DAX +0,39 % 25.460,48 Pkt 18:00:00 MDAX +0,43 % 32.243,82 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 -0,65 % 6.248,84 Pkt 18:00:00 Dow Jones -1,18 % 51.594,14 Pkt 23:12:38 S&P 500 -1,31 % 7.316,15 Pkt 23:12:40 Nasdaq -1,96 % 24.442,94 Pkt 23:15:59 Nikkei +0,24 % 61.583,91 Pkt 02:44:10 Gold +2,18 % 4.124,20 USD 02:49:13 Silber +1,46 % 58,14 USD 02:49:00 Brent +7,18 % 90,13 USD 02:39:46 WTI +6,40 % 84,33 USD 02:49:12 Bitcoin -0,53 % 63.567,11 USD 02:59:15 EUR/USD +0,65 % 1,14610 USD 02:58:21 EUR/GBP +0,12 % 0,85790 GBP 02:59:15 EUR/CHF +0,04 % 0,93340 CHF 02:59:14 EUR/JPY +0,40 % 187,313 JPY 02:59:15

Banken fürchten Dominoeffekt

Welt

Startseite Politik Ukraines Drohnenkrieg gegen Wildberries bringt Russlands Wirtschaft ins Wanken Von: Christian Stör Uns auf Google folgen Drohnenangriffe der Ukraine treffen erneut Wildberries-Standorte in Russland. Branchenkreise sehen den Konzern in einer schwierigen Lage. Moskau – Kiew hat ein neues Feindbild: Seit Tagen stehen die gigantischen Warenlager des Online-Versandhändlers Wildberries unter Beschuss. Auch am 29. Juli war das wieder der Fall: In der russischen Stadt Rjasan hat die Ukraine unter anderem ein großes Logistikzentrum massiv mit Drohnen angegriffen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte die Angriffe. Getroffen worden seien Ziele, die Russland für die Verlängerung des Ukraine-Krieges nutze. Russland müsse die Kosten seiner Kriegsführung jeden Tag spüren, erklärte er. Russlands größter Versandhändler Wildberries teilte derweil mit, dass in Rjasan das Logistikzentrum zur Sicherheit evakuiert und der Handel eingestellt worden sei. Telegram-Kanäle veröffentlichten Videos und Fotos, auf denen Feuer in einer riesigen Lagerhalle und Rauchwolken zu sehen sind. Die Authentizität der Aufnahmen war aber nicht sofort zu klären. Russlands Versandhändler Wildberries immer wieder Angriffsziel im Ukraine-Krieg Seit diesem Monat attackiert die Ukraine immer wieder die Wildberries-Logistikzentren in Russland. Die symbolträchtigen und weithin sichtbaren Angriffe verursachen große Schäden. Selenskyj wirft Wildberries vor, mit für den Ukraine-Krieg wichtigen Komponenten zu handeln. Der Kreml weist das kategorisch zurück. Ein Ziel Kiews dürfte aber auch sein, Unruhe in der städtischen russischen Mittelschicht zu schüren, die häufig Waren online bestellt – und so auch die Kriegsfolgen zu spüren bekommt. Wildberries bietet auf seiner Plattform auch Güter mit doppeltem Verwendungszweck an, etwa kugelsichere Westen und Glasfaserkabel für Drohnen, die im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt werden können. Nach den Angriffen im Juli blendete das Unternehmen solche Produkte aus, die in der Suche unter Begriffen wie „SWO“ zu finden waren – der russischen Abkürzung für die vom Kreml so bezeichnete „militärische Spezialoperation“. Laut der Zeitung The Kyiv Independent deckt Wildberries fast 50 Prozent des russischen Online-Handels ab und wirbt inzwischen offensiv, auch auf Plakaten auf der besetzten Krim, für die Unterstützung seiner Händler nach den ukrainischen Angriffen. Angriffe im Ukraine-Krieg: Putin erwägt Rettung von „Russlands Amazon“ Wildberries Dem Guardian zufolge hat Wildberries durch die Angriffe mittlerweile rund zehn Prozent seiner Lagerkapazität sowie große Warenbestände verloren. Der Kreml