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Berlin: Hunderttausende feiern beim CSD - Festnahmen bei Demo wegen israelfeindlicher Parole

Nation

Audioplayer wird geladen Anzeige Hunderttausende Menschen haben am Samstag in Berlin an der diesjährigen Großkundgebung zum Christopher Street Day (CSD) teilgenommen. Mit Regenbogenfahnen, bunten Kostümen und viel Glitzer zogen sie durch die Hauptstadt. Insgesamt seien mehrere Hunderttausend Menschen gekommen, sagte ein Polizeisprecher. Bei einer linken Demonstration am Rande des CSD kam es allerdings zu einem Zwischenfall. Bei dem Protestzug in Gesundbrunnen und Wedding sei es trotz mehrerer Gespräche mit der Versammlungsleitung „wiederholt zum Ausruf verbotener Parolen“ gekommen, teilte die Polizei auf der Plattform X mit. Ein Sprecher bezog sich auf die israelfeindliche Parole „From the river to the sea, Palestine will be free“. Demnach liefen vor allem im vorderen Teil des Aufzugs Hunderte propalästinensische Demonstranten mit. Anzeige Ein tatverdächtiger Teilnehmer sei daraufhin festgenommen worden. Die Beamten hätten mehrfach unmittelbaren Zwang wegen gewalttätiger Unterstützer anwenden müssen, hieß es auf X. Der Sprecher erklärte, zwei Personen, die den Festgenommenen befreien wollten, seien ebenfalls festgenommen worden. Alle drei dürften nun nicht mehr mitlaufen. Auch ein Medienvertreter sei aus dem Aufzug heraus angegangen worden, hieß es. Später hieß es, dass auf der Demo Festlegetechniken und Pfefferspray eingesetzt werden mussten, weil die Beamten bedrängt worden seien. Anzeige Der Aufzug erreichte den Leopoldplatz und wurde nach Angaben der Polizei kurz vor Erreichen des Endplatzes von der Versammlungsleitung beendet. Dort nahmen Einsatzkräfte einen ehemaligen Versammlungsteilnehmer fest. Er soll während des Aufzugs versucht haben, Einsatzkräfte mit einer Fahnenstange zu schlagen. Insgesamt nahm die Polizei im Zusammenhang mit dem Aufzug neun Menschen fest. Sie leitete unter anderem Strafverfahren wegen Gewalt- und Propagandadelikten ein. Rund 7000 Menschen sollen laut Angaben des Sprechers an der Demonstration teilgenommen haben. Unter dem Titel „Internationalist Queer Pride“ sollte es gegen Kapitalismus und Kolonialismus gehen. „Queere Menschen stehen weltweit unter mehr Druck“ Zur großen CSD-Parade mit rund 80 Trucks zeigte sich die Polizei zufrieden. Sechs Personen erhielten nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen einen Platzverweis und wurden wieder auf die Straße entlassen. Kurzzeitig blockierten laut Polizei gegen 16.40 Uhr fünf bis zehn Personen mutmaßlich aus dem linken Spektrum einen Aufzugswagen der CDU. Ordner hatten die Blockade bereits vor Eintreffen der Einsatzkräfte aufgelöst, die Tatverdächtigen verschwanden in der Menge. Lesen Sie auch Mit der CSD-Demonstration wollten die Veranstalter ein Zeichen für Demokratie und Vielfalt setzen. „Queere Menschen stehen weltweit unter mehr Druck“, sagte Thomas Hoffmann, Vorstandsmitglied des Berliner CSD. Bestehende Rechte würden teils wieder rückabgewickelt und auch die Hasskriminalität steige an. Mit ihrem zweitägigen CSD wollten sie ein ganz klares Zeichen dagegensetzen und sagen: „Wir werden nicht kleiner, sondern größer. Wir werden nicht leiser, sondern lauter“, so Hoffmann. „Und zwar so lange, bis alle Menschen in Deutschland frei, sicher und selbstbestimmt leben können.