Baden-Württemberg Radikaler Konzernumbau bei Bosch
Bosch stellt seine Konzernstruktur in Deutschland grundlegend neu auf. Der Auto- und Technologiekonzern baut seinen Mobilitätsbereich sowie drei weitere Sparten zu eigenständigen Tochtergesellschaften um. Ziel ist es, im Wettbewerb - etwa mit chinesischen Herstellern und bei der Elektromobilität - schneller, innovativer und profitabler zu werden. Besonders für den Bereich Mobilität erhofft sich der Stiftungskonzern dadurch große Vorteile. Als eigenständige Gesellschaft könne Bosch Mobility in Zukunft schneller auf Marktveränderungen reagieren, heißt es von der Geschäftsführung.
62.500 Beschäftigte sollen in die neuen GmbHs wechseln, ihre bestehenden Arbeitsverträge gehen dorthin über, heißt es von Bosch. Betroffen sind die Mobilitätssparte und die zentralen Servicebereiche "Bosch Digital", "Global Business Services" und "Global Real Estate". Die Robert Bosch GmbH werde künftig in erster Linie die Unternehmenszentrale und die Konzernforschung umfassen.
Stiftungskonzern erhofft sich strategische Vorteile
Bosch betont, dass auch nach der Umstrukturierung alle Einheiten weiterhin integraler Bestandteil der Bosch-Gruppe bleiben. Operativ starten die neuen Gesellschaften ihre Arbeit am 1. August des kommenden Jahres.
Bosch-Konzernumbau: Betriebsrat will ihn "kritisch und konstruktiv" begleiten
Parallel zur Umstrukturierung steht Bosch massiv unter Druck. Der Konzern hat angekündigt, in Deutschland mehr als 20.000 Stellen zu streichen - vor allem in der Mobilitätssparte. Ursachen sind der harte Wettbewerb mit chinesischen Anbietern, der Umstieg auf die Elektromobilität und der generelle Umbruch in der Autoindustrie. Bosch hat heute mitgeteilt, keine zusätzlichen Jobs abbauen zu wollen. Auch ein Börsengang sei nicht geplant.
Frank Sell, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats bei Bosch Mobility Solutions, macht deutlich, dass die Arbeitnehmervertretung den Prozess aufmerksam begleiten will. Man sei bereit, die angekündigten Veränderungen konstruktiv und kritisch mitzugestalten, so Sell. Entscheidend sei aber, "dass dieser Umbau nicht zu Lasten der Beschäftigten geht".
Arbeitsplätze und Mitbestimmung: Was bedeutet der Umbau für Beschäftigte?
Für die rund 63.000 Beschäftigten, deren Verträge in die neuen GmbHs übergehen, bleibt zunächst vieles gleich: Sie arbeiten weiterhin für Unternehmen der Bosch-Gruppe, und ihre bisherigen Verträge werden übernommen. Ein kompletter Arbeitgeberwechsel zu einem unabhängigen Drittunternehmen findet nicht statt. Bei einem solchen Betriebsübergang schützt das Gesetz die bestehenden Rechte der Beschäftigten, erklärt der Hamburger Arbeitsrechtler Rainer Fuhlrott. Allerdings ist das keine Garantie für alle Zeiten: Mit der neuen Struktur erhalte Bosch potenziell die Möglichkeit, die Arbeitsbedingungen in den einzelnen Gesellschaften verschieden zu gestalten, so Experte Fuhlrott. Ob und in welchem Ausmaß der Konzern davon Gebrauch machen wird, ist unklar.
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