DAX +0,41 % 26.440,31 Pkt 18:00:00 MDAX +0,40 % 32.464,39 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 -0,09 % 6.539,59 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,07 % 53.732,41 Pkt 22:41:05 S&P 500 +0,48 % 7.785,76 Pkt 22:39:27 Nasdaq +0,53 % 26.729,16 Pkt 23:15:59 Nikkei +0,59 % 68.713,80 Pkt 08:45:03 Gold +1,30 % 4.437,30 USD 23:00:00 Silber +0,18 % 65,11 USD 22:59:58 Brent 0,00 % 88,52 USD 22:59:58 WTI 0,00 % 82,40 USD 22:59:59 Bitcoin +0,12 % 63.100,85 USD 20:07:18 EUR/USD +0,37 % 1,15730 USD 23:29:57 EUR/GBP +0,11 % 0,85480 GBP 00:09:58 EUR/CHF +0,34 % 0,94060 CHF 23:29:57 EUR/JPY +0,38 % 184,365 JPY 23:29:57

BayWa: Kriselnder Agrarkonzern braucht mehr Zeit für Sanierung

Wirtschaft

Der unter Milliardenschulden ächzende Agrarhandels- und Mischkonzern BayWa muss seinen Sanierungsfahrplan um zwei Jahre verlängern. Anstelle der erhofften finanziellen Gesundung bis Ende 2028 gehen Vorstand und Aufsichtsrat nun davon aus, dass die Sanierung erst Ende 2030 abgeschlossen werden kann. Dementsprechend sollen auch die Bankkredite um zwei Jahre verlängert werden, die BayWa bei ihren hohen Zinszahlungen entlasten sollen. Darauf hat sich der Vorstand mit den Gläubigerbanken und den beiden Großaktionären im Grundsatz verständigt, wie das Unternehmen mitteilte. Bis Herbst soll eine neue Sanierungsvereinbarung erstellt werden. Die Krise ist Folge einer auf Kredit finanzierten und schlussendlich missglückten Expansion auf den internationalen Agrarmärkten im vergangenen Jahrzehnt. Abgesehen von der Sanierung hat die Krise auch strafrechtliche Folgen: Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen mehrere ehemalige Vorstände, teils wegen Verdachts einer geschönten Konzernbilanz 2023, teils wegen möglicher Untreue. Banken und Großaktionäre ringen sich Zugeständnisse ab Bei der Sanierung erklären sich nun sowohl die Gläubigerbanken als auch die beiden Großaktionäre – das sind die Beteiligungsgesellschaften der bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken und der österreichischen Genossenschaften – zu potenziell schmerzhaften Opfern bereit. Die zwei Großaktionäre sollen ihren BayWa-Anteil von zusammen gut 67 Prozent an einen Treuhänder übertragen. Nur für den Fall, dass die beiden Gesellschaften im Jahr 2029 mindestens 220 Millionen Euro für eine Kapitalerhöhung zur Verfügung stellen, sollen sie die Papiere zurückbekommen – anderenfalls darf der Treuhänder das Aktienpaket verkaufen. Ökostrom-Tochter vergrößert die Schwierigkeiten Anlass für die angepeilte neue Sanierungsvereinbarung ist jedoch kein aktueller Finanzengpass. Vielmehr reagiert die BayWa damit auf die schwierige Lage der Ökostromtochter BayWa r.e., die eigentlich für 1,7 Milliarden Euro hätte verkauft werden sollen. Doch da die r.e. selbst in einer tiefen Krise steckt, hatte die BayWa-Chefetage im Frühjahr eingestanden, dass die Tochter nicht so teuer verkauft werden kann. Die Beteiligten gehen davon aus, dass die r.e. 800 Millionen Euro weniger einbringen wird. Erbe des Ex-Chefs wird abgewickelt Die BayWa ist insbesondere in ihrer bayerischen Heimatregion eine Institution, deren Lagerhäuser ebenso zum ländlichen Ortsbild gehören wie Kirchtürme und Feuerwehrhäuser. Über Jahrzehnte war das Unternehmen auf den inländischen Agrarhandel beschränkt. Der langjährige Vorstandschef Klaus Josef Lutz jedoch verordnete der BayWa während seiner Amtszeit von 2008 bis 2023 die Expansion. Lutz baute das Ökostromgeschäft mit der BayWa r.e. auf und kaufte die niederländische Agrarhandelsgruppe Cefetra, den großen neuseeländischen Apfelplantagenbetreiber Turners & Growers und andere Beteiligungen. Die Sanierung läuft darauf hinaus, das Werk des früheren BayWa-Chefs abzuwickeln und das Unternehmen wieder weitgehend auf den heimischen Agrarmarkt zu beschränken. Bisher hat Lutz jede Verantwortung für die BayWa-Krise zurückgewiesen. Mit einem selbstgewissen Vorstandschef stieg die BayWa zu einem globalen Handelskonzern auf. Wie der Agrarkonzern in die größte Krise seiner Geschichte geriet, lesen Sie in diesem Archivtext .

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