Bauer baut seine Biogasanlage um, damit die Einwohner nicht frieren
Viele Biogas-Landwirte stehen aktuell vor einer Herausforderung. Nach 20 Jahren endet die Förderperiode für ihre Biogasanlagen. Jetzt müssen sie sich neue Konzepte überlegen, damit die Anlagen nicht komplett still gelegt werden müssen. In Medrow bei Demmin setzt Benjamin Henke auf den Umbau zu einer Gülle-Kleinanlage. Dafür hat sein Unternehmen namens Milch und Marktfrucht kürzlich die Erlaubnis erhalten.
Aus der Biogasanlage wird eine Gülle-Kleinanlage
„Es geht endlich voran. Wir dürfen umbauen“, sagt der Geschäftsführer. Das habe auch Auswirkungen auf das Dorf. Die Biogasanlage der Gesellschaft beheizt mit ihrer Abwärme nämlich rund 30 Haushalte in Medrow. Ene kleinere Anlage schafft das nun nicht mehr. Statt bisher 590 Kilowatt elektrischer Leistung wird sie künftig 150 Kilowatt liefern, der erzeugte Strom wird ausschließlich im eigenen Betrieb genutzt.
Damit aber auch die Haushalte weiter versorgt werden können, baut der Betrieb zusätzlich einen Ofen ein, der mit Hackschnitzeln beheizt wird. „Wirtschaftlich und ressourcensparend ist das nicht“, sagt Betriebsleiter Heiko Ahrendt. Für den Umbau müssen zwei intakte Motoren aus der Biogasanlage ausgebaut werden. Weiter verwenden oder recyceln könne man diese nicht. „Man schmeißt Motoren und eine ganze funktionierende Anlage weg“, ärgert sich der Betriebsleiter.
Das Vorgehen sei rechtlich zulässig. Netzbetreiberin Edis habe kürzlich zugestimmt.
Das Problem betreffe allerdings nicht nur Medrow: Laut Fachverband Biogas erzeugen knapp 10.000 Anlagen in Deutschland Biogas, der Großteil speist über Blockheizkraftwerke Strom und Wärme ein. Viele dieser Anlagen nähern sich dem Ende der Förderung nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz. Eine weitere Anlage im benachbarten Wotenick, sowie andere Betriebe in der Region stehen vor derselben Herausforderung.
Bis Weihnachten soll der Umbau abgeschlossen sein
„Es ist traurig, dass das die Politik gar nicht interessiert. Wir wollen die Energiewende mitgestalten, und dann müssen wir gut funktionierende Anlagen einstellen“, kritisiert Benjamin Henke. Für die Nahwärmekunden in Medrow bleibe die Versorgung durch diese Lösung gesichert. „Bis Weihnachten wollen wir den Umbau geschafft haben“, sagt der Landwirt.
Allerdings steigen mit dem neuen System die Preise. Das hatte Benjamin Henke den Dorfbewohnern bereits im Oktober vergangenen Jahres mitgeteilt. Trotz Anpassung bleibe die Nahwärme günstiger als eine eigene Heizung, betont er. Die Biogasanlage habe die Nachbarschaft bislang verlässlich mit Wärme versorgt, und das werde auch in Zukunft so bleiben.