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BASF und Evonik: Diese Folgen hätte die Übernahme für Jobs und Standorte

Wirtschaft

Der BASF-Standort in Ludwigshafen ist das größte, zusammenhängende Chemieareal der Welt. Foto: dpa

BASF und Evonik: Diese Folgen hätte die Evonik-Übernahme für Jobs und Standorte

BASF greift nach Evonik, Deutschlands zweitgrößtem Chemiekonzern. Schon jetzt ist absehbar: Das würde noch einmal Tausende Jobs kosten, vor allem an zwei Standorten in NRW.

AmAm vergangenen Freitag bestätigte BASF erstmals, dass sich die Unternehmensführung mit einer möglichen Übernahme von Evonik befasst. Am Montag folgte dann das erste, formelle Angebot: 22,15 Euro je Evonik-Aktie. Das lehnte die Evonik-Führung zwar ab. Seitdem aber besteht kein Zweifel mehr, dass BASF es sehr ernst meint mit seinen Übernahmeplänen. Dennoch ist der weitere Ablauf des Pokers keinesfalls klar – anders als die Folgen, die der Deal im Falle eines Erfolgs wohl hätte.

Ist die Übernahme von Evonik durch BASF sicher?

Nein. Bei der Entscheidung über die Übernahme haben auch Politiker und Gewerkschafter ein gewichtiges Wort mitzureden. Größter Aktionär von Evonik ist die RAG-Stiftung, die die Folgekosten des deutschen Steinkohlebergbaus finanzieren soll. Im Kuratorium sitzen zahlreiche Bundes- und Landespolitiker, darunter NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, der im kommenden Jahr eine Wahl zu bestehen hat. Ebenso einflussreich ist Michael Vassiliadis, der Vorsitzende der Chemie-Gewerkschaft IGBCE.

Der hat sich bereits skeptisch zur geplanten Übernahme geäußert. Durch Größe allein lasse sich noch nichts gewinnen, erklärte er sinngemäß. „Für die Beschäftigten und Standorte von BASF wie von Evonik braucht es vielmehr Zukunftsperspektiven und Investitionszusagen“, so Vassiliadis. In beiden Unternehmen liefen derzeit ohnehin schon harte Restrukturierungs- und Personalabbauprogramme: „Beide Konzerne sollten sich hüten, diese Schraube zu überdrehen.“

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Wie viele Arbeitsplätze sind gefährdet?

Zusammen beschäftigen BASF und Evonik Zehntausende Mitarbeitende in Deutschland. Bei Evonik sind es schätzungsweise 20.000, bei BASF knapp unter 50.000. Damit sich Übernahmen lohnen, müssen die beteiligten Unternehmen in der Folge Synergien nutzen – also Doppelstrukturen abbauen und so Kosten sparen. Das trifft tendenziell eher das kleinere, übernommene Unternehmen. In diesem Fall also Evonik. Nach Schätzungen aus Beraterkreisen könnten bei Evonik nach einer Fusion bis zu 3000 Arbeitsplätze in Deutschland wegfallen – zusätzlich zu denen, die Evonik ohnehin abbauen möchte.

Besonders gefährdet sind danach die Standorte in Marl und Essen. In Marl im nördlichen Ruhrgebiet stellt Evonik Hochleistungskunststoffe sowie eine Reihe von Zusatzstoffen her – ähnlich wie BASF am größten Standort in Ludwigshafen. Auch in der Hauptverwaltung in Essen sowie im dortigen Werk an der Goldschmidtstraße könnten etliche Arbeitsplätze verloren gehen. Mitten in Essen produziert Evonik unter anderem Spezialchemikalien für Konsumgüter. Solche Produkte stellt auch die BASF her. „Die Produktion dort stünde dann unter großem Rechtfertigungsdruck“, sagt ein Insider. Auch die Standorte in Dossenheim (Pharma-Hilfsstoffe), Hanau (Katalysatoren), Wesseling oder Rheinfelden müssten im Falle einer Übernahme mit den entsprechenden BASF-Sparten abgeglichen werden.

Wo konkurrieren BASF und Evonik miteinander?

Beide Unternehmen bedienen die gleichen Schlüsselindustrien: Automobilbau, Bauwirtschaft, Konsumgüter/Kosmetik, Pharma und Landwirtschaft. Auch unter den Produkten gibt es zahlreiche Überschneidungen – etwa bei Tensiden (die Wasser und Fett verbinden), bei Emulgatoren (Hilfsstoffe, die zwei nicht mischbare Flüssigkeiten vermengen), Weichmachern, UV-Filtern, Zusatzstoffen für Futtermittel, Lacke und Beschichtungen sowie Hochleistungskunststoffen. Die möglichen Kosteneinsparungen wären entsprechend hoch. Berater rechnen mit weiteren Synergien von rund 300 Millionen Euro pro Jahr – über die bereits verkündeten Einsparungen hinaus. Wo genau gespart wird, hängt sicher auch davon ab, welche Anlage wirtschaftlicher arbeitet. Die meisten Synergien würden wohl in Deutschland gehoben.

Ergänzen sich die Produkte auch?

Ja, viele Produkte von BASF und Evonik passen tatsächlich gut zueinander. Auch unter diesem Aspekt würde eine Übernahme durchaus sinnvoll sein. Besonders augenfällig ist das etwa bei Weichschäumen aus Polyurethan, wie sie etwa in Autositzen, Matratzen oder Dämmstoffen zum Einsatz kommen. BASF liefert dafür die Basiskomponenten, also den Schaum. Evonik sorgt für die entsprechenden Zusatzstoffe, die bewirken, dass der Schaumstoff gleichmäßig aufpoppt und stabil bleibt.

Ein anderes Beispiel sind Entschäumer und Verdicker für wässrige Lacksysteme. Die Technologie von Evonik verhindert dabei, dass die Lacke beim Auftragen Blasen werfen. Die BASF liefert dafür notwendige Zusatzstoffe.

Noch ein wichtiges Feld, in dem sich beide Unternehmen ergänzen, sind Zusatzstoffe für Futtermittel. Die BASF hat dafür Vitamine im Angebot. Evonik setzt etwa auf Enzyme, die unter anderem die Nährstoffaufnahme verbessern.

Wie werden die Kartellbehörden reagieren?

Gerade bei den Produktlinien, die sich eher ergänzen als überlappen, werden die Wettbewerbshüter genau hinschauen. Denn schließlich könnte ein fusionierter Konzern Konkurrenten den Zugang zu diesen essenziellen Zusatzstoffen erschweren oder Knebelverträge aufsetzen. Die Kartellbehörden reagieren auf solche Koppelungsrisiken extrem allergisch und könnten die Abspaltung einzelner Produktlinien verlangen. Im Zweifelsfall stünden jedoch andere Chemie-Hersteller wie Lanxess, Clariant, Arkema, Celanese sicher bereit, um Teile zu übernehmen.

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