsgrundlage mehr finden.

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