Berlin : 1,1 Prozent Wachstum - Hauptstadt hängt Deutschland ab
Berlin – Lebensfroh, leicht verlottert – und wirtschaftlich ein Problemfall. Dafür stand Berlin sehr lange. Während Metropolen wie London oder Paris als Wirtschaftsmotoren galten, stand die Hauptstadt für Lebenskünstler und knappe Kassen. Doch dieses hartnäckige Klischee passt nicht mehr zur Realität.
Verschiedene Wirtschaftsinstitute haben kürzlich Deutschlands Wachstumsprognose nach oben korrigiert. Statt ursprünglich 0,6 Prozent erwarten die Statistiker nun 1,3 Prozent Wachstum für 2026. Aber was trägt die Hauptstadt eigentlich dazu bei?
Das alte Klischee hatte einen statistischen Kern: In den 2000er-Jahren lag Berlin bei der Wirtschaftsleistung pro Einwohner unter dem deutschen Durchschnitt. Aber nicht nur, weil die Menschen an der Spree gern ausschliefen. Die Folgen der Teilung der Stadt waren noch lange zu spüren. Firmen, Banken und Behörden hatten sich in Frankfurt, München oder Hamburg angesiedelt.
Alle 14 Stunden ein neues Start-up
Aber Berlin hat aufgeholt. Seit 2013 wächst die Hauptstadt schneller als die deutsche Wirtschaft insgesamt. Neue Firmen, die Digitalwirtschaft und Dienstleistungen sorgen für den Schub. Im Jahr 2025 verzeichnete das Land Berlin ein Wirtschaftswachstum von 1,1 Prozent. Zum Vergleich: Deutschland kam im gleichen Zeitraum nur auf 0,2 Prozent.
Auch die Wirtschaft der europäischen Metropolen Paris , Madrid und Wien wuchs 2025 schneller als die ihrer jeweiligen Länder. Doch in Berlin war der Vorsprung zum Rest der Republik noch größer. Laut Berliner Senat gründen Unternehmer hier im Schnitt alle 14 Stunden ein neues Start-up. Damit ist die Stadt eines der bedeutendsten Start-up-Zentren Europas.
Auch wenn der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) es in seinen Bierzeltreden anders darstellen will: Das Bild vom faulen, nur von Subventionen lebenden Berlin ist längst überholt.