Bagger-Attacke auf Familienhaus in Mörlenbach: Tatverdächtiger fürchtete offenbar Strahlung
Am Tag nach der schier unglaublichen Tat herrschte noch immer Chaos. Herausgerissene Mauerteile, Möbel, Vasen, Kinderspielzeug und Unmengen an Dämmmaterial türmten sich vor dem zerstörten Einfamilienhaus im kleinen Mörlenbacher Ortsteil Bonsweiher (Kreis Bergstraße). Auch der rote Bagger stand am Montag weiterhin vor dem Gebäude.
Mit dem Fahrzeug hatte ein 44-Jähriger am Sonntagmorgen das Haus seiner Nachbarn angegriffen und eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Wie die hessenschau vor Ort erfuhr, war das Technische Hilfswerk bis tief in die Nacht damit beschäftigt, das beschädigte Gebäude zu sichern.
Das riesige Loch in der Fassade ist inzwischen mit Folie abgedichtet worden. An eine Rückkehr in ihr Zuhause ist für die betroffene Familie aber noch lange nicht zu denken.
Mehrere hunderttausend Euro Schaden
Die Eltern und ihre drei Kinder sind bei Freunden und Verwandten untergekommen. Statiker müssen nun abschließend prüfen, ob das Gebäude überhaupt noch repariert werden kann. Derzeit gilt das Haus als einsturzgefährdet. Den entstandenen Sachschaden schätzt die Polizei auf mehrere hunderttausend Euro. Wer für den Schaden aufkommt, ist bislang unklar.
Der tatverdächtige Nachbar wurde in einer psychiatrischen Klinik in Heppenheim untergebracht. Am Montag veröffentlichte der Mann auf seiner Homepage persönliche Nachrichten, die auch Hinweise auf ein mögliches Tatmotiv geben.
Verschwörungserzählungen über gefährliche Strahlung
Der 44-Jährige verbreitet auf seiner Webseite Verschwörungserzählungen über angebliche Gefahren durch WLAN oder Mobilfunkmasten. Dort ist unter anderem von Eliten, globalen Machtübernahmen und "Gottes letztem Angebot an das System" die Rede. Mit "Gott" meint er dabei offenbar sich selbst.
Offenbar sah der Mann auch im Haus seiner Nachbarn eine vermeintliche Gefahrenquelle. Er habe einen Funkmasten abgerissen, "der gegen uns gerichtet war", schrieb er über den Angriff mit dem Bagger.
Tat dauerte mehrere Minuten
Noch am Abend vor der Tat soll er die Familie vor der vermeintlichen Strahlung gewarnt und sie aufgefordert haben, die angebliche Strahlungsquelle abzustellen. Am Sonntagmorgen rückte er dann gegen 9.30 Uhr mit dem Bagger an und begann sofort damit, die Hauswände einzureißen.
Die Mutter der Familie, die laut Zeugenaussagen allein zu Hause war, verständigte sofort die Polizei. Der 44-Jährige rammte die Baggerschaufel noch mehrere Minuten lang gegen die Fassade, bevor ihn die eintreffenden Beamten widerstandslos festnahmen.
Fassungslosigkeit in Bonsweiher
Im rund 1.000 Einwohner zählenden Dorf Bonsweiher herrscht seitdem Fassungslosigkeit. Im Gespräch mit der hessenschau zeigten sich viele Bewohnerinnen und Bewohner erschüttert. Sie konnten sich die Tat nicht erklären. Einige äußerten auch Angst vor dem 44-Jährigen.
Zugleich äußerten viele Menschen den Wunsch, der betroffenen Familie zu helfen, und suchten nach Möglichkeiten, sie zu unterstützen. Ein Spendenkonto ist bislang allerdings noch nicht eingerichtet worden.