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Behandlung bei Vorhofflimmern: Studie zeigt neue Erkenntnisse zur Lebensqualität

Gesundheit

Die Ergebnisse wurden am 30. August auf dem europäischen Kardiologenkongress (ESC Congress) in München vorgestellt und zeitgleich im weltweit führenden Medizinjournal “The Lancet“ publiziert.

Vorhofflimmern kann Herzklopfen, Luftnot und Erschöpfung verursachen und erhöht das Risiko für Schlaganfall und Tod. Weil die Erkrankung mit zunehmendem Alter und mehr Risikofaktoren wie Bluthochdruck häufiger wird, rechnen Mediziner:innen mit deutlich mehr Fällen in den kommenden Jahren. Weltweit werden bereits heute mehr als 500.000 Katheterablationen pro Jahr durchgeführt.

Es ist wissenschaftlich gesichert, dass die Katheterablation den Herzrhythmus stabilisiert und das Fortschreiten des Vorhofflimmerns verzögert. Bislang war jedoch unklar, wie viel der von den Patient:innen wahrgenommenen Verbesserung der Lebensqualität tatsächlich auf den Eingriff selbst zurückgeht.

Um das herauszufinden, führte ein Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Dr. Rolf Wachter, Professor für Klinische und Interventionelle Kardiologie an der Universität Leipzig und Stellvertretender Klinikdirektor der Kardiologie am Universitätsklinikum Leipzig, und Prof. Dr. Nikolaos Dagres, Leitender Oberarzt an der DHZC-Klinik für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin am Campus Charité Mitte und ehemals Oberarzt am Herzzentrum Leipzig, die aktuelle Studie durch. Die meisten Patient:innen kam dabei aus dem Herzzentrum Leipzig. „Unsere Daten zeigen: Der Großteil der von Patientinnen und Patienten berichteten Besserung geht offenbar nicht auf die Katheterablation selbst zurück, sondern etwa auf einen Placebo-Effekt oder eine begleitend angepasste Medikation“, erklärt der Studienleiter Prof. Dr. Wachter.

Co-Studienleiter Prof. Dr. Nikolaos Dagres vom DHZC ergänzt: „Aktuelle Leitlinien empfehlen die Katheterablation vor allem, um das Wiederauftreten von Vorhofflimmern zu verhindern und die Lebensqualität zu verbessern. Unsere Studie verdeutlicht jedoch, dass die Verbesserung der Lebensqualität nicht ausreichend über den Effekt der Ablation erklärt werden kann.“

Die doppelblinde Untersuchung fand an neun Kliniken in Deutschland und Polen statt. 262 Patient:innen mit Vorhofflimmern wurden nach dem Zufallsprinzip zwei Gruppen zugeteilt: Eine Gruppe erhielt eine echte Katheterablation, die Personen der anderen Gruppe ein Scheinverfahren. Dabei wurde ein Gefäßzugang gelegt wie bei der echten Behandlung – ein Katheter kam jedoch nicht zum Einsatz. Weder die Teilnehmer:innen noch das Team, das die Patient:innen anschließend betreute wussten, wer welche Behandlung erhalten hatte.

Zu Beginn der Studie sowie sechs Monate nach dem Eingriff füllten alle Teilnehmer:innen einen etablierten Fragebogen zu ihrer Lebensqualität in Bezug auf das Vorhofflimmern aus; den sogenannten „Atrial Fibrillation Effect on the Quality-of-life Questionnaire“ (AFEQT). Das Ergebnis: In beiden Gruppen verbesserte sich das Befinden bei vier von fünf Patient:innen, ohne statistisch bedeutsamen Unterschied zwischen echter und Scheinbehandlung. Die Katheterablation war der Scheinbehandlung nur in einem Punkt klar überlegen: 73 Prozent der echt behandelten Patient:innen waren nach einem halben Jahr frei von Vorhofflimmern, in der Vergleichsgruppe waren es nur 52 Prozent.

Die Auswirkungen auf die klinische Praxis beschreibt Patrick Haag, der ärztliche Koordinator der Studie und Assistenzarzt in der Abteilung Rhythmologie des Herzzentrums Leipzig: „An der grundsätzlichen Wirksamkeit der Katheterablation gegen das Wiederauftreten von Vorhofflimmern ändern die Ergebnisse nichts – aber an der Erwartung, was die Behandlung für das subjektive Wohlbefinden der Patient:innen leisten kann. Wir werden die Daten noch ausführlicher analysieren, um besser zu verstehen, welche Patientengruppen auch in Bezug auf die Lebensqualität potentiell profitieren können.“ Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse basieren auf der sechsmonatigen Nachbeobachtung der Patient:innen. Die zwölfmonatige Nachbeobachtung läuft noch; die entsprechenden Ergebnisse werden zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht.

Die Studie wurde über die Helios-Förderung „Leipziger Herzmedizin“ finanziert. In diesem Programm werden Projekte zur verbesserten Zusammenarbeit zwischen Herzzentrum Leipzig und Universität Leipzig gefördert.

wissenschaftliche Ansprechpartner:

Prof. Dr. Rolf Wachter

Professor für Klinische und Interventionelle Kardiologie, Universität Leipzig

Stellvertretender Klinikdirektor der Kardiologie, Universitätsklinikum Leipzig

E-Mail:

Telefon: +49 341 97 12825

Originalpublikation:

Originalpublikation in The Lancet: Catheter Ablation for Symptomatic Atrial Fibrillation (PVI-SHAM-AF): a randomised, double-blind, sham-controlled multicentre trial. DOI: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(26)01558-8

Quelle: idw

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