Bauchfett ab 40: Science-Studie entlastet Männer
Ein Forschungsteam von City of Hope wies nach, dass neu entdeckte CP-A-Stammzellen im männlichen Körper ab der Lebensmitte die Fettbildung steuern. Viele Menschen dürften das kennen: Kaum sind sie Mitte 40, schon wächst der Bauchumfang, und das, obwohl sich Ernährung und Gewicht kaum ändern. Es verwundert also nicht, dass mit dieser Zeit die Lebensphase beginnt, in der die Suche nach den besten Diäten, Ernährungsweisen oder Ü40-Sportarten an Bedeutung gewinnt. Das Geheimnis hinter diesem Phänomen, haben Forscher von City of Hope und der University of California, Los Angeles (UCLA) wohl inzwischen gelöst. Schon im vergangenen Jahr haben sie den zellulären Mechanismus, dem dieses Phänomen zugrundeliegt, im Fachjournal Science beschrieben. Ihr Befund: Im mittleren Alter entsteht eine Stammzellpopulation, die bis dahin unbekannt war, im weißen Fettgewebe (White Adipose Tissue, WAT), und sie bildet aggressiv neue Fettzellen. In Versuchen an Mäusen mittleren Alters wurden über 80 Prozent der Adipozyten im viszeralen Bauchfett auf diese Weise neugebildet. Bei jungen Mäusen lag diese Rate dagegen fast bei null. Damit widerlegten die Forscher eine lange gepflegte Annahme: Bislang ging man davon aus, dass der Bauchumfang zunimmt, weil sich bestehende Fettzellen in einer Hypertrophie befinden und wachsen. Die Adipogenese, also die Entstehung neuer Fettzellen aus Stammzellen dürfte, so die Forscher, aber der weit einflussreichere Mechanismus sein. Transplantation entlarvt zellautonomen Effekt Das Team um Erstautorin Guan Wang und Mitautorin Dr. Qiong (Annabel) Wang transplantierte Adipozyten-Vorläuferzellen (Adipocyte Progenitor Cells, APCs) von älteren Mäusen in junge Empfängertiere. Das Ergebnis: Die alten APCs produzierten sofort massenhaft Fettzellen, unabhängig vom Alter des Wirts. Im umgekehrten Versuch, junge APCs in ältere Mäuse, passierte fast nichts. Damit, so die Schlussfolgerung, ist der Beweis erbracht, dass die Ursache in den Zellen selbst und nicht in ihrer Umgebung zu suchen ist . Per Einzelzell-RNA-Sequenzierung (scRNA-seq) identifizierte das Team anschließend eine neue Zellpopulation: die „committed preadipocytes, age-enriched“, kurz CP-As. Diese Stammzellen tauchen ab dem mittleren Alter auf, erreichen ihren Höhepunkt und fallen danach wieder ab. Qiong Wang erklärte dazu: „Wir haben entdeckt, dass das Altern die Entstehung einer neuen Art von adulten Stammzellen auslöst und die massive Produktion neuer Fettzellen im Körper fördert, insbesondere im Bauchbereich.“ Der LIFR-Schalter und das Geschlechtergefälle Als molekularen Taktgeber identifizierten die Forscher den Leukämie-inhibitorischen-Faktor-Rezeptor (LIFR). Dieser Signalweg funktioniert wie ein biologischer Schalter: Bei jungen Mäusen spielt er für die Fettbildung keine Rolle, im mittleren Alter wird er für CP-As jedoch unverzichtbar. Eine chronische Behandlung mit einem LIFR-Inhibitor verhinderte in den Versuchen die Zunahme des viszeralen Fettgewebes . Bemerkenswert ist die geschlechtsspezifische Dynamik. Die massive Adipogenese trat überwiegend bei männlichen Mäusen auf; weibliche Tiere zeigten im selben Zeitfenster nur eine moderate Gewichtszunahme. Die Autoren betonen, dass CP-A-Aktivität und verstärkte Fettbildung orts-, stadien- und geschlechtsspezifisch ablaufen . Daraus lässt sich wohl ableiten, dass der beschriebene Mechanismus vor allem Männer ab der Lebensmitte betreffen dürfte – also genau jene Gruppe, die epidemiologisch das höchste Risiko für viszerale Adipositas und damit verbundene Stoffwechselstörungen wie Typ-2-Diabetes und Herzerkrankungen trägt. Menschliche Gewebeproben bestätigen den Fund Die Forscher analysierten anschließend menschliches Fettgewebe verschiedener Altersgruppen mit derselben scRNA-seq-Methode. Auch hier fanden sie CP-A-ähnliche Zellen, die bei Personen mittleren Alters in erhöhter Zahl vorlagen und eine ausgeprägte Fähigkeit zur Fettzellbildung zeigten . „Das Verständnis der Rolle von CP-As bei Stoffwechselstörungen und der Frage, wie diese Zellen im Laufe des Alterungsprozesses entstehen, könnte zu neuen medizinischen Lösungen führen, um Bauchfett zu reduzieren und die Gesundheit sowie die Lebenserwartung zu verbessern“. Qiong Wang Zugelassene Medikamente, die gezielt CP-As oder LIFR beim Menschen adressieren, gibt es bislang nicht. Die Forscher planen jetzt, CP-A-Zellen in weiteren Tierversuchen zu verfolgen und Strategien zu entwickeln, diese Zellen zu blockieren. Bis daraus eine Therapie wird, bleibt klassische Prävention durch Bewegung und Ernährung der einzige verfügbare Hebel gegen den Altersbauch.