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Beerdigung von Chamenei: „Wirklich jeder hier hasst Israel“ - Wie westliche Influencer das iranische Regime unterstützen

Welt

Audioplayer wird geladen Anzeige „Down with USA, down with Zionists“, skandiert der US-Politinfluencer und Verschwörungsgläubige Jackson Hinkle auf dem Enqelab-Platz mitten in Teheran, während er eine rote Flagge mit dem Konterfei des getöteten Ayatollahs auf einer Bühne schwenkt – nieder mit den USA, nieder mit den Zionisten. Die trauernde Menge, die offenkundig aus treuen Regime-Anhängern besteht, ruft die Parole zurück. Ein Video dieser Szene teilte Hinkle am Dienstag mit seinen 3,8 Millionen Followern auf der Social-Media-Plattform X. Die sechstägige Beerdigung des iranischen Ayatollahs Ali Chamenei, die am Donnerstag zu Ende geht, ist eine wichtige Propagandainszenierung des islamistischen Regimes. Die Führung in Teheran will Macht und Geschlossenheit demonstrieren. Ende Februar wurde Chamenei bei einem israelischen Luftangriff getötet, zum Auftakt des Krieges von den USA und Israel gegen den Iran. Anzeige Die Bilder der groß inszenierten Trauerfeier, an der Millionen Menschen teilnehmen und Proteste gegen das Regime ausgeblendet werden, produzieren nicht nur staatliche Sender im Iran, sondern auch eigens eingeladene Influencer und Medienaktivisten. Hinkle, der seine Ideologie als „Maga-Kommunismus“ beschrieben hat und Verständnis für autoritäre Regime wie Russland und Terrororganisationen wie Hamas äußert, begleitet die Zeremonien und Paraden in Teheran aus der ersten Reihe: Er genießt einen exklusiven Zugang zu den Geschehnissen und trifft sich mit Regimevertretern wie Sprechern des iranischen Außenministeriums. Anzeige Hunderte Influencer und Aktivisten vor Ort Er ist einer von insgesamt 400 ausländischen Bloggern und Influencern, die die Islamische Republik zur Beerdigung Chameneis eingeladen haben soll, wie die staatliche Nachrichtenagentur „Tasnim“ bekannt gab. Sie kommen aus dem Libanon, Pakistan oder Libyen. Aber auch aus dem Westen. Lesen Sie auch Auch die linksradikale US-Aktivistin Calla Walsh mit 73.000 Followern auf X ist vor Ort. „Chamenei war mehr als nur ein Staatsoberhaupt“, erklärt die 22-Jährige in einem Video vom Sonntag, „er war der Vater einer Nation, der Anführer der islamischen Revolution“. Lesen Sie auch In einem weiteren Video, veröffentlicht vom staatlichen Propagandasender IRIB, begleitet Walsh eine Lyriklesung von 250 iranischen Dichtern, die ihr zufolge den Guinness-Weltrekord für die längste durchgehende Lesung brechen soll. „Zu Ehren seines Lebens und seines Widerstands“, sagt Walsh. Max Blumenthal, Betreiber des linksgerichteten amerikanischen Verschwörungsblogs „The Grayzone“, trommelt in einem Video mit Regime-Anhängern in Teheran. Der Clip wurde knapp 270.000 Mal angeschaut. Er besucht auch den Ort, an dem Chamenei getötet wurde – „zum Beginn der Operation Epstein-Fury“, sagt er, eine Anspielung auf den eigentlichen Namen „Epic Fury“ und den jüdischen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Auf X hat er mehr als 850.000 Follower. Aus Großbritannien ist die proiranische Aktivistin und Reality-TV-Teilnehmerin Bushra Shaikh nach Teheran gereist. „Man kann die Menschen im Iran gar nicht genug lieben“, schrieb die Kandidatin der Casting-Show „Apprentice“ auf X an ihre 160.000 Follower. „JEDER – UND ICH MEINE WIRKLICH JEDER HIER – HASST ISRAEL.“ Der irische Comedian Tadhg Hickey, der im September 2025 mit Greta Thunberg und anderen Aktivisten an der „Global Sumud Flotilla“ nach Gaza teilnahm, hat sich anlässlich seiner Iran-Reise auf der Plattform X in „Tehran Tadhg“ umbenannt. Die Brisanz seiner Teilnahme scheint ihm klar zu sein. Über ein YouTube-Video, in dem er auf Farsi „Tod Amerika“ ruft, schreibt er: „Sie haben genau den Moment eingefangen, in dem ich das letzte bisschen meiner Karriereaussichten verloren habe.“ Auf der Streamingplattform hat er fast 130.000 Abonnenten. Hinkle, Walsh, Blumenthal, Shaikh und Hickey reagierten bis Redaktionsschluss nicht auf eine Anfrage von WELT für eine Stellungnahme. Seit 1989 war Chamenei der oberste Führer Irans. Er war ein theokratischer Herrscher, der Aufstände brutal niederschlagen ließ, wie zuletzt im Januar dieses Jahres, als Tausende bis Zehntausende iranische Bürger von den Milizen und Sicherheitskräften des Regimes getötet worden sein sollen. Chamenei vertrat einen fanatischen Antizionismus und Antiamerikanismus, der die Übel der Welt in den USA und Israel sah – den „großen und kleinen Satan“. Nicht zum ersten Mal besuchen westliche Politinfluencer und Social-Media-Aktivisten die Trauerfeier islamistischer Führer. Im Februar 2025 nahmen einige aus dem Westen an der Begräbnisfeier des Hisbollah-Chefs Hasan Nasrallah teil, der ebenfalls von einem israelischen Luftangriff getötet worden war. Die Zeremonie fand in einem Sportstadion in Beirut statt. Manche Aktivisten waren auch bei der Beerdigung des iranischen Präsidenten Ebrahim Raisi im Mai 2024 in Teheran zu Gast, der bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben kam. Der irische Comedian Tadhg Hickey war bei beiden Beerdigungen anwesend. Nicholas Potter ist Chefreporter der Premium-Gruppe und berichtet unter anderem über den Nahen Osten und politischen Extremismus.

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