Berliner bis heute mit dem Hochdeutsch fremdeln
Das Berlinische erzählt die Geschichte einer Stadt, die seit Jahrhunderten von Zuwanderung geprägt ist. Die Teilung Berlins nach dem Zweiten Weltkrieg hatte auch Auswirkungen auf den Dialekt. Im Gespräch erklärt der Linguist Peter Schlobinski, warum im Osten der Stadt bis heute stärker berlinert wird, welche Rolle die DDR dabei spielte und weshalb der Hauptstadtdialekt trotz aller Veränderungen noch lange nicht vor dem Aus steht. Herr Schlobinski, Sie wurden 1954 in Berlin geboren. Können Sie selbst berlinern? Ja, auf jeden Fall. Ich bin in Spandau aufgewachsