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Basketball-WM: Mit Zusammenhalt in die Geschichtsbücher

Sport

Als Kapitänin Marie Gülich den Aufkleber mit dem Namen Deutschlands am offiziellen Turnierbaum anbrachte, war der Jubel ihrer Mitspielerinnen riesig. Kein Wunder, denn die DBB-Frauen schrieben mit ihrem deutlichen 94:56-Sieg gegen Südkorea deutsche WM-Geschichte. Seit mehr als 50 Jahren – 1967 erreichte die Auswahl der ehemaligen DDR den vierten Platz – hat kein deutsches Team mehr das Viertelfinale einer Weltmeisterschaft erreicht.

Wie es sich anfühle, Geschichte zu schreiben? "Total surreal", meinte Leonie Fiebich am Sportschau-Mikrofon nach dem Spiel. "Man hat heute einfach gesehen, wie konzentriert alle sind und wie viel Spaß wir zusammen haben." Marie Gülich war dagegen unfassbar stolz auf ihr Team: "Ich freue mich sehr für uns und auch für die Menschen, die uns zuschauen konnten. Ich hoffe, dass wir diese inspirieren können."

Gülich krönt ihr Comeback

Man hat sich schon fast daran gewöhnt, dass diese goldene Generation an Spielerinnen einen Meilenstein nach dem anderen erreicht. Zuerst die EM-Teilnahme 2023 nach zwölf Jahren Pause, dann die historische Qualifikation für die Olympischen Spiele in Paris im Jahr darauf, das Viertelfinale dort und schließlich der fünfte Platz bei der Heim-EM 2025. Einen großen Anteil an dieser Entwicklung haben Spielerinnen wie Fiebich, Gülich oder auch Luisa Geiselsöder, die dem Nationalteam trotz ihrer Verpflichtungen im Ausland eine gewisse Priorität einräumen.

Dabei stand Gülichs Teilnahme an der WM sehr lange auf der Kippe. Mehr als ein Jahr brauchte die 32-Jährige, um ihren Kreuzbandriss, den sie sich kurz vor der EM zugezogen hatte, auszukurieren. Erst zwei Wochen vor Turnierbeginn gab sie ihr Comeback. Dass sie nun mit ihrem Team im WM-Viertelfinale steht, hätte sie deshalb noch vor ein paar Monaten kaum geglaubt. "Umso schöner, dass ich nun frei aufspielen kann und nicht über mein Knie nachdenke", so Gülich. Gegen Südkorea war sie mit ihren 19 Punkten und einem Effizienzwert von 24 die beste Spielerin auf dem Platz.

Fiebich mit "Scheiße an der Hand"

Marie Gülich ist bereits die dritte Deutsche, die bei dieser Weltmeisterschaft zur Spielerin des Spiels gewählt wurde – davor waren es Frieda Bühner und Luisa Geiselsöder. Überhaupt zeugt der Kader von einer Tiefe, die es so schon lange nicht mehr gab. Gleich vier Spielerinnen trafen gegen Südkorea zweistellig, zudem lastet die Verantwortung nicht mehr nur auf den Schultern von Star-Spielerinnen wie Nyara Sabally oder Leonie Fiebich.

Vor allem Letztere nimmt bei dieser WM eine andere Rolle ein, als es normalerweise der Fall wäre. Anstatt selbst auf Punkte zu gehen, etablierte sich die 26-Jährige als beste Vorlagengeberin sowie Rebounderin des deutschen Teams.

So richtig freiwillig geschah das alles allerdings nicht – Fiebich selbst nimmt es sarkastisch, sie habe halt "die Scheiße an der Hand", wie sie gegenüber Dennis Schröder in der Kabine sagte. "Gerade braucht es das Team auch nicht", räumt sie im Interview ein. "Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich alles tun werde, was das Team braucht. Dass meine Würfe gerade nicht fallen, ist natürlich doof, aber solange wir gewinnen, ist alles gut."

Lange: "Besser gespielt als wir eigentlich sind"

Auch dank Fiebich steigerte sich das deutsche Team seit der herben Auftakt- Niederlage gegen Spanien kontinuierlich. Und das gegen Gegnerinnen, die verschiedener nicht hätten sein können. Der Höhepunkt war nun sicherlich der Sieg gegen Südkorea, was angesichts des großen Abstands von fast 40 Punkten einer Demontage gleichkam. Selbst Fiebich und Gülich konnten sich nach dem Spiel nicht daran erinnern, wann sie das letzte Mal so hoch gewonnen haben. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass Südkorea sich gerade so als Gruppendritte für die Zwischenrunde qualifizierte.

Dennoch zeigte sich Bundestrainer Olaf Lange mit der Entwicklung seines Teams sehr zufrieden, wie er in der Pressekonferenz nach dem Spiel sagte. Insbesondere die Chemie auf dem Platz stimme. "Wir haben über die letzten drei Spiele noch mehr an Verbundenheit und Glauben aneinander gefunden", so der 54-Jährige. "Das ist die größte Verbesserung, denn in manchen Bereichen spielen wir besser als wir es eigentlich sind. Und das ist eben dieser Ausdruck der Verbundenheit." Seiner Meinung nach gäbe aber es noch erhebliche Lücken in der Offensive.

Mit Belgien wartet ein Brocken

Die sollten rasch geschlossen werden, denn mit Belgien wartet eines der besten Teams der Welt auf die DBB-Frauen. Beide treffen nun bereits das dritte Mal in Folge bei einem Großevent aufeinander, die Bilanz ist ausgeglichen, es steht eins zu eins. Während Deutschland bei den Olympischen Spielen noch die Sensation schaffte und die zweifachen Europameisterinnen schlug, setzte es bei der EM im vergangenen Jahr eine deutliche Niederlage. Übrigens ebenfalls im Viertelfinale.

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