“ Rapperin Ikkimel: „Es ist mir eine Ehre“ Die Demonstration wurde zur großen Party. Einige Menschen waren mit Glitzerkostümen und Fetischkleidung wie Hundemasken unterwegs, es lief Musik von Queen („Don‘t stop me now“) bis zu Elektrobeats. Die Polizei wies die Feiernden angesichts des warmen Wetters darauf hin, ausreichend Wasser zu trinken. Zum Auftakt des Wochenendes war Rapperin Ikkimel („Fußballmänner“) am Brandenburger Tor aufgetreten. „Schön, dass ich heute hier spielen darf, Leute, es ist mir eine Ehre“, sagte sie am Freitagabend. Die 29-Jährige hatte neulich mit einem Auftritt im ZDF-„Morgenmagazin“ Schlagzeilen gemacht. In vielen Ländern würden homosexuelle Menschen und die queere Community nicht akzeptiert, sagte Ikkimel. Es werde immer gesagt, in Deutschland sei das eine Selbstverständlichkeit. Leider merke sie aber immer wieder in Berlin, dass dem leider nicht so sei. Deswegen sei sie stolz, dort spielen zu dürfen. Am Samstagabend soll unter anderem Sarah Connor auftreten. Lesen Sie auch Mit dem Christopher Street Day (CSD) wird in vielen Städten an Ereignisse im Jahr 1969 in New York erinnert: Polizisten hatten damals die Bar „Stonewall Inn“ in der Christopher Street gestürmt und einen mehrtägigen Aufstand von Schwulen, Lesben und Transsexuellen ausgelöst. Der Berliner CSD ist eine der größten Veranstaltungen der lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans-, intergeschlechtlichen und queeren Community in Europa. Die Demonstration mit rund 80 Trucks sollte bis zur Siegessäule führen und mit einer Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor enden. Das Motto lautet diesmal „Haltung ist hot“. Die Organisatoren fordern zum Beispiel, Hasskriminalität wirksam zu bekämpfen und queere Räume zu sichern. Hoffmann äußerte sich auch besorgt über die Umfragewerte der AfD in Sachsen-Anhalt, wo Anfang September ein neuer Landtag gewählt wird. „Die Positionen dieser Partei sind eindeutig und die queere Community hat Angst.“ Die Berliner Polizei hatte mögliche Störer aus dem rechtsextremen Spektrum im Blick. An einer Gegendemonstration hätten etwa 15 Menschen teilgenommen, sagte Polizeisprecher Florian Nath. Eine Person sei wegen Beleidigung festgenommen worden. Zuvor hatte die Polizei die Gruppe bereits am Potsdamer Platz kontrolliert. Dort sei eine Frau festgenommen worden, weil sie einen Elektroschocker dabeigehabt habe. „Süßmäuse gehen wählen“ Im Sommer feiern queere Menschen und ihre Verbündeten an vielen Orten unter dem Schlagwort „Pride“. Die Berliner Veranstalter des CSD machten auch auf die anstehende Wahl zum Abgeordnetenhaus aufmerksam. Auch hier wird im September gewählt. Einer der CSD-Slogans lautet „Süßmäuse gehen wählen“. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) wird dann nicht mehr antreten. Er war kürzlich als Spitzenkandidat seiner Partei zurückgetreten, weil er nach dem großen Stromausfall im Januar wegen eines Tennisspiels und seiner Angaben zum Krisenmanagement in die Kritik geraten war. Beim CSD war Wegner noch einmal dabei, erstmals hatte der Senat auch einen eigenen Wagen. „Gerade in diesen Zeiten, wo es auch um Hass und Hetze, Ausgrenzung, Spaltung der Gesellschaft geht, setzt der CSD immer ein klares Signal“, sagte Wegner. Deswegen sei der CSD wichtig für Berlin. dpa/nw

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