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Bayerische Priester im Auslandseinsatz nach Missbrauchsvorwürfen

Nation

Mehrere bayerische Priester wurden nach Missbrauchsvorwürfen ins Ausland versetzt und konnten dort weiterarbeiten. Ein neuer Fall aus Bamberg ist im Zuge von Recherchen für das "ARD Radiofeature" öffentlich geworden Der mutmaßliche Betroffene Peter Thiem war zwölf Jahre alt, als er im katholischen Internat Aufseesianum in Bamberg lebte. Bis heute erinnert er sich an eine Februar- oder Märznacht im Jahr 1976, als plötzlich ein Mann in den Schlafsaal gekommen sei und sich an seine Bettkante gesetzt habe. "Und dann kam die Hand", so schildert es Thiem, "und dann hat er quasi die Schlafanzughose ein bisschen runtergezogen und hat halt quasi so rumgespielt". Mutmaßlicher Missbrauch im Internat Peter Thiem identifiziert den Mann als den Direktor des Heims, der zugleich auch Priester und Religionslehrer war. Thiem meldet die Vorwürfe gemeinsam mit einem zweiten Betroffenen einem Erzieher des Internats. Noch vor Ende des Schuljahres verschwindet der Direktor. Ein Sprecher des Erzbistums Bamberg teilt auf Anfrage des "ARD Radiofeatures" mit, dass der Direktor in einer deutschen Gemeinde in Namibia eingesetzt wurde, nachdem die Vorwürfe bekannt wurden. Aus den Unterlagen des Erzbistums gehe hervor, dass "damaligen kirchlichen Verantwortungsträger von den Vorwürfen gegen den beschuldigten Priester wussten". Sie hätten aber trotzdem seiner Versetzung ins Ausland nach Namibia zugestimmt, anstatt ihn bei den Behörden anzuzeigen und der Strafverfolgung zuzuführen. Dies bewertet der Bistumssprecher als "falsches Verhalten". Er fügt hinzu, dass so ein Vorgehen, "aufgrund der inzwischen eingeleiteten Vorkehrungen und Maßnahmen" undenkbar wäre. Einzelfall oder ein Muster? Einzelne derartige Versetzungsfälle waren bekannt. Eine Umfrage für das "ARD Radiofeature" unter den 27 deutschen Bistümern gibt nun erstmals einen Überblick, wie verbreitet die Praxis war. Die Bistümer setzten demnach in 47 Fällen Priester im Ausland ein, gegen die Missbrauchsvorwürfe erhoben wurden. In 20 Fällen waren sie vorab über die Vorwürfe informiert. In allen übrigen Fällen haben die Bistümer vorher nichts von den Missbrauchsvorwürfen gewusst oder nichts darüber in den Akten gefunden. Die Anwältin Bettina Janssen hat mehrere Aufarbeitungsstudien im Auftrag der katholischen Kirche durchgeführt und kennt unsere Auswertung. Sie bewertet diese Versetzungspraxis als "Muster" und betont, dass "Auslandseinsätze trotz bekannter Probleme stattfanden." Um problematische Priester in der Heimat los zu werden, stützten sich katholische Institutionen nach Aussage von Bettina Janssen auf ein internationales Netzwerk. Sie rekonstruiert "transnationale Priesterbiografien" und stößt dabei immer wieder auf katholische Organisationen wie Ordensgemeinschaften oder katholische Hilfswerke, die beim Auslandseinsatz pädophiler Priester behilflich waren. "Dadurch", so die Missbrauchsexpertin, "war eben eine Vertuschungsgeschichte und eine Missbrauchsgeschichte möglich". Einsatz in weit entfernten Ländern Häufig wurden Priester mit Missbrauchsgeschichte in weit entfernten Ländern eingesetzt – an erster Stelle in Südamerika mit 20 Nennungen, so das Ergebnis der Bistums-Umfrage. Der früheste Fall stammt noch aus der NS-Zeit – die neuesten Verdachtsfälle stammen aus den 2010er Jahren, darunter ein Priester, der nach Elternprotesten ins Ausland versetzt wurde. Ihm wurde grenzüberschreitendes Verhalten im Firmunterricht vorgeworfen. Damit ist eine Mindestzahl öffentlich, wie viele Beschuldigte in anderen Ländern tätig waren. Die Gemeinden im Ausland wurden offenbar nicht immer über die Missbrauchsvorwürfe gegen die deutschen Priester in der Heimat informiert. Teilweise hatten die Seelsorger weiterhin Kontakt zu Kindern und Jugendlichen. Das gilt auch für den Internatsleiter in Windhuk. Der Betroffene Peter Thiem ist von dieser Praxis der katholischen Kirche entsetzt: "Fürchterlich. Ich arbeite ja selber als Pädagoge. Fürchterlich." Weiterer Fall im Bistum Eichstätt In einem anderen Fall aus dem Bistum Eichstätt lag ein Haftbefehl gegen einen Priester vor. Eltern von fünf Schulmädchen hatten bei der Polizei Anzeige erstattet wegen sexuellen Übergriffen und Vergewaltigung. Kirchenverantwortliche waren darüber informiert, dass Interpol den Mann suchte – und verschleierten seinen Aufenthaltsort. Der Beschuldigte konnte fliehen und arbeitete im Ausland in der Mission.

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