räumte demnach ein, dass die Regierung eine mögliche Unterstützung für das Unternehmen bereits diskutiert habe. Eine mit der Branche vertraute Quelle sagte der Nachrichtenagentur Reuters, Wildberries befinde sich in einer schwierigen Lage und müsse möglicherweise staatliche Hilfe beantragen – „am ehesten über staatlich kontrollierte Banken“. Denys Schtilerman, Mitgründer und Chefdesigner des ukrainischen Rüstungsherstellers Fire Point, erklärte in einem am 27. Juli veröffentlichten Interview mit dem Journalisten Dmitri Gordon, Wildberries werde unter anderem wegen seiner Partnerschaft mit der staatlich kontrollierten Bank VTB angegriffen. Er bezeichnete Wildberries als größten Kreditnehmer Russlands und erklärte, dessen Zusammenbruch könne „zum Kollaps einer großen Zahl von Banken, einschließlich der VTB“ führen. Wildberries und sein Konkurrent Ozon gelten als zentrale Stützen der russischen Wachstumsstrategie. Strategiewechsel im Ukraine-Krieg mit Wildberries-Angriffen: wirtschaftlicher statt nur militärischer Druck Kreml-Sprecher Dmitri Peskow lobte Wildberries dafür, Drittanbietern zu helfen, deren Waren in beschädigten Lagern zerstört wurden. Viele Betroffene fordern seit Wochen Unterstützung, klagen gleichzeitig aber die Ukraine für ihre Angriffe an. Wildberries teilte derweil mit, bislang 40 Millionen Rubel (rund 442.000 Euro) an die Familien von Getöteten und Verletzten der Drohnenangriffe auf seine Lagerhäuser ausgezahlt zu haben. Nach Informationen des TV-Senders CNBC hat Russlands staatliche Sberbank ein Programm zur Umschuldung von Krediten für Wildberries-Händler entwickelt – aus Sorge vor einer Insolvenzwelle unter kleinen und mittleren Unternehmen. Natalya Kowalewa von der Denkfabrik Chatham House erklärte gegenüber CNBC, russische Unternehmen hätten seit Kriegsbeginn bereits zahlreiche Belastungen verkraften müssen. Die Angriffe auf Wildberries stellten jedoch „eine bedeutende neue Entwicklung“ dar, die Kiews umfassenderes Bestreben widerspiegele, den wirtschaftlichen Druck in Russland zu erhöhen. Die Hoffnung der Ukraine sei, dass die steigenden Kriegskosten für russische Unternehmen internen Widerstand befeuern und den russischen Präsidenten Wladimir Putin so an den Verhandlungstisch zwingen – oder zumindest zu einem Stopp der Bombardierung ukrainischer Städte bewegen könnten. Ob diese Strategie aufgeht, sei aber offen: „Selbst wenn es immer schwieriger wird, in Russland Geschäfte zu machen, scheinen die Eliten des Landes abhängiger von – und vorsichtiger gegenüber – dem Kreml zu sein als je zuvor“, so Kowalewa. Unterdessen verwies Elina Ribakowa vom „Peterson Institute for International Economics“ in einem CNBC-Interview darauf, dass die russische Wirtschaft zuletzt ins Stocken geraten sei: „In diesem Jahr wird es bestenfalls ein Nullwachstum geben.“ Man habe im ersten Quartal eine Kontraktion der Wirtschaft und einen Rückgang der Industrieproduktion gesehen; der Rückgang der Industrieproduktion bedeute auch, dass sich der Verteidigungssektor spürbar verlangsamt habe. Kurz: „Russland ist also verwundbar.“ Neue US-Sanktionen im Energiebereich könnten laut der Expertin „extrem wirkungsvoll“ sein – und Putins Wirtschaft entsprechend schaden. (Quellen: Kyiv Independent, The Guardian, Reuters, CNBC, dpa) (cs)

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