„Beim jetzigen Tempo nicht vor 2032“: Militäranalysten sehen Putins geplante Donezk
Bei dem derzeitigen Vormarschtempo wird Russland die gesamte Region Donezk voraussichtlich nicht vor 2032 erobern können – wenn überhaupt. Das geht aus einem Bericht des Institute for the Study of War (ISW) hervor, der am Sonntag veröffentlicht wurde.
„Russland gelingt es nicht, seine militärischen Ziele zu erreichen, insbesondere scheitert es an seinem vorrangigen Ziel, den Rest der Oblast Donezk bis Ende 2026 einzunehmen“, heißt es in der Analyse des renommierten US‑Thinktanks. Den Berechnungen der Experten zufolge sollen die russischen Streitkräfte auch „Putins neue Frist für die Eroberung des gesamten Gebiets Donezk bis zum 31. Dezember 2026 nicht einhalten können“.
Der Analyse folgend rückten die russischen Truppen im August in der Region Donezk durchschnittlich um 2,36 Quadratkilometer pro Tag vor. Bei diesem Tempo würden die Streitkräfte jedoch mindestens bis zum 2. Oktober 2032 benötigen, um die verbleibenden 19 Prozent der Region zu besetzen – vor allem, wenn man bedenke, „dass es ihnen in fast einem Jahr nicht gelungen ist, auch nur eine einzige Stadt vollständig einzunehmen.“
ISW: Putin verschiebt mehrmals Einnahmefristen
Das ISW weist darauf hin, dass Russland die angekündigten Fristen für die Eroberung der Region Donezk bereits mindestens 15 Mal verschoben und keine davon eingehalten hat. Dass Moskau ständig neue Fristen setzt, spiegelt den Analysten zufolge „Putins Bedürfnis wider, dem russischen Volk einen bedeutenden Sieg zu verschaffen“.
Mit diesen Fristsetzungen wolle der Kremlchef die russische Bevölkerung versöhnlich stimmen, mutmaßen die Analysten des ISW. „Als Gegenleistung dafür, dass sie die Lasten des Krieges ertragen, hat Putin den Russen den Sieg versprochen.“
Warum sieht das ISW keine baldige Einnahme von Donezk?
Die Analysten begründen ihre These einerseits durch das aktuelle Vorstoßtempo der russischen Truppen. Demnach müssten Putins Truppen zunächst „zermürbende Stadtschlachten in den Städten des ukrainischen Festungsgürtels führen“, ehe sie überhaupt versuchen könnten, über offenes Gelände vorzustoßen. Die Vergangenheit hätte jedoch gezeigt, dass die Einheiten in eben jenem offenen Gelände „immer wieder Schwierigkeiten hatten, voranzukommen“.
Darüber hinaus habe die Ukraine mit den jüngsten Angriffen auf Russlands Logistik bewiesen, dass Kyjiws Truppen „in mehreren Bereichen der Front erfolgreich die taktische Initiative ergreifen können“. Russland habe demnach Mühe gehabt, diesen ukrainischen Maßnahmen etwas entgegenzusetzen.
„Weder der Verlauf noch die voraussichtliche Dynamik des aktuellen Konflikts deuten darauf hin, dass die russischen Streitkräfte in der Lage sein werden, ihr Vorstoßtempo bald drastisch zu beschleunigen“, resümiert das ISW entsprechend. Das gelte vor allem, solange die westliche Unterstützung für die Ukraine auf dem derzeitigen Niveau bleibe.
Drohnenstrategie der Ukraine zeigt Wirkung
Experten sehen im anhaltenden Krieg aktuell ein entscheidendes Momentum zugunsten der Ukraine erreicht. Demnach gehe Kyjiws Drohnenstrategie auf und die Ukraine treffe Russland nun dort, wo es wehtut: ins Herz der Kriegswirtschaft.
Die Ukraine verstärkte in den vergangenen Wochen die Drohnen- und Raketenangriffe tief ins russische Hinterland. Dabei wurden Lagerhäuser großer Online-Händler zerstört und Ölraffinerien schwer beschädigt, was zu landesweiten Treibstoffengpässen führte.
Derweil wird Putin nicht müde zu betonen, dass Russlands Truppen im Donezker Gebiet immer schneller vorankommen sollen und bis auf wenige Kilometer an die Städte Slowjansk, Kramatorsk und Druschkiwka herangerückt seien. In der kirgisischen Hauptstadt Bischkek behauptete der Kremlchef jüngst vor Vertretern staatlicher Medien, dass die Stadt Swjatohirsk erneut unter russischer Kontrolle sei und es in Dobropillja bereits Straßenkämpfe gebe.