Bei "Maischberger": Poschardt greift Grüne scharf an - die kontert sofort
Bei "Maischberger"
Poschardt greift Grüne scharf an – die kontert sofort
Von Daniele Gambone
Aktualisiert am 02.09.2026 - 05:05 UhrLesedauer: 4 Min.
Wladimir Putin, die AfD, die Grünen oder doch Ulf Poschardt? Bei "Maischberger" kommt es zum Streit darüber, wer am meisten zur Spaltung in Deutschland beiträgt.
Die Bundesregierung ist sich sicher: Für den gescheiterten Drohnen-Anschlag von Anfang August am Flughafen Leipzig/Halle ist Russland verantwortlich. Was daraus folgt und was es bedeutet, in einem Land zu leben, das "tägliches Ziel hybrider Kriegsführung" ist, wie Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) es ausgedrückt hatte, war am Dienstagabend Thema bei "Maischberger".
Gäste:
Ricarda Lang (Bündnis 90/Die Grünen), Bundestagsabgeordnete
Sigmar Gabriel (SPD), Ex-Außenminister und Vorsitzender der Atlantik-Brücke
Markus Preiß, Leiter des ARD-Hauptstadtstudios
Nicole Diekmann, t-online-Kolumnistin.
Ulf Poschardt, freier Journalist und Buchautor
Ijoma Mangold, "Zeit"-Kulturkorrespondent
Das kommentierende Journalisten-Panel aus dem ARD-Studioleiter Markus Preiß, der ZDF-Korrespondentin Nicole Diekmann und dem "Zeit"-Feuilletonisten Ijoma Mangold war sich einig, dass die angekündigten Gegenmaßnahmen in ihrer Besonnenheit angemessen seien. Unter anderem sollen der russische Botschafter einbestellt und das Generalkonsulat in Bonn sowie das Russische Haus – eine Kultureinrichtung in Berlin – geschlossen werden.
Warum Russlands Schwäche gefährlich werden könnte
Gleichzeitig wurden Bedenken laut, dass dies zu einem weiteren Austausch gegenseitiger Feindseligkeiten führen könnte. "Ich glaube, dieses Spiel wird sich noch einige Runden weiterdrehen", mutmaßte Preiß. Mangold wiederum mahnte an, die "hochriskante weltpolitische Situation" immer mitzudenken und es beim "fein abgewogenen Instrumentenkasten der Diplomatie" zu belassen. Schließlich befinde sich die Nuklearmacht Russland aktuell "in einer Situation totaler Schwäche", vor allem wegen des ausbleibenden Durchbruchs im Krieg gegen die Ukraine. "Ein Hund, den man in die Ecke drängt, der wird unberechenbar", warnte der Kulturjournalist.
So sah es auch Ex-Bundesaußenminister Sigmar Gabriel. "Wir wissen nicht – und das ist sozusagen die Unsicherheit, die wir haben –, wie weit sind die Russen bereit zu gehen, welches Risiko wollen sie in Kauf nehmen", erklärte er. Es bestehe die Gefahr, in einen Kreislauf zu geraten, der als einzige Option eine Verschlimmerung der Verhältnisse zulasse.
Putin stelle gerade sowohl die Resilienz auch den Zusammenhalt der westlichen Gesellschaften und Bündnisse auf die Probe, so der SPD-Politiker. Beeindrucken könne man den russischen Präsidenten daher vor allem durch ein Zusammenstehen in der Nato und in Europa. Auch ein entschiedeneres Vorgehen gegen die sogenannte russische Schattenflotte brachte der Vorsitzende der Atlantik-Brücke ins Spiel.
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Allerdings verwies Gabriel zudem auf die Grenzen äußerer Einflussnahmeversuche auf Putin. "Er ist natürlich ein Diktator, er muss auf seine Bevölkerung nicht hören und er hat um sich herum Leute, die ihn stützen", resümierte der ehemalige Außenminister.
