Beben der Stärke 3,5 und in 8000 Metern Tiefe verängstigt Tausende Menschen
Ein Erdbeben war am Donnerstag in einem Umkreis von 20 bis 30 Kilometern in weiten Teilen der Vorderpfalz und der Rhein-Neckar-Region zu spüren.
Das Epizentrum lag vier Kilometer östlich von Bobenheim-Roxheim im Rhein-Pfalz-Kreis und damit dicht am Rhein. Das sagte der Seismologe Martin Hensch vom Landeserdbebendienst Baden-Württemberg gegen 19.20 Uhr auf Anfrage dieser Zeitung. Da hatte er das Beben vom frühen Abend bereits ausgewertet und die Magnitude um 0,1 nach oben korrigiert.
Telefone stehen nicht mehr still
Sein Telefon in Freiburg stand nicht mehr still. Zuvor hatte der Erdbebendienst die Stärke des Bebens noch mit 3,4 angegeben. Laut Hensch waren die Erdstöße in einer Tiefe von 8000 Metern natürlichen Ursprungs. Rund 2500 Meldungen von Bürgern seien bis 19.20 Uhr über die Homepage des Landesamts im Regierungsbezirk Freiburg eingegangen. Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg bilden laut Hensch den Verbund Erdbebendienst Südwest; die Datenauswertung erfolge auch für Rheinland-Pfalz im Landesamt in Freiburg.
Rund 2500 Meldungen von Bürgern seien bis 19.20 Uhr über die Homepage des Landesamts im Regierungsbezirk Freiburg eingegangen.
Am Donnerstagabend gab es Warnungen über Katwarn und Nina. 3,5 gilt als leichtes Beben, aber die Erschütterungen waren sehr deutlich zu spüren und haben viele Menschen verängstigt. Erdbeben unter einer Stärke von zwei gelten als Mikrobeben, unter drei als extrem leicht, unter 4 als spürbar, aber nur selten mit Schäden verbunden. Ab vier können sich Zimmergegenstände bewegen, ab 5 ist mit Schäden zu rechnen. Der Oberrheingraben gilt als tektonisch aktive Zone.
Feuerwehr und Polizei: Keine Schäden
Rund 15 Minuten nach dem Beben berichtete das Polizeipräsidium Rheinpfalz in Ludwigshafen von vielen Anrufen bei der Behörde. „Das Telefon steht hier gerade nicht mehr still“, sagte eine Sprecherin auf Anfrage. Schäden seien bislang keine bekannt, hieß es. Dies bestätigte die Feuerwehr Ludwigshafen auf Anfrage. „Es gab ein erhöhtes Notrufaufkommen“, sagte Luigi Branca vom Führungsdienst der Integrierten Leitstelle Ludwigshafen um 18.20 Uhr. Die Leitstelle ist für die ganze Vorderpfalz zuständig. Die Menschen hätten aus Angst und Unsicherheit angerufen. „Nach 20 Minuten hat sich aber wieder alles beruhigt.“ Dem Polizeipräsidium Rheinpfalz lagen auch gegen 18.45 Uhr keine Berichte über Schäden vor.
Der Landeserdbebendienst Rheinland-Pfalz registriert nahezu täglich leichte Beben, meist sind diese aber sehr viel schwächer.
Der Landeserdbebendienst Rheinland-Pfalz registriert nahezu täglich leichte Beben, meist sind diese aber sehr viel schwächer. Erst am Mittwoch war ein Beben der Stärke 1,4 in Stelzenberg im Landkreis Kaiserslautern registriert worden. Auch in Ranschbach und Birkweiler (Kreis Südliche Weinstraße) hat es in den vergangenen Tagen mehrfach gebebt ( 0,8 oder 0,9) jeweils mit natürlicher Ursache, also nicht ausgelöst durch beispielsweise Geothermie-Bohrungen. In Worms hatte es zuletzt am 11. August und am 9. Januar Erdstöße gegeben (beide Male 1,1).
Wie oft Beben dieser Starke vorkommen
Das Bundesamt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), das auf der Kalmit, dem zweithöchsten Berg der Pfalz, einen Seismografen betreibt, erklärte am Abend: „Der Rheingraben als Schwächezone des geologischen Untergrunds ist häufiger als die meisten anderen Gebiete in Deutschland von Erdbeben betroffen“, sagte Klaus Stammler, Seismologe vom BGR, auf Anfrage. Das Auftreten eines Bebens an dieser Stelle und in dieser Stärke sei nichts Außergewöhnliches. „Erdbeben dieser Stärke gibt es durchschnittlich etwa zehn pro Jahr in Deutschland“, wobei die Anzahl stark schwanken könne.
Dass die Erdbebenstärke zwischen den einzelnen meldenden Stellen etwas schwankt und am Ende noch einmal korrigiert wird, ist laut Stammler völlig normal. Die Magnitude werde als Mittelwert aus Einzelmagnituden an den verwendeten Messstationen errechnet. Je nachdem, welche Stationen man heranzieht, könne der Wert leicht variieren. Während Menschen die Erdstöße nur in einem gewissen Umkreis um das Epizentrum spüren, registrierten ein Beben dieser Stärke all die „vielen Hundert Messstationen“ deutschlandweit.