Berchtesgaden: „Hitlers Teehaus“ abgebrannt - Verdächtiger festgenommen
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Das von den Nationalsozialisten errichtete Kehlsteinhaus am Obersalzberg in Berchtesgaden ist in der Nacht zum Samstag durch ein Feuer weitgehend zerstört worden. Die Polizei hält eine Brandstiftung als Ursache für möglich. Eine Person sei festgenommen worden. Ob diese Person im Zusammenhang mit dem Brand stehe, werde aber noch ermittelt. Die Ermittlungen hat die Kriminalpolizei in Traunstein übernommen.
Nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd in Rosenheim löste ein Rauchmelder des Kehlsteinhauses am Freitagabend gegen 21.50 Uhr Brandalarm aus. Die alarmierten Feuerwehren sahen bei der Anfahrt hoch aufschlagende Flammen, vor Ort wurde dann „der Vollbrand des Gebäudes feststellt“.
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Etwa 180 Rettungs- und Einsatzkräfte von Feuerwehren rückten aus, um den Großbrand in dem denkmalgeschützten Gebäude unter Kontrolle zu bringen. Dazu kamen 50 Polizistinnen und Polizisten. Sie sperrten die Straße, die zum Kehlsteinhaus führt. Zudem wurde eine Flugverbotszone für Drohnen eingerichtet.
Starker Wind, Schneeverwehungen und Eis hätten den Einsatzkräften zugesetzt, berichtete Kreisbrandrat Michael Brandl bei einer Pressekonferenz am Samstagnachmittag. Gegen 2.00 Uhr in der Nacht habe der Löscheinsatz deshalb unterbrochen werden müssen. Er konnte demnach erst am Morgen fortgesetzt werden. Die Polizei erklärte am Samstagnachmittag, die Nachlöscharbeiten seien noch nicht abgeschlossen. Ein gefahrloses Betreten des Brandobjekts sei für die Ermittler noch nicht möglich gewesen.
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Der Brand sei „wohl auf Brandstiftung zurückzuführen“, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bei der Pressekonferenz. Bei ihrer Anfahrt zum Kehlsteinhaus kam Polizei und Feuerwehr demnach ein verdächtiger Motorradfahrer ohne Kennzeichen entgegen. „In einem sehr spontanen Eingreifen“ hätten die Einsatzkräfte den Motorradfahrer gestoppt und vorläufig festgenommen, betonte der Minister. Er sprach insgesamt von einem Einsatz „unter extrem schwierige Bedingungen“.
Anzeichen für psychische Erkrankung
Der Verdächtige sei 33 Jahre alt, habe Bezüge zum Berchtesgadener Land, wohne dort aber aktuell nicht, sagte Oberstaatsanwalt Rainer Vietze von der Staatsanwaltschaft Traunstein. Es hätten sich konkrete Anhaltspunkte für eine psychische Erkrankung des Verdächtigen ergeben, welche ein Kurzgutachten bestätigte. Mögliche politische Motive würden geprüft, sagte Vietze.
Die Polizei teilte später mit, es handele sich um einen „Mann mit deutscher Staatsangehörigkeit, der seinen Wohnsitz in Berlin hat“ und gegen den „ein dringender Tatverdacht“ bestehe. Da ein Kurzgutachten eine psychische Krankheit bei ihm festgestellt habe, sei er auf Antrag der Staatsanwaltschaft in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht worden.
Laut der Internetseite des Zweckverbandes Bergerlebnis Berchtesgaden sollte das Kehlsteinhaus – auch Eagle’s Nest (Adlernest) genannt – in dieser Saison noch bis zum 8. November geöffnet sein.
Der Leiter der Dokumentation Obersalzberg, Sven Keller, sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd) auf Anfrage, auf die Arbeit der Dokumentation Obersalzberg werde der Brand wenig Auswirkungen haben. „Zu beklagen ist der Verlust materiellen historischen Erbes gleichwohl, es anzuzünden ist keine Lösung“, unterstrich der Historiker. „Auch wenn es ein schwieriges Erbe ist: Man verliert damit die Chancen für Geschichtsvermittlung und Aufklärung, die ein verantwortungsvoller Umgang damit bietet. Solche Orte wecken Interesse, sie bieten Reibungsfläche und Diskussionsanlässe.“
Touristische Nutzung nach dem Krieg
Das Teehaus auf dem Kehlstein wurde 1937/38 als Ausflugsziel für Adolf Hitler gebaut, der es laut Keller allerdings nur selten nutzte. „Wir wissen nur von 14 Besuchen, er brachte vor allem ausländische Staatsmänner, Diplomaten und Journalisten hinauf“, sagte der Historiker, der auch Abteilungsleiter im Institut für Zeitgeschichte München-Berlin ist. Das Kehlsteinhaus sei Überwältigungsarchitektur: „Die Gäste sollten durch die Bergkulisse beeindruckt werden – und auch durch die technische Leistung, mit der man sich dort die Natur untertan gemacht hatte.“
Das Gebäude habe das Kriegsende praktisch unbeschadet überstanden, und es habe auch deshalb Symbolcharakter gehabt. In den Nachkriegsjahrzehnten wurde das auf 1834 Metern gelegene denkmalgeschützte Kehlsteinhaus vor allem touristisch genutzt. Seit 2017 gab es dort eine von der Dokumentation Obersalzberg betreute Ausstellung.
dpa/epd/AFP/gold/jha/shem/sara