Bahnstrecke Hannover-Hamburg: Verkehrsausschuss stimmt dafür
Verkehrsausschuss stimmt für Neubaustrecke Hannover-Hamburg
Stand: 07.10.2026 17:23 Uhr
Mehrfach ist die Entscheidung zur umstrittenen Bahn-Neubaustrecke Hannover-Hamburg vertagt worden, weil die Ablehnung bei den Betroffenen zu groß war. Nun hat der Verkehrsausschuss des Bundestags dafür gestimmt.
von Katharina Seiler
"Wir beenden den jahrelangen Stillstand bei Hamburg-Hannover und bringen Neubau und Verbesserungen auf der Bestandsstrecke endlich zusammen", sagte Isabel Cademartori, verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, am Mittwoch. Der Verkehrsausschuss stimmte für eine Beschlussvorlage, die neben der Neubaustrecke auch wesentliche Verbesserungen an der bestehenden Strecke vorsieht. Rund 250 Millionen Euro sollen bis spätestens 2034 zusätzlich in die Bestandsstrecke investiert werden, sagte Cademartori.
Die Verkehrspolitiker von Union und SPD halten eine neue Bahntrasse zwischen Hannover und Hamburg für nötig, um unter anderem zusätzliche Kapazitäten - vor allem für den Seehafenhinterlandverkehr - zu schaffen. Der Hamburger CDU-Bundestagsabgeordnete Christoph Ploß ist erleichtert: "Wir Hamburger sagen seit Jahren, wir brauchen den Neubau der Strecke. Gerade auch die Hafenwirtschaft wird von dem Beschluss besonders profitieren."
Schnellstrecke zwischen Hannover und Hamburg geplant
Darüber hinaus soll eine neue Schnellfahrstrecke die Fahrtzeit zwischen Hannover und Hamburg verkürzen, damit sie sich in den Fahrplan des Deutschlandtaktes einfügt. In unter einer Stunde sollen Bahnreisende von Hamburg nach Hannover kommen. Aktuell braucht der ICE-Sprinter eine Stunde und 15 Minuten. Außerdem ist die Strecke Teil der Transeuropäischen Netze der EU, die Skandinavien mit dem Mittelmeer verbinden soll. So steht es in der Beschlussvorlage der Regierungsfraktionen zur Neubaustrecke, die dem NDR vorliegt, und über die der Verkehrsausschuss am Mittwoch entschieden hat.
Neubaustrecke erst Mitte des Jahrhunderts fertig
Nach der Zustimmung des Verkehrsausschusses ist es wahrscheinlich, dass die Neubaustrecke auch morgen Abend vom Bundestag beschlossen wird. Die Zustimmung gilt als Formsache, heißt es in der Koalition. Die Planungen und Genehmigungsverfahren würden dann fortgesetzt, Mitte des Jahrhunderts könnte die zusätzliche Bahntrasse fertiggestellt sein.
Betroffene lehnen Neubaustrecke bis zuletzt ab
Die Pläne für eine Neubaustrecke waren bis zuletzt umstritten, vor allem bei denen, die von einer neuen Trasse betroffen wären. Die Verkehrspolitiker von CDU und SPD im Bundestag haben deshalb in den vergangenen Monaten zahlreiche Gespräche mit den Menschen aus den betroffenen Kommunen geführt, um die befürchteten Nachteile abzumildern. Dabei ging es unter anderem um zusätzliche Regionalhalte entlang der neuen Trasse, um mehr Lärmschutz und kurzfristige Verbesserungen auf der Bestandsstrecke.
Abgeordnete berücksichtigen weitere Forderungen aus der Region
Trotzdem blieb die Unzufriedenheit in den betroffenen Regionen und bei der niedersächsischen Landesregierung groß. Und so war die Entscheidung über die Neubaustrecke mit den Nachbesserungen Ende September erneut vertagt worden. Nun ist die Beschlussvorlage von den Fraktionen der Union und der SPD abermals überarbeitet worden. Daraus geht hervor, dass die Abgeordneten auf weitere Forderungen aus der betroffenen Region eingegangen sind.
Verbesserungen vor allem für den Landkreis Harburg
So sollen etwa im Bereich Seevetal Varianten geprüft werden, die die Belastungen durch eine Neubaustrecke verringern können. Das betrifft etwa Eingriffe in Siedlungsstrukturen und Lärmschutzmaßnahmen. Außerdem sollen im Landkreis Harburg die Überholbahnhöfe im Bereich Garlstorf und Ramelsloh so gestaltet werden, dass später Regionalhalte eingerichtet werden könnten. Und zu den geforderten Verbesserungen auf der Bestandsstrecke heißt es: "Dieses Maßnahmenpaket muss zeitnah Anfang der 2030er-Jahre (…) spätestens im Jahr 2034" umgesetzt werden.
Ablehnung für drittes Gleis bleibt
Die Forderung nach einem dreigleisigen Ausbau der Bestandsstrecke zwischen Lüneburg und Uelzen dagegen wird von den Bundestagsabgeordneten weiterhin abgelehnt. Das würde die Ziele, die Fahrtzeit zu reduzieren und Engpässe aufzulösen, nachweislich verfehlen. Allerdings, so heißt es in der Vorlage, sollen im Rahmen der Korridorsanierung die Arbeiten so gestaltet werden, dass ein späterer dreigleisiger Ausbau nicht verhindert würde. Der dreigleisige Ausbau war eine wesentliche Forderung der Bürgerinitiativen.
Deutliche Kritik an Beteiligungsprozess
Im letzten Punkt der Beschlussvorlage wird deutlich, dass viele der Beteiligten und Betroffenen des Vorhabens Neubaustrecke den Entscheidungsprozess insgesamt für verbesserungswürdig halten. Der Unmut sei durch das "zeitliche Auseinanderfallen von Beteiligungsprozessen und tatsächlicher Planung" verursacht worden. Deshalb wird von der Bundesregierung gefordert, dass sie für die weitere Planung sowie für vergleichbare Vorhaben mit allen Beteiligten einen "frühzeitigen, transparenten und verlässlichen Dialog" führen soll, um "Abstimmungsprobleme und Missverständnisse" zu vermeiden.
Zufriedenheit bei den einen ...
Der Fahrgastverband Pro Bahn begrüßte die Entscheidung des Verkehrsausschusses: Der Neubau werde großen Nutzen auch für den Regionalverkehr haben und ebenfalls die Verbindungen von Nordrhein-Westfalen nach Hamburg und Skandinavien beschleunigen. Zugleich werde die neue Strecke der Wirtschaft erhebliche Vorteile verschaffen. Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) sagte, es gebe "endlich eine realistische Perspektive zur Lösung der Kapazitätsprobleme auf der Schiene in Norddeutschland". Und Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) sprach von einer positiven Nachricht für den ganzen Norden.
... Kritik bei den anderen
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) hingegen sagte: "Mit dem Kopf durch die Wand die Planung einer Neubaustrecke voranzubringen, die in 30, 40 Jahren vielleicht mal kommt, ist nur die halbe Lösung." Er werde weiter Druck dafür machen, dass auch ein drittes Gleis auf der Bestandsstrecke komme. Der NABU Niedersachsen warnte, ein Neubau drohe wertvolle Lebensräume dauerhaft zu verändern und zu zerschneiden.