Bergläuferin postet letztes Foto auf 4.000 Metern - seitdem fehlt von ihr jede Spur
Die kanadische Skyrunnerin Kalie McCrystal wollte das Matterhorn in Rekordzeit bezwingen. Auf knapp 4.000 Metern Höhe machte sie noch ein Foto von sich – dann brach der Kontakt ab. Die Rettungskräfte stehen vor einer schwierigen Suche.
Von der kanadischen Bergläuferin Kalie McCrystal fehlt seit dem 1. September jedes Lebenszeichen. Die 38-Jährige war allein auf der italienischen Seite des Matterhorns unterwegs, als sie oberhalb einer Schutzhütte auf rund 3.830 Metern Höhe ein letztes Foto von sich aufnahm und in den sozialen Medien teilte.
Danach verlor sich ihre Spur.
Polnische Bergsteigerinnen sahen McCrystal noch auf über 4.000 Metern
Inzwischen gibt es einen weiteren Hinweis auf den Verbleib der Vermissten. Laut "Merkur" beobachtete eine polnische Seilschaft die Kanadierin unterhalb des Pic Tyndall in mehr als 4.000 Metern Höhe. Die Frauen sollen McCrystal beim Abstieg gefilmt haben, bevor sie an ihnen vorbeilief. Damit verlagert sich der mögliche Suchraum in einen besonders anspruchsvollen Abschnitt des Berges.
Der Alarm wurde dem "Merkur" zufolge erst ausgelöst, nachdem eine Freundin McCrystal rund 48 Stunden lang nicht hatte erreichen können.
Helikopter und Spezialtechnik – aber Suche bleibt erfolglos
Seit dem Verschwinden der Athletin durchkämmen Rettungskräfte das Gebiet. Am Donnerstag, dem 3. September, suchten die Einsatzkräfte die gesamte normale Aufstiegsroute auf der italienischen Seite ab, wie "Rai News" schildert. Dabei kamen Hubschrauber sowie eine Recco-Antenne zum Einsatz – ein Radargerät, das Reflektoren in Kleidung oder Ausrüstung aufspüren kann. Sämtliche Versuche, McCrystals Mobiltelefon anzupeilen, blieben ebenfalls erfolglos.
Zusätzlich werten die Einsatzkräfte laut "Merkur" Mobilfunkdaten aus. Eine zweite, virtuelle SIM-Karte im Telefon der Vermissten könnte Aufschluss darüber geben, mit welchen italienischen und schweizerischen Funkzellen das Gerät zuletzt verbunden war. So soll das Suchgebiet für weitere Hubschrauberflüge eingegrenzt werden.
Weiße Kleidung erschwert die Suche
Ein zusätzliches Problem für die Retter: McCrystal trug bei ihrem Aufstieg kurze Hosen, eine leichte Jacke, Trailrunning-Schuhe und einen kleinen Rucksack – alles in hellen Farben.
"Sie war ganz in Weiß gekleidet", zitiert "t-online" die Rettungskräfte. "Das macht es noch schwieriger, sie am Berg zu entdecken." Zwischen Fels und Schnee sei die Sportlerin optisch kaum auszumachen, erklärten die Einsatzkräfte laut "ANSA".
Ehrgeiziges Ziel und wochenlange Vorbereitung
McCrystal hatte sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Den Auf- und Abstieg über den Liongrat – auf Italienisch Cresta del Leone – in weniger als fünf Stunden zu bewältigen. Bereits Wochen vor ihrem Verschwinden bereitete sie sich im Aostatal auf den Rekordversuch vor.
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Anfang August kam es zunächst zu einem massiven Steinschlag. Einen Tag darauf brach sie einen allein unternommenen Gipfelversuch ab, ehe sie am 7. August den Gipfel schließlich erreichte und zum Ausgangspunkt zurückkehrte. An eine Rekordzeit dachte sie zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht. Auf Instagram schrieb McCrystal: "Die Wettervorhersage für die nächsten Tage ist eher mittelmäßig, und ich habe kein gutes Gefühl dabei, auf einer halb gesperrten Route eine FKT (Fastest Known Time) anzustreben." Sie wolle auf bessere Bedingungen warten. "Die Hoffnung ist also noch nicht verloren, und ich gebe noch nicht auf."
Die Kanadierin stammt aus Squamish in der Provinz British Columbia und arbeitet als Anwältin, wie der "Merkur" schreibt. In der internationalen Skyrunning-Szene zählt sie zu den erfolgreichsten Athletinnen ihres Landes. Im Jahr 2026 gewann sie das Rennen "4 Refugios Non-Stop" in Argentinien – einen Berglauf über rund 40 Kilometer mit mehr als 3.300 Höhenmetern im Aufstieg. (ycl)