Berghütte in den Alpen von Touristen überrannt - wegen eines Gebäcks: „Verrückt geworden“
rosenheim24-de
Welt
Welt-News
Berghütte in den Alpen von Touristen überrannt – wegen eines Gebäcks: „Verrückt geworden“
Von: Martina Hunger
Uns auf Google folgen
Auf 2300 Metern Höhe bilden sich plötzlich lange Schlangen vor einer Berghütte in den Dolomiten. Der Grund ist weder ein Gipfel noch ein spektakulärer Aussichtspunkt – sondern ein Krapfen, der in den sozialen Medien zum Star geworden ist.
Campitello di Fassa/Italien – Eigentlich kommen Wanderer in die Dolomiten wegen der Berge, der Aussicht und der Natur. An einer Berghütte im italienischen Trentino sieht das offenbar etwas anders aus: Vor dem Rifugio Friedrich August am Col Rodella bilden sich in der Hochsaison lange Schlangen. Viele Besucher haben dabei vor allem ein Ziel – einen der inzwischen berühmten Krapfen ergattern und ihn vor der Bergkulisse fotografieren.
Videos der Warteschlangen verbreiteten sich zuletzt rasant in den sozialen Netzwerken und entfachten in Italien eine neue Diskussion über Massentourismus in den Alpen. Das Kuriose: Die süße Spezialität gibt es auf der Hütte keineswegs erst seit diesem Sommer.
Auch interessant: Nach fast 40 Jahren: Berg in den Alpen verliert plötzlich seinen Namen – Berghütte umbenannt
Krapfen machen Berghütte zum Internet-Hit
Das Rifugio Friedrich August liegt auf rund 2300 Metern Höhe zwischen Col Rodella und dem Sellajoch. Im Hintergrund erhebt sich der mächtige Langkofel – eigentlich Fotomotiv genug. Doch inzwischen stehen auf vielen Bildern vor allem lange Reihen frisch gebackener Krapfen im Mittelpunkt.
Die Hütte legt die Gebäckstücke morgens auf einem langen Holztisch aus. Genau diese Bilder wurden immer häufiger auf Instagram, TikTok und anderen Plattformen geteilt.
Nach Berichten italienischer Medien bekam der Hype einen zusätzlichen Schub, als ein Food-Influencer einen Krapfen vor der spektakulären Dolomitenkulisse präsentierte. Danach seien immer mehr Menschen gezielt zur Hütte gekommen. „La Repubblica“ berichtet von Hunderten Touristen, die das Rifugio inzwischen wegen der Süßspeise ansteuern.
Auch interessant: Tödliche Tragödie in Berghütte: Helfer (†35) stirbt – fünf weitere Menschen vergiftet
Vier Euro für einen Krapfen – solange der Vorrat reicht
Die Krapfen werden täglich frisch gebacken. Laut „Il T Quotidiano“ entstehen davon jeden Morgen mehrere Hundert. Verkauft werden sie für vier Euro pro Stück – allerdings nur, solange der Vorrat reicht. Gegen etwa 10.30 Uhr endet das Frühstücksangebot der Hütte. Die Hütte selbst bewirbt die Spezialität auf ihrer Internetseite ausdrücklich: Besucher könnten die Creme-Krapfen sitzend mit Blick auf den Langkofel genießen oder für den weiteren Weg mitnehmen.
Neu ist das Gebäck keineswegs. Italienische Medien berichten, dass die Spezialität bereits seit vielen Jahren angeboten wird. Schon 2020 tauchten entsprechende Krapfen-Bilder auf dem Instagram-Auftritt der Berghütte auf. Erst durch die massive Verbreitung in sozialen Netzwerken entwickelte sich daraus jedoch ein regelrechter Besuchermagnet.
Auch interessant: Traumjob in den Bergen: Diese bekannte Berghütte ist wieder zu haben
Berghütte ist in rund 20 Minuten erreichbar
Dass sich der Hype ausgerechnet dort so schnell ausbreitet, dürfte auch mit der vergleichsweise einfachen Erreichbarkeit zusammenhängen.
Viele Besucher fahren zunächst mit der Seilbahn von Campitello di Fassa hinauf zum Col Rodella. Von dort lässt sich die Berghütte in etwa 20 Minuten zu Fuß erreichen. Alternativ führt vom Sellajoch eine kurze Wanderung in die Gegend. Damit ist das Rifugio auch für Menschen erreichbar, die keine anspruchsvolle alpine Tour unternehmen wollen.
Genau diese Mischung aus leichter Erreichbarkeit, spektakulärem Panorama und einem fotogenen Produkt macht den Ort besonders attraktiv für soziale Netzwerke.
Auch interessant: „Verdammter Thunfisch“: Alpenwirt von Berghütte platzt wegen Wanderern der Kragen
Lange Schlange sorgt für Debatte über Massentourismus
Die Bilder stoßen allerdings keineswegs nur auf Begeisterung. Unter Videos der Warteschlangen wird teils heftig darüber diskutiert, weshalb Menschen in den Bergen so lange für ein Gebäck anstehen. Dabei richtet sich die Kritik zunehmend auch gegen eine Entwicklung, die an mehreren bekannten Orten der Alpen zu beobachten ist: Ein bestimmtes Foto oder Video geht viral, innerhalb kurzer Zeit strömen zahlreiche Besucher an denselben Platz.
Das italienische Bergmagazin „L‘AltraMontagna“ warnt allerdings davor, die Menschen in der Warteschlange einfach pauschal zu beschimpfen. Der Krapfen-Hype sei vielmehr Ausdruck einer breiteren Entwicklung, bei der soziale Medien zunehmend beeinflussten, welche Orte und Erlebnisse Reisende überhaupt ansteuern.