Bei Wegfall droht Katastrophe
innsalzach24-de Wirtschaft Wirtschaft in der Region Schon bald kein Essen mehr auf dem Tisch? Warum Wirten in der Region eine „Katastrophe“ droht Von: Gabriel Zaunseder Uns auf Google folgen Für viele Gastronomen sind Minijobber kaum wegzudenken. Gleichzeitig wird das Arbeitsmodell in Deutschland derzeit kontrovers diskutiert. Welche Folgen eine Abschaffung für Wirtsleute und Gäste haben könnte und warum Betriebe auf diese Mitarbeiter angewiesen sind. Landkreis Altötting/Mühldorf – Der Minijob wird in Deutschland aktuell heiß diskutiert und steht mehr denn je vor dem Aus. Zum einen setze laut Matthias Collischon vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung das Arbeitsmodell für Arbeitnehmer die falschen Anreize, zum anderen spiele auch die Rente dabei eine Rolle. Doch eine Abschaffung wäre für viele Bereiche im Einzelhandel der Genickbruch. Drastische Auswirkungen auf Gastronomie „Es wäre eine Katastrophe“, verrät Manuel Fuchs, Betreiber des Brückenwirtes in Burghausen, auf Anfrage von innsalzach24.de. „Ich beschäftige aktuell knapp 20 Minijobber, darunter auch Schüler und Studenten, die sich etwas dazuverdienen möchten. Aber auch Vollzeitangestellte, die nebenbei Ablenkung benötigen oder zusätzlich ihr Einkommen aufstocken möchten.“ Aus seiner Sicht ist der Wegfall des Modells undenkbar: „Wir sind in der Gastronomie mehr oder weniger auf Minijobber angewiesen. Im Sommer, wenn das Wetter gut und die Auslastung hoch ist, sind Aushilfen goldwert“, weiß er und betont, dass diese oftmals auch kurzfristig einspringen würden. „Wenn mal weniger los ist, dann müssen sie auch gar nicht kommen. Das ist sehr unkompliziert. Auch aus vertraglicher Sicht.“ Einstieg in die Arbeitswelt Für Arbeitgeber, aber auch Arbeitnehmer eine Win-Win-Situation: „Man kann innerhalb kürzester Zeit sehr gutes Geld verdienen, zumal in der Gastronomie ja das Trinkgeld noch mit dazukommt“, fährt Fuchs fort. „In meinem Wirtshaus haben wir auch sehr viele junge Menschen, für die es der erste Einstieg in die Arbeitswelt ist. Aus meiner Sicht ist das wirklich wichtig.“ Ihm fehle die Sinnhaftigkeit hinter der Diskussion: „Für viele Betriebe kann das schon dazu führen, dass es schwer wird. Zumal die Kosten nicht weniger werden“, so der Gastronom zum Abschluss. Aus einem ähnlichen Horn blies auch Christian Grainer, der zusammen mit seiner Frau „Christians Restaurant“ in Kirchdorf betreibt, bereits vor knapp drei Wochen im Interview. Goldwert für Gastronomen „Wir sind auf diese Art von Angestellten angewiesen. Für das Arbeitsmodell in Deutschland würde sich im Großen und Ganzen wenig ändern, wenn die 603-Euro-Kräfte wegfallen würden“, gab der passionierte Koch, der sich auch in diesem Jahr wieder einen der begehrten Michelin-Sterne sichern konnte, zu Protokoll. „Für uns in der Gastronomie wäre das aber der Worst Case.“ Ähnlich sieht dies Dr. Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer der Dehoga Bayern: „Ich möchte keinen Alarm schlagen, aber es wäre mit Sicherheit eine enorme Herausforderung für die Gastronomen. Die Frage ist, ob dieser dann auch jeder standhalten kann.“ Aus seiner Sicht seien Minijobber ebenfalls goldwert für Wirtsleute: „Allen voran im Sommer, wenn die Biergärten voll sind.“ Bei Ausfällen könnten dann eben diese Aushilfen einspringen: „Andersherum sind sie bei geringer Auslastung oder schlechtem Wetter nicht vonnöten“, so Geppert weiter. Er sehe – genau wie Fuchs – einen Vorteil für beide Seiten. Umso wichtiger sei es, sich weiter für den Erhalt des Minijobs einzusetzen: „Auch vom bayerischen Ministerpräsidenten haben wir volle Unterstützung.“ Rund 6,8 Millionen Beschäftigte im Minijob Die Alterssicherungskommission empfiehlt, die Opt-out-Möglichkeit für Minijobs in der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) zu beenden. Bislang können Minijobber noch selbst entscheiden, ob sie in die Rentenversicherung einzahlen oder nicht. Dies soll gestrichen werden. Außerdem schlägt die Kommission vor, den steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Sonderstatus von Minijobs abzuschaffen. „Damit würde ein Beschäftigungsmodell grundlegend verändert werden, das heute rund 6,8 Millionen Menschen nutzen“, so Geppert. 3,56 Millionen Menschen davon hätten bereits einen Vollzeitjob: „Der Minijob ist für die große Mehrheit kein Ersatz für Vollzeit, sondern ein freiwilliger Hinzuverdienst.“ Somit sei es ein Angriff auf die, die aus eigener Kraft arbeiten wollen würden. Sollte zudem der steuer- und sozialversicherungsrechtliche Sonderstatus abgeschafft werden, würde der Anreiz für das Arbeitsmodell verloren gehen. Folgen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer „Minijobber halten das ganze Land am Laufen. Dafür reicht schon ein Blick in den Handel oder die Pflege“, weiß Geppert. „Der Minijob ist für die meisten Menschen keine Altersvorsorge, sondern eine flexible Möglichkeit, zusätzliches Einkommen zu erzielen. Altersarmut bekämpft man nicht, indem man Millionen Menschen eine freiwillige Zuverdienstmöglichkeit erschwert.“ Viele arbeiten genau deswegen nebenher. Genau wie eine junge Frau (23) aus Burghausen, die namentlich nicht genannt werden möchte. Sie ist neben ihrem Job in der Gastronomie tätig: „Es ist eine vielversprechende Möglichkeit, weiteres Geld zu verdienen.“