Befüllung der Gasspeicher "Es wird immer enger"
Zu 80 Prozent müssen die Gasspeicher in Deutschland zum 1. November befüllt sein. Das schreiben die gesetzlichen Vorgaben den Gashändlern vor, mit einigen festgelegten Ausnahmen. So soll sichergestellt werden, dass es im Winter genug Gas gibt. Doch die Zielmarke könnte nicht erreicht werden. Die Speicher sind im Moment nur zu rund der Hälfte voll. Eigentlich werden sie nach einem Winter wieder neu gefüllt im Sommer. Gasspeicherziel erreichbar, aber eng Doch das Ziel wird nach Einschätzung der Energiewirtschaft zunehmend schwer erreichbar. "80 Prozent ist eine absolut hohe Zahl, wenn wir heute bei 50 Prozent sind. Das ist irgendwann physikalisch nicht mehr möglich", sagte Kerstin Andreae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), im Deutschlandfunk. Es werde trotz hoher Gaspreise beim Einkauf zwar weiter eingespeichert, aber nur langsam. Noch seien die gesetzlichen Vorgaben für die Füllstände erreichbar. "Aber es wird immer enger." Als einen Grund für die schleppende Befüllung sieht Andreae einen gestörten Marktmechanismus. Normalerweise kauften Händler Gas im Sommer günstig ein und speicherten es für den teureren Winter ein. "Im Moment funktioniert dieser Mechanismus aber nicht, weil wir insbesondere durch den Krieg in Iran eine Preisentwicklung sehen, die diesen sogenannten Sommer-Winter-Spread nicht ermöglicht", erklärte Andreae, die von 2002 bis 2019 für die Grünen im Bundestag saß. "Es wäre im Moment unwirtschaftlich, Gas vorzuhalten, einzuspeichern." Kein Unternehmen könne dauerhaft mit Verlust einkaufen. Verband schlägt Entlastungen vor Die Forderung der Lobbyistin: die Einspeicherung über Entlastungen bei Steuern, Abgaben und Umlagen wirtschaftlich attraktiver machen. Ziel müsse es sein, dass Gas möglichst lange in den Speichern bleibe und der laufende Bedarf vorrangig unter anderem über Flüssigerdgas-Terminals gedeckt werde. Trotz der angespannten Lage warnt die BDEW-Chefin vor Vergleichen mit der Gaskrise des Jahres 2022. Die Situation heute sei "weder bei der Mengenverfügbarkeit noch bei der Preisentwicklung" vergleichbar. Mit dem Aufbau der Flüssigerdgas-Terminals sei eine zweite Versorgungssäule entstanden, die damals noch nicht existiert habe. Energieökonom warnt vor "bedrohlicher Situation" Auf einen wichtigen Faktor der Gasversorgung hat der Energieökonom Andreas Schröder vom Analysehaus ICIS in den ARD-tagesthemen hingewiesen: die Temperaturen im Winter. Sollte ein kalter Winter kommen, der zu einem hohen Gasverbrauch führt, könne es eine "bedrohlichere Situation" geben. "Das kann durchaus passieren", sagte er auf die Frage, ob es in einem kalten Winter kein Gas mehr geben könnte. Die Lage auf dem Markt sei schon jetzt "angespannt". Entscheidend sei, ob die Straße von Hormus im Nahen Osten wieder befahrbar sei für Schiffe mit Flüssiggas. Das Bundeswirtschaftsministerium argumentiert bislang, dass Deutschland inzwischen Gas aus mehreren Quellen bezieht. "Fast die Hälfte unseres Gasbedarfs kommt aus Norwegen. Dazu bekommen wir Pipeline-Gas aus Frankreich und aus Belgien", sagte eine Sprecherin in dieser Woche. Dazu werde über die deutschen Terminals Flüssiggas (LNG) importiert, das zu einem Großteil aus den USA stammt. Doch laut Energieökonom Schröder kann sich Deutschland nicht auf diese Lieferungen verlassen. Das Flüssiggas mache bislang 10 bis 15 Prozent des Gasverbrauchs aus. "In den kritischen Wintertagen, an den wirklich kalten Tagen, reicht Flüssiggas nicht aus, um den Verbrauch zu decken." Deshalb brauche es die Gasspeicher. Diese seien "systemkritisch" an den kalten Tagen. Deshalb brauche es zu Beginn des Winters hohe Füllstände. "Sodass man sicher durch den Winter fahren kann und auch gewappnet ist für eventuelle Unwägbarkeiten wie andere Ausfälle von Infrastruktur etwa." Er befürchtet deutlich höhere Gaspreise im Winter. Bundesregierung soll handeln Linken-Parteichefin Ines Schwerdtner erklärte, die sichere Gasversorgung dürfe nicht dem Zufall überlassen werden. Sie forderte, der staatliche Gashändler Sefe müsse angewiesen werden, die leeren Gasspeicher zu füllen. "Die Kosten könnte die Bundesregierung leicht wieder reinholen, wenn sie endlich die horrenden Profite der Mineralölkonzerne in der ersten Jahreshälfte mit einer Übergewinnsteuer zurückholt."