Bankangestellte fordern bis zu 12 freie Tage wegen KI: Gewerkschaft warnt vor mehr Arbeitsdruck durch Automatisierung
Künstliche Intelligenz verspricht, lästige Routinearbeit zu übernehmen. Doch was passiert, wenn die gewonnene Zeit nicht beim Beschäftigten ankommt, sondern einfach mit mehr Arbeit gefüllt wird?
Genau darüber streiten derzeit Gewerkschaft und Arbeitgeber im deutschen Bankgewerbe. Der Deutsche Bankangestellten-Verband (DBV) will in den anstehenden Tarifverhandlungen durchsetzen, dass Beschäftigte je nach Belastung zwischen einem und drei zusätzliche Entlastungstage pro Quartal erhalten. Dies geht aus interner Kommunikation des DBV mit seinen Mitgliedern hervor, die Bloomberg vorliegt.
Das Wichtigste im Überblick:
Bis zu drei freie Tage pro Quartal fordert der DBV für Beschäftigte, deren Arbeit sich durch KI besonders stark verdichtet.
Der Grund: Automatisierung kann Prozesse beschleunigen, zugleich aber die Zahl der zu bearbeitenden Fälle erhöhen.
Die Arbeitgeber lehnen die Forderung ab. Sie fürchten höhere Arbeitskosten und zusätzlichen Druck auf Arbeitsplätze.
Am 8. Oktober beginnen die Tarifverhandlungen. Der DBV verlangt zudem 9,5 Prozent mehr Gehalt bei 24 Monaten Laufzeit.
Wenn aus Zeitgewinn mehr Arbeit wird
Die Gewerkschaft stellt den Nutzen künstlicher Intelligenz nicht grundsätzlich infrage. KI kann große Datenmengen analysieren, Dokumente vorprüfen, Recherchen beschleunigen oder bei der Betrugsprävention helfen. Der Produktivitätsgewinn sei real, argumentiert der DBV laut Bloomberg.
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Doch genau darin sieht die Arbeitnehmerseite ein mögliches Problem. Wenn ein automatisierter Prozess nur noch halb so lange dauert, könnte ein Beschäftigter in derselben Arbeitszeit deutlich mehr Fälle bearbeiten müssen. Hinzu kommt eine neue Aufgabe: Menschen müssen Ergebnisse der KI kontrollieren, Fehler erkennen und gegebenenfalls korrigieren.
DBV-Verhandlungsführer Wolfgang Ermann sagt gegenüber Bloomberg:
„Wo die Arbeit intensiver, komplexer oder verantwortungsvoller wird, muss das Unternehmen für einen Ausgleich sorgen.“
Die Entlastungstage sollen deshalb möglichst in dem Quartal genommen werden, in dem die zusätzliche Belastung entsteht. Eine Übertragung auf spätere Zeiträume ist nicht vorgesehen. Teilzeitbeschäftigte sollen entsprechend berücksichtigt werden.
Arbeitgeber warnen vor höheren Kosten
Der Arbeitgeberverband der privaten Banken argumentiert in die entgegengesetzte Richtung. Hauptgeschäftsführer Carsten Rogge-Strang hält zusätzliche freie Tage als Reaktion auf Automatisierung für wirtschaftlich problematisch.
Gegenüber Bloomberg warnt er davor, Arbeit durch Entlastungstage zu verteuern, während Automatisierung eigentlich Kosten senken solle. Zusätzlicher Kostendruck könne letztlich weitere Arbeitsplätze gefährden.
Damit berührt die Tarifrunde eine Frage, die weit über Banken hinausgeht: Wer erhält die sogenannte KI-Dividende?
Unternehmen können durch Automatisierung ihre Produktivität steigern. Beschäftigte könnten davon durch kürzere Arbeitszeiten, weniger Belastung oder höhere Löhne profitieren. Ebenso denkbar ist allerdings, dass Unternehmen die frei werdenden Kapazitäten nutzen, um mit derselben Belegschaft mehr Leistung zu produzieren.
Für Deutsche Bank, Commerzbank und andere private Geldhäuser wird diese Frage nun konkret. Ab dem 8. Oktober wird verhandelt. Neben den KI-Entlastungstagen fordert der DBV laut Bloomberg 9,5 Prozent mehr Gehalt bei einer Tariflaufzeit von 24 Monaten.
Damit dürfte es in der Tarifrunde nicht nur ums Geld gehen – sondern auch darum, wem der Produktivitätsgewinn durch künstliche Intelligenz künftig zugutekommt.