Den Europäern riet Gabriel angesichts der weltpolitischen Lage, in der keine der Großmächte die Krisen im Griff habe und alle ihre Machtansprüche auf Pump finanzierten, dringend dazu, sich gut zu wappnen, um nicht kalt erwischt zu werden. Dass dafür auch Diplomatie und nicht nur Aufrüstung nötig sei, brachte der Sozialdemokrat mehrfach zum Ausdruck.
Wie weit man schon in Deutschland vom inneren Zusammenhalt entfernt ist, den Gabriel einforderte, wurde im weiteren Verlauf der Diskussion deutlich. Ins Visier gerieten dabei zwei Parteien, die an sich wenig gemein haben: AfD und Grüne.
"Die AfD zu deradikalisieren, würde bedeuten, die AfD aufzulösen"
Im Zusammenhang mit der Alternative für Deutschland stand einmal mehr die Brandmauer im Mittelpunkt. Der "Zeit"-Journalist Mangold empfahl, sich der demokratischen Wirklichkeit zu stellen und die Blockade aufzugeben. Das sei weder aussichtsreich noch hilfreich, obwohl es natürlich "viele unappetitliche, hässliche und auch rassistische Momente" in der AfD gebe. "Die einzig glaubwürdige Option für mich – oder realistische Option –, diese Partei auch wieder zu deradikalisieren, ist, sie Verantwortung übernehmen zu lassen und sie dann in die Pflicht zu nehmen", erläuterte Mangold seinen Standpunkt.
Bei Diekmann, die sich als ZDF-Hauptstadtkorrespondentin schwerpunktmäßig mit der AfD beschäftigt, löste er damit Kopfschütteln aus. "Die AfD zu deradikalisieren, würde bedeuten, die AfD aufzulösen", hielt sie Mangold entgegen. Anders als die "Posterboys" wie Ulrich Siegmund, der AfD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am kommenden Sonntag, seien die entscheidenden Kräfte und Strippenzieher in der Partei zweifellos radikal und würden vom Verfassungsschutz seit vielen Jahren als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. "Eine AfD ohne Radikalität gibt es gar nicht", lautete das Fazit der t-online-Kolumnistin.
Beispielhaft hatte Diekmann zuvor von einem Besuch beim Jugend-Parteitag der AfD berichtet, wo geradezu reflexhaft wiederholt auf das Thema "Remigration" zurückgegriffen worden sei.
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Lang kritisiert Porschardt: "Freiheitskampf getarnter Zynismus"
Geht es nach dem Journalisten und Buchautor Ulf Poschardt, tragen die Grünen mit der ihnen attestierten Diskurshoheit eine besonders große Verantwortung für den erodierenden gesellschaftlichen Zusammenhalt und den Aufstieg der AfD.
"Ihr müsst Euch überlegen, ob Ihr Verantwortung dafür übernehmen wollt, wie die Debatten geführt worden sind", warf er der ehemaligen Grünenchefin Ricarda Lang vor. Konkret nannte der ehemalige "Welt"-Herausgeber in diesem Zusammenhang die Themen Migration, Gender und Corona und spielte auf den als kompromisslos empfundenen Umgang mit Andersdenkenden an. Das habe der AfD die Menschen in Scharen in die Arme getrieben, so Poschardt sinngemäß.
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Lang gestand zwar einige Fehler zu, wehrte sich aber gegen die Grundthesen, dass die Grünen erstens in Medien und Kultur übermächtig seien und zweitens Deutschland gespalten hätten. Vielmehr beschuldigte die Grünen-Politikerin Poschardt, einen wahnhaften Kampf gegen alles Woke zu führen. Der Journalist verfolge mit seiner "Verächtlichmachung des politischen Gegenübers" das Ziel, "von einer Empörungsmaschine zu profitieren".
Das sei ein als "Freiheitskampf getarnter Zynismus". Für die ehemalige Grünen-Vorsitzende war der Fall dementsprechend klar. "Wenn es einen Kulturkämpfer par excellence gibt in Deutschland, dann heißt er Ulf Poschardt", fasste sie ihre Kritik zusammen.