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Berlin-Marathon 2026: Äthiopien glänzt - Siegerin Tigst Assefa verpasst Weltrekord knapp, Esther Pfeiffer bricht deutschen Rekordversuch ab

Sport

Äthiopiens Tigst Assefa hat am Sonntag (27. September) zum dritten Mal den Berlin-Marathon gewonnen. Die Olympiazweite von Paris 2024 lief in Berlin mit 2:11:04 Stunden persönliche Bestzeit und blieb lange auf Weltrekordkurs.

Auf der Strecke, auf der sie bereits 2022 triumphiert und 2023 mit 2:11:53 Stunden den damaligen Weltrekord aufgestellt hatte, ging Assefa als klare Favoritin an den Start. Anfang des Jahres hatte die Äthiopierin beim Marathon in London zudem den Weltrekord im reinen Frauenrennen auf 2:15:41 Stunden verbessert. In Berlin nahm sie nun den Weltrekord von Ruth Chepngetich ins Visier. Die Kenianerin war 2024 in Chicago 2:09:53 Stunden gelaufen.

Mit männlichen Tempomachern an ihrer Seite setzte sich Assefa früh ab. Nach fünf Kilometern lag ihre Zeit bei 15:30 Minuten, nach zehn Kilometern bei 30:48 Minuten – damit bewegte sie sich nahezu exakt auf Weltrekordkurs.

Bei Kilometer 15 hatte sie bereits mehr als eine Minute Vorsprung auf die Titelverteidigerin Rosemary Wanjiru aus Kenia herausgelaufen, die die Verfolgerinnengruppe anführte.

Die Halbmarathonmarke passierte Assefa nach 1:04:57 Stunden und damit eine Sekunde schneller als für den Weltrekord nötig. Bei Kilometer 30 stand die Uhr bei 1:32:15 Stunden – hochgerechnet hätte das einer Endzeit von 2:09:45 Stunden entsprochen.

Auch auf den letzten Kilometern blieb Assefa lange auf Weltrekordkurs. Doch auf den letzten zwei Kilometern schwanden ihre Kräfte. Sie begann sichtbar zu humpeln, ihr Tempo wurde langsamer und der Weltrekord geriet außer Reichweite.

Trotz des verpassten Weltrekords um 68 Sekunden verbesserte Assefa ihre persönliche Bestzeit um 49 Sekunden. Ihre Zeit von 2:11:04 Stunden ist die drittschnellste Marathonzeit einer Frau in der Geschichte.

Auf den ersten drei Plätzen landeten ausschließlich Äthiopierinnen. Bedatu Hirpa wurde in 2:16:53 Stunden Zweite, Dera Dida folgte mit 2:16:55 Stunden auf Rang drei. Damit belegten äthiopische Läuferinnen sogar die ersten fünf Plätze.

Assefa feierte ihren Sieg bei der 52. Ausgabe des Berlin-Marathons. Der für seine schnellen Zeiten bekannte Kurs führt durch die deutsche Hauptstadt und endet am berühmten Brandenburger Tor.

Auch Esther Pfeiffer war mit großen Ambitionen nach Berlin gekommen. Die 29-Jährige hatte sich vorgenommen, den 18 Jahre alten deutschen Marathonrekord von Irina Mikitenko (2:19:19 Stunden) zu brechen. Doch ihr Rennen nahm eine völlig andere Wendung.

Esther Pfeiffers Traum vom deutschen Marathon-Rekord ist noch nicht vorbei

Esther Pfeiffer startete an der Seite ihres Ehemanns und Pacemakers Hendrik Pfeiffer, deutscher Marathon-Meister von 2022, schnell ins Rennen.

Doch bei etwa Kilometer 14 beendete die 29-Jährige überraschend vorzeitig den Marathon.

„Ich bin natürlich unfassbar enttäuscht“, sagte Pfeiffer anschließend in einem Statement in den sozialen Medien. Die Nervosität vor dem Rennen hatte ihr zugesetzt. In der Nacht zuvor hatte sie nach eigenen Angaben nur zwei Stunden geschlafen. Auf der Strecke spürte sie die Folgen.

