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Beachten Sie Warnzeichen! Die unterschätzte Gefahr einer Fettleber

Gesundheit

Multitasking im rechten Oberbauch und unermüdlicher Einsatz für unseren Stoffwechsel – so etwa liest sich die Jobbeschreibung unserer Leber. In keinem anderen Organ finden gleichzeitig so viele verschiedene und lebenswichtige Steuerungsprozesse statt. Die Leber ist der leistungsstarke Motor unseres Energiehaushaltes und stellt dem Körper durch die Aufnahme und Verarbeitung von Nährstoffen rund um die Uhr Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße sowie Vitamine und Mineralstoffe zur Verfügung. Gleichzeitig bekommt die Leber mit dem Blutstrom auch alles ab, was im Körper an Schadstoffen zirkuliert – z. B. Alkohol, Medikamente oder Abbauprodukte des Zellstoffwechsels. Die Leber ist dabei Kläranlage und Entgiftungszentrale des Körpers, die diese schädlichen Substanzen aus dem Blut herausfiltert. Gleichzeitig spielt die Leber durch die Produktion von Eiweißen eine wichtige Rolle für Immunsystem und Blutgerinnung und reguliert auch unseren Hormonhaushalt. Ohne Leber läuft also nichts – doch ist dieses so wichtige Organ durch Ernährung und Lebensstil der westlichen Welt zum Schauplatz einer neuen Volkskrankheit geworden, die unsere Gesundheit und Vitalität nachhaltig beeinflusst: die Fettleber. Während man bis vor wenigen Jahren beim Stichwort „Fettleber“ sofort an Alkohol als Übeltäter dachte, hat sich die Sichtweise auf diese Erkrankung durch die Forschung deutlich erweitert: Neben Bier und Wein sorgen weit häufiger Übergewicht, falsche Ernährung und die damit verbundenen Stoffwechselstörungen wie das metabolische Syndrom und Adipositas dafür, dass bereits jeder dritte bis vierte Erwachsene über 40 Jahren eine verfettete Leber unter dem rechten Rippenbogen trägt – Tendenz steigend. Neue Hochrechnungen zeigen, dass die Häufigkeit der durch Stoffwechselstörungen bedingten Fettleber-Erkrankungen (in der Fachsprache seit 2023 als MASLD definiert, Metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease) bis zum Jahr 2050 weltweit um 42 Prozent zunehmen wird. Steigend ist das Risiko nicht nur bei Erwachsenen mit den genannten Stoffwechselveränderungen allgemein, sondern ernährungsbedingt auch bei übergewichtigen Jugendlichen (bis zu 20 Prozent) sowie Frauen in der Menopause – durch den Wegfall des schützenden Östrogens und die damit verbundenen Stoffwechselveränderungen. Die zunehmende Verfettung der Leber bleibt oft lange unbemerkt, da auftretende unspezifische Symptome wie Müdigkeit oder Energieverlust nicht damit in Zusammenhang gebracht werden. „Die Müdigkeit ist der Schmerz der Leber“ – dieses medizinische Sprichwort trifft den Hilfeschrei der unter dem Fettballast ächzenden Leber ganz gut. Zur Risikogruppe gehören Patienten mit Übergewicht/Adipositas bzw. mit einem erhöhten Taillenumfang (Männer > 94cm, Frauen > 80cm), mit Insulinresistenz oder Diabetes, hohem Blutdruck und/oder hohen Blutfettwerten und Menschen mit regelmäßig erhöhtem Alkoholkonsum. Diese sollten unbedingt ihre Leber checken lassen. Meist werden die Fettablagerungen in der Leber zufällig durch eine Ultraschalluntersuchung oder Laboranalyse beim Hausarzt entdeckt. Diese Fettablagerungen sind dabei kein harmloses Depot: Hier werden die Weichen für Entzündungs- und Stoffwechselprozesse gestellt, die nicht nur Auswirkungen auf die Funktionsfähigkeit der Leber, sondern auf den gesamten Organismus und unsere Gesundheit haben können. Bei etwa 20 Prozent der Fettlebern kommt es zu Komplikationen wie der Fettleberentzündung und nachfolgenden Umbauprozessen in der Leber (Fibrose). Dabei wird funktionsfähiges Lebergewebe nach und nach durch Bindegewebe ersetzt, was zur Ausbildung einer Leberzirrhose (Narbenleber) und dem Funktionsverlust der Leber führen kann, ebenso erhöht sich das Risiko für Leberkrebs. Auch wenn die meisten Fettlebern ohne solche gravierenden Komplikationen vor sich hin bummeln, verändern sich in Sachen Stoffwechsel so manche Stellschrauben: Die Fetteinlagerungen in der Leber erhöhen langfristig das Risiko für Diabetes und Herzkreislauferkrankungen deutlich. Die steigende Häufigkeit dieser Erkrankung stellt Medizin und Gesundheitsberufe vor große Herausforderungen. Aktuell stehen trotz erster Zulassungen von Wirkstoffen keine breit einsetzbaren Medikamente zur Verfügung, um die Veränderungen in der Leber spezifisch aufzuhalten – eine Wunderpille ist also nicht in Sicht. Gleichzeitig möchte man angesichts der steigenden Zahlen wirksame Möglichkeiten der Prävention entwickeln, also die Entstehung von noch mehr Fettlebern verhindern. Die Risiken der Entstehung sind dabei ziemlich klar: kalorienreiche Fast-Food-Ernährung mit hohem Zucker- und Kohlenhydratanteil, Softdrinks, industrieller Fruktose-Sirup als Süßungsmittel und Bewegungsmangel. Die Lösung ist so simpel wie schwierig. Große Studien zeigen uns, wie effektiv die richtige Ernährung und mehr Bewegung die Entstehung einer Fettleber verhindern können und in den Anfangsstadien einer MASLD die Fetteinlagerungen auch rückgängig machen können. Eigentlich gute Nachrichten: Eine Fettleber ist zu Beginn der Erkrankung also nicht in Stein, sondern in Fett gemeißelt – und durch eine nachhaltige Umstellung von Ernährung und Lebensstil kann sich die Leber wieder regenerieren und zu alter Form und fettfreier Größe zurückkehren. Doch nicht nur die Gewichtsreduktion, sondern auch die langfristige Zusammenstellung der Ernährung bzw. Nährstoffe spielt eine große Rolle. Die Fachgesellschaften empfehlen als Basis eine antientzündliche mediterrane Ernährung, die durch viele Ballaststoffe, frisches Obst und Gemüse, und Omega-3-Fettsäuren in Form von frischem Seefisch und hochwertigen Pflanzenölen geprägt ist. Vermieden werden sollten dagegen industrielle Fertignahrung mit hohem Zucker- und Fettanteil oder Softdrinks. Wichtig auch für normalgewichtige Fettleberpatienten: hohe Mengen an Fruktose in Form von Smoothies oder puren Fruchtsäften sind bei Fettlebern kontraproduktiv. Alkohol spielt natürlich immer noch eine Rolle in der Entstehung der Fettleber und ihrer Komplikationen. Als risikoarmer Konsum und Grenze gelten bei Frauen max. 10 Gramm Alkohol pro Tag. Das entspricht ca. 200 ml Bier oder 0,1 l Wein; für Männer liegt der Wert bei 20 Gramm Alkohol pro Tag. Individuell kann der Grenzwert aber auch erheblich niedriger sein. Liegt eine Fettleber bereits vor, sollte Alkohol am besten gar nicht mehr getrunken werden.

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