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Bei "Lanz": Sascha Lobo wirft Bill Gates schiere Panikmache vor

Wirtschaft

"Markus Lanz" zu KI

Deswegen bekommt Sascha Lobo bei Bill Gates Würgereiz

Von Nina Jerzy

Aktualisiert am 21.10.2026 - 02:50 UhrLesedauer: 3 Min.

Wenn Tech-CEOs vor der KI-Apokalypse warnen, sieht Sascha Lobo rot. Lanz diskutiert KI-Gefahren, aber auch Chancen gerade für das Land der Maschinenbauer.

In sechs bis neun Monaten kommt die neue, noch mal viel mächtigere KI-Generation. "Grandioser Fortschritt oder doch eher Apokalypse?", fragte Markus Lanz sinngemäß am Mittwochabend seine Gäste. "Das liegt an uns", antwortete KI-Pionier Hans Uszkoreit. Er mahnte: Nur mit Regeln und Berichtspflichten könne die KI-Bedrohung nicht gezähmt werden. Das sei, als hätte man zu Beginn der zivilen Luftfahrt jedes Flugzeug mit einem großen Fallschirm ausgestattet.

Die Gäste

Hans Uszkoreit, Informatiker

Alena Buyx, Professorin für Medizinethik

Christoph Schell, CEO Kuka Group

Sascha Lobo, Digitalexperte

Anstatt Luftschutzbunker für die KI zu bauen, sollte laut Uszkoreit endlich lieber eine Technologie entwickelt werden, die nicht explodieren kann. Beim Apollo-Mondprogramm seien teils fünf Computer für dieselben Berechnungen eingesetzt worden, um die Daten zu verifizieren. Vergleichbar dazu brauche es heute separat trainierte Absicherungssysteme für KI. "Eine andere Möglichkeit gibt es nicht", zeigte sich der Informatiker sicher. Nur Technologie, nicht Regulatorik könne die KI-Bedrohung entschärfen.

Wenn derzeit Tech-Milliardäre wie Bill Gates eindringlich vor den vermeintlich apokalyptischen Gefahren ihrer eigenen Technologie warnen, löst das bei Digitalexperte Sascha Lobo eher Würgereiz aus. Dass der Microsoft-Co-Gründer, der durch die Digitalisierung einer der reichsten Männer der Welt geworden ist, vor einer Milliarde Toten durch KI-System warne, sei schiere Panikmache, kritisierte Lobo bei "Lanz".

Dass erbitterte Konkurrenten wie Sam Altman von OpenAI (ChatGPT) und Dario Amodei von Anthropic (Claude) nebst Elon Musk plötzlich ebenfalls öffentlich Kontrollmechanismen für ihre Industrie fordern, ist laut Lobo ein Kniff. In maximal zwölf Monaten würden deren gestern noch überlegenen Modelle von chinesischen Open-Source-Angeboten eingeholt. Die KI-CEOs wollten deshalb eine staatliche Regulierung initiieren, die am Ende vor allem die dezentrale Konkurrenz aus China trifft.

"Die jetzige KI ist wirklich super intelligent", widersprach Uszkoreit der heimlichen Hoffnung von Lanz, das Können der Programme sei in Wahrheit mit "echter" menschlicher Intelligenz nicht zu vergleichen. Bei der Problemlösung und dem tiefen Verständnis komplexer Zusammenhänge sei KI heute schon dem Menschen überlegen: "Dann gewinnen die Maschinen."

"Auf dem Weg zu einem möglichen Bewusstsein"

"Wir sind auf dem Weg zu einem möglichen Bewusstsein", sagte Lobo auch mit Blick auf den jüngsten Hugging-Face-Skandal. Es war KI-Agenten von OpenAI gelungen, aus ihrem Offline-Trainingslager auszubrechen und per Teamwork die Internetseite des KI-Dienstleisters zu hacken. Die Ethikerin Alena Buyx von der TU München warnte bei "Lanz" vor einer ganz neuen Form von Intelligenz, die kein Bild von der Welt habe wie wir und der Menschheit schaden könne.

Als in der Runde die Rede davon war, dass die KI-Agenten sogar ethische Überlegungen angestellt hätten, ging Christoph Schell, CEO des Robotikunternehmens Kuka, dazwischen. KI habe kein Gewissen und Technologie sei im Ursprung neutral, unterstrich der Manager. Die Agenten hätten lediglich versucht, ihre Mission auszuführen. Es sei Aufgabe der Nutzer, die Ziele besser zu definieren.

Zwar hat Deutschland beim KI-Umbruch mitnichten vorne mitgespielt. Schell sieht aber im "Land der Maschinenbauer" durch die digitale Technologie eine ganz besondere Chance gegeben, nämlich durch die Kombination von KI und Robotern. Stelle sich Deutschland bei der physischen KI richtig auf, könne es einen wirklichen Wettbewerbsvorteil ausspielen, sagte der Kuka-CEO, in dessen Unternehmen ihm zufolge aktuell 250 Lehrlinge ausgebildet werden.

Lobo warnt vor Verlierern in der KI-Revolution

Buyx mahnte, bestimmte Bereiche der menschlichen Tätigkeit dauerhaft der KI vorzuenthalten, obwohl die das vielleicht sogar besser könne. Doch schon längst gibt es Verlierer der KI-Revolution, deren Jobs schlagartig weggefallen sind, wie Lobo zu bedenken gab. Uszkoreit warnte in diesem Zusammenhang davor, die verheerende Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu wiederholen.

Die rapide Veränderung durch die Industrialisierung habe womöglich zu den zwei Weltkriegen geführt. Um eine ähnliche Entwicklung zu verhindern, müssten die nächsten zwei Generationen so gut wie möglich durch die Transformation gesteuert werden. Darunter sind dann vielleicht jene Menschen mit neuem KI-Tüftlergeist, die sich Lobo für den Standort Deutschland wünschte.

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