„Ich würde sagen, dass es daraus resultiert, dass ich mir selber so viel Druck gemacht habe, weil ich dieses letzte halbe Jahr einfach so für diesen Marathon gelebt habe. Ich habe so viel investiert und ich habe so viele Abstriche gemacht.“

Ihr selbst gesetztes Ziel, den deutschen Marathonrekord zu brechen, hat sie in Berlin zwar verpasst, doch ihr Traum lebt weiter. Der nächste Angriff auf die Bestmarke wird folgen.

„Es wird auch weiterhin die Definition von Karriere zu sein, dass ich die Zeit, die ich jetzt auch gesagt habe, angehen möchte. Ich glaube, wenn man auf sowas trainiert und sein Leben dem auch widmet und unterordnet, dann macht es keinen Sinn, ein halbherziges Ziel zu formulieren“, sagte Esther Pfeiffer.

Guye Adola gewinnt Berlin-Marathon mit persönlicher Bestzeit von 2:02:50 Stunden

Bei den Männern kehrte Assefas Landsmann Guye Adola auf die oberste Stufe des Podiums zurück. Der Äthiopier setzte sich in der Schlussphase ab und gewann in 2:02:50 Stunden den Berlin-Marathon 2026. Damit feierte er seinen zweiten Sieg in Berlin und stellte zugleich eine persönliche Bestzeit auf.

Der 35-Jährige hatte bereits 2021 in Berlin triumphiert. Diesmal kam er 29 Sekunden vor seinem Landsmann Gemechu Dida Diriba ins Ziel, der 2:03:19 Stunden lief. Der Tansanier Gabriel Geay, der mit der schnellsten persönlichen Bestzeit des Feldes an den Start gegangen war, wurde in 2:03:59 Stunden Dritter.

Auch der 2022 von Eliud Kipchoge aufgestellte Streckenrekord der Männer von 2:01:09 Stunden konnte nicht gebrochen werden. Die Tempomacher waren auf eine Endzeit von etwa 2:01 Stunden eingestellt. Doch bereits zur Halbzeit lag die Spitzengruppe hinter dem Zeitplan. Acht Läufer passierten die Marke nach 1:01:01 Stunden.

Selemon Barega, Olympiasieger über 10.000 Meter von Tokyo 2020, blieb zunächst in der Spitzengruppe. Geay, der mit einer persönlichen Bestzeit von 2:03:00 Stunden ins Rennen gegangen war, verlor nach 30 Kilometern den Anschluss an die Führenden.

In der Schlussphase übernahm Adola die Kontrolle. Bei Kilometer 35 hatte er bereits neun Sekunden Vorsprung auf Diriba. Weitere vier Sekunden dahinter folgte Barega. Adola baute seinen Vorsprung auf den letzten Kilometern weiter aus.

Seine Verfolger konnten die Lücke nicht mehr schließen. Adola sicherte sich seinen zweiten Berlin-Titel und verbesserte seine bisherige persönliche Bestzeit von 2:03:46 Stunden.

Getaneh Molla (ETH) wurde in 2:04:55 Stunden Vierter, knapp vor Barega, der mit 2:04:59 Stunden die Top fünf komplettierte. Acht der zehn schnellsten Männer kamen aus Äthiopien.

Bester deutscher Läufer war Haftom Welday, der in 2:08:25 Stunden den 16. Platz belegte.

Der Berlin-Marathon war am Sonntag der zweite World Marathon Major in der Ära der Läufe unter zwei Stunden. Zuvor hatte Sebastian Sawe in London in diesem Jahr Geschichte geschrieben und einen neuen Weltrekord aufgestellt. Sawe war in Berlin vor Ort, zog seine Teilnahme jedoch verletzungsbedingt zurück.

Nach dem Berlin-Marathon richtet sich der Blick nun auf den Marathon in Chicago am 11. Oktober und New York City am 1. November.

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