Berkshire Hathaway-Aktie: CEO Greg Abel sieht Milliardenchance im KI-Strom
Greg Abel, seit Januar Nachfolger von Warren Buffett an der Spitze von Berkshire Hathaway, nennt das Geschäft mit den KI-Rechenzentren eine bedeutende Chance und knüpft es an drei Bedingungen. Die Aktie hat darauf so gut wie nicht reagiert. Das könnte ein Fehler sein – oder eine sehr nüchterne Einschätzung.
Abel hat am Mittwoch bei CNBC ausgesprochen, worauf viele Berkshire-Aktionäre seit dem Frühjahr warten: Der Konzern will an der KI-Welle verdienen – nicht mit Chips, sondern mit Kilowattstunden. „Wir sehen darin weiterhin eine bedeutende Chance für Berkshire und Berkshire Hathaway Energy“, sagte Abel im Gespräch mit Becky Quick. Energie sei aus seiner Sicht schon immer der eigentliche Engpass des Ausbaus gewesen. Die Aktie schloss danach 0,6 Prozent fester bei 505,24 Dollar – der Markt hat die Ansage bislang schlicht überhört.
MidAmerican: Acht Prozent der Last aus Iowa
Der Mechanismus dahinter ist unspektakulär und genau deshalb tragfähig. Berkshire Hathaway Energy besitzt mit MidAmerican Energy den größten Versorger Iowas; im vergangenen Jahr entfielen dort rund acht Prozent der gesamten Last auf Rechenzentren. Ein regulierter Versorger verdient nicht am Strompreis, sondern am genehmigten Anlagevermögen: Wer Leitungen, Umspannwerke und Kraftwerke baut, bekommt darauf eine von der Aufsicht festgesetzte Rendite – über Jahrzehnte, unabhängig davon, welches Sprachmodell gerade führt. Abel verkauft den Hyperscalern also keine KI-Fantasie, sondern eine Bilanzposition. Er rechnet damit, dass die Nachfrage aus diesem Kundenkreis in den kommenden fünf Jahren um bis zu 50 Prozent wachsen kann.
Drei Bedingungen nannte er dafür. Die Bestandskunden dürfen nicht draufzahlen – im Gegenteil, sie sollen einen Nettovorteil haben. Die Gemeinden müssen die Folgen für den Wasserverbrauch verstehen. Und sie müssen das Rechenzentrum überhaupt wollen. „Unsere Standorte wären die Energieinfrastruktur und nicht das Rechenzentrum“, sagte Abel und verwies auf die Gewerbesteuern und Schulbudgets, die an solchen Ansiedlungen hängen.
Berkshire Hathaway Energy: Was die Zahlen schon zeigen
Im zweiten Quartal verdiente die Energiesparte 891 Millionen Dollar, ein Plus von 26,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die abgesetzten Strommengen im Endkundengeschäft stiegen im ersten Halbjahr um 3,1 Prozent, bei MidAmerican allein um 6,0 Prozent. Das ist noch kein KI-Effekt in Reinform, sondern mehr Verbrauch und mehr Kunden, dazu höhere genehmigte Tarife auf der Margenseite. Es ist aber die Richtung, die Abel meint.
Dass Berkshire die KI-Welle nicht nur über die Stromrechnung spielt, zeigt die zweite Hälfte derselben Strategie: Anfang Juni übernahm der Konzern Aktien für zehn Milliarden Dollar aus einer Privatplatzierung von Alphabet – mit rund 6,5 Prozent Abschlag auf den damaligen Schlusskurs.
Abel sagt selbst, der Gegenwind in den Gemeinden nehme zu; abgelehnt worden sei bislang kein Standort. Der Staat New York hat ein Moratorium erlassen, in mindestens elf weiteren Bundesstaaten liegen entsprechende Entwürfe, und in den Parlamenten wurden allein im Jahr 2026 mehr als 150 energiebezogene Vorlagen behandelt. In der Nähe großer Rechenzentrumsstandorte sind die Stromrechnungen binnen fünf Jahren um bis zu 267 Prozent gestiegen. Mizuho-Analyst Vikram Malhotra sieht das Thema auf dem Weg in den Zwischenwahlkampf. Dazu kommt die Größenordnung: Die Energiesparte steuerte zuletzt 891 Millionen Dollar zu einem operativen Ergebnis von 12,98 Milliarden Dollar bei, also knapp sieben Prozent. Und PacifiCorp streitet weiter vor Gericht über Waldbrandschäden.