Bekannter Luftfahrtingenieur über den Kauf einer alten oder neuen F-16: „Das ist so, als würde man sich ein iPhone 15 oder iPhone 3 kaufen“
Marokko bestellte im Jahr 2019 25 neue F-16-Kampfjets beim US-Konzern Lockheed Martin. Ab 2027 sollen die ersten Auslieferungen erfolgen. Das Land stärkt seine Luftwaffe damit nicht nur zahlenmäßig, sondern vor allem technisch. Die neuen Maschinen unterscheiden sich deutlich von den älteren F-16, die das Land bereits fliegt.
Das erklärte der Luft- und Raumfahrtingenieur Sergio Hidalgo im Podcast des spanischen Kanals „La Placita Amarilla“. Hidalgo betreibt selbst den größten spanischsprachigen YouTube-Kanal für Luftfahrttechnik mit über einer Million Abonnenten.
Er verglich den Unterschied mit einem bekannten Alltagsprodukt. Der Kauf einer alten oder neuen F-16 sei „wie der Kauf eines iPhone 15 oder eines iPhone 3“. Von außen sähen sich die Flugzeuge zwar ähnlich, auch der Name bleibe gleich. Im Inneren ändere sich jedoch fast alles, so der Experte.
Marokkos neue F-16 sind eine andere Generation
Die derzeitigen marokkanischen F-16 ordnete Hidalgo ungefähr in derselben Generation ein wie jene Jets, die an die Ukraine geliefert wurden. Bei den neu bestellten Maschinen handle es sich dagegen um die leistungsfähigsten Varianten, die derzeit verfügbar seien. Allein die Bezeichnung F-16 sage deshalb nur wenig aus. Viel wichtiger sei es, welche Version ein Land tatsächlich besitze.
Hidalgo beschrieb moderne Kampfjets als „fliegende Computer“. Selbst bei gleichem Rumpf könnten Radar, Avionik, Systeme für elektronische Kampfführung und große Teile der Software stark voneinander abweichen. Zwei äußerlich fast identische F-16 könnten daher Informationen sehr unterschiedlich erfassen, verarbeiten und im Einsatz nutzen.
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Allerdings müssten ältere Jets nicht auf dem Stand ihrer Auslieferung bleiben. Auch lang genutzte F-16 ließen sich mit neuer Elektronik, anderen Sensoren oder zusätzlicher Bewaffnung modernisieren. Solche Programme könnten die Fähigkeiten eines Flugzeugs stark verändern und seine Einsatzzeit um viele Jahre verlängern.
Nicht 25 einsatzbereite Jets auf einen Schlag
Nach Hidalgos Einschätzung sagt auch die reine Stückzahl wenig aus. 25 zusätzliche Flugzeuge klängen zunächst nach einem großen Sprung. In der Praxis stehe aber nie die komplette Flotte gleichzeitig bereit.
Wegen Wartung und gestaffelter Instandhaltung hielt er eine Verfügbarkeit von etwa zwei Dritteln für realistisch. Von 25 Maschinen wären damit in einem gegebenen Moment eher 16 oder 17 einsatzbereit.
Das erschwere einfache Vergleiche zwischen Luftwaffen, bei denen oft nur alle vorhandenen Jets zusammengerechnet werden. Eine Flotte auf dem Papier sei nicht dasselbe wie eine Flotte, die sofort starten könne.
Abhängigkeit von den USA bleibt
Hidalgo sprach auch über die politische und technische Bindung an den Herstellerstaat. Einen geheimen Ausschalter („Kill Switch“) aus Washington für amerikanische Kampfjets gebe es seiner Ansicht nach nicht.
Bei der F-35 bestehe jedoch eine klare Abhängigkeit von Ersatzteilen, Software-Updates und Unterstützung aus den USA. Käufer erhielten keinen Zugriff auf den Quellcode. Ein Teil der Wartung bleibe daher an amerikanische Stellen gebunden, erklärt der Experte.
Wenn diese Versorgung unterbrochen werde, falle ein Flugzeug nicht am nächsten Tag aus. Die Probleme nähmen mit der Zeit zu: Ohne Ersatzteile und neue Softwarestände werde es immer schwerer, die Einsatzbereitschaft zu erhalten. Als Beispiel nannte Hidalgo die iranischen F-14, bei denen nach dem Bruch mit den USA auch die Versorgung mit Teilen und technischem Support abriss.