Balken waren schlecht geleimt
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Eingestürztes Kirchendach in Kassel: Balken waren unregelmäßig geleimt
Von: Claudia Feser
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Drei Jahre nach dem Einsturz des Daches der Elisabethkirche liegen nun die Ergebnisse der Materialprüfung vor. Prof. Werner Seim, Bauingenieur der Universität Kassel, hat die Dachbalken und vor allem ihre Generalkeilzinkenstöße untersucht.
Dabei haben er und sein Team festgestellt, dass in nahezu allen Proben Klebstoff fehlte oder die Holzteile unregelmäßig geleimt waren. „Alle Klebungen waren fehlerhaft“, sagt der Wissenschaftler. „Es ist eigentlich ein Wunder, dass das Dach so lange gehalten hat.“
Am 6. November 2023 war Kassel nur knapp einer Katastrophe entgangen. Gegen 13 Uhr war die Dachkonstruktion der 63 Jahre alten katholischen Kirche am Friedrichsplatz auf fast voller Länge in den Innenraum gestürzt. Verletzt wurde niemand, es entstand hoher Sachschaden. Generalvikar Prälat Christof Steinert teilte am Tag nach dem Unglück während einer Pressekonferenz mit, dass zuletzt 2022 eine statische Untersuchung der Elisabethkirche stattgefunden hatte. Es habe im Vorfeld keine Anzeichen gegeben, dass an der Dachkonstruktion der Kirche, die 1959/1960 erbaut worden war, etwas nicht in Ordnung sein könnte.
Wissenschaftler Werner Seim bestätigt nun anhand seiner Untersuchungen, dass das Klebstoffproblem von außen nicht erkennbar gewesen sei. Für die Materialuntersuchung hatten er und sein Team die Stoßbereiche von zehn Trägern in Scheiben geschnitten und somit 256 Proben der Verzinkungen entnommen. Dabei wurden die Mängel an nahezu allen Holzproben festgestellt. „Pfusch“, nennt das der Wissenschaftler. Die Herstellerfirma habe damals über kein funktionierendes Qualitätssicherheitskonzept verfügt.
Ende der 1950er-Jahre seien die Klebeverbindungen der Generalkeilzinkenstöße eine neue Technik gewesen. „Es gab keine mit dem heutigen Wissensstand vergleichbare Norm oder Regel, nach der sie geprüft oder berechnet wurden“, sagt Werner Seim, „es war technisches Neuland.“
Für den Einsturz des Kirchendachs spielten sie eine wichtige Rolle. Außerdem hatte ein Gutachten der Firma „HAZ - Beratende Ingenieure für das Bauwesen“ im November 2025 ergeben, dass die Träger nach dem heutigen Stand der Technik größer dimensioniert sein müssten, als es den Normen der Bauzeit entsprach.
Wie geht es mit einem neuen Kirchendach weiter? Nach Mitteilung von Marcus Leitschuh vom Pfarrgemeinderat, der auch Mitglied der Steuerungsgruppe „Zukunft Elisabethkirche“ ist, werden noch in diesem Monat die Bauarbeiten am neuen Dach beginnen. Ein Kran wird die Module aus Metall und Holz aufs Kirchendach setzen. Im November sollen die Arbeiten beendet sein. „Dann wird der Raum wieder nutzbar.“ (Claudia Feser)
Die nächsten Arbeiten in der Elisabethkirche
In den kommenden Monaten werden die durch den Dacheinsturz gerissenen Fenster und beschädigte Backsteine ausgetauscht, außerdem wird ein Kamin für die Heizung neu gemauert. Was wird aus der Marienfigur, der durch herabstürzende Balken auch das Jesuskind aus den Händen geschlagen worden war? Marcus Leitschuh vom Pfarrgemeinrat sagt: „Es ist noch unklar, ob sie vor der Kirche als Mahnmal oder im Altarraum aufgestellt wird.“ Unklar sei auch die Anzahl der Stühle nach dem Unglück. Sie müssen gezählt und saniert werden.