Bald HSV-Gäste: Fans von früherem Vuskovic-Klub sorgen für Nazi-Skandal
Kroatische Spitzenpolitiker haben die pro-nationalsozialistischen und antisemitischen Sprechchöre von Fans des Fußballvereins Hajduk Split vor dem Spiel in der Conference League gegen Ajax Amsterdam scharf verurteilt. Kroatiens Präsident Zoran Milanovic bezeichnete den Vorfall am Freitag in einer Stellungnahme als „inakzeptabel und beschämend“. Am 15. November ist Hajduk im Volksparkstadion beim HSV zu Gast.
Fans von Hajduk, bekannt als „Torcida“, zogen am Donnerstag durch die Küstenstadt und skandierten rechtsradikale Parolen über Juden und Adolf Hitler. Vor ihnen fuhr ein alter VW, der auf seinem Dach einen Sarg transportierte mit der Aufschrift „Ajax“. Während des Spiels zündeten Torcida-Anhänger auf den Rängen Leuchtfackeln und andere pyrotechnische Gegenstände, was eine Spielunterbrechung von fast 20 Minuten zur Folge hatte.
Kroatiens Präsident fordert Konsequenzen für die Täter
Milanovic forderte ein rasches Vorgehen gegen die Täter, um zu zeigen, „dass es in Kroatien keinen Platz für die Verherrlichung des Nationalsozialismus und der Ustascha-Ideologie (pro-nationalsozialistische Regime, das während des 2. Weltkriegs in Kroatien an der Macht war, d. Red.) gibt.“
Die israelische Botschaft in Zagreb erklärte in einer Stellungnahme, die der Nachrichtenagentur AFP vorliegt, sie sei „zutiefst schockiert über den schwerwiegenden antisemitischen Vorfall“. Auch Ministerpräsident Andrej Plenković verurteilte die „antisemitischen Botschaften“, die „völlig im Widerspruch zu den Werten stehen, die wir in der kroatischen Gesellschaft wahren wollen“.
Hajduk gewann 2:1 gegen Ajax Amsterdam
Hajduk Split, das die Partie mit 2:1 gewann, entschuldigte sich in einer Stellungnahme bei der Europäischen Fußball-Union (UEFA) und Ajax. Man habe „Szenen erlebt, an die sich Europa besser nicht erinnern sollte“. Auch der kroatische Fußballverband verurteilte den Vorfall.
Hajduk-Fans auch im Volksparkstadion
Hajduk Split ist bald auch in Hamburg zu Gast. Der HSV hat sich das kroatische Topteam für einen besonderen Test eingeladen, der in der nächsten Länderspielpause am 15. November im Volksparkstadion stattfinden soll. An diesem Tag wird dann Mario Vuskovic, der in Split wie sein Bruder Luka (jetzt Brigthon) zum Profi wurde, das erste Mal wieder ein Fußballspiel bestreiten, um sich auf einen möglichen ersten Bundesliga-Einsatz eine Woche später in Bremen vorzubereiten. Vuskovic ist nach vier Jahren Doping-Sperre ab dem 15. November wieder spielberechtigt.
Hajduks Fanszene ist dafür bekannt, das eigene Team frenetisch zu unterstützen. Dass es in Hamburg wie am Donnerstagabend zu Überschreitungen der Grenzen kommen wird, ist zwar eher unwahrscheinlich, die Vorbereitungen erschweren, werden die Vorfälle dennoch.
Die Ultra-Gruppe „Torcida“ ist europaweit berüchtigt. Sie gilt mit Gründung im Jahr 1950 als älteste Fanorganisation des Kontinents und ist politisch durch nationalistische Parolen dem rechten Spektrum zuzuordnen.(sid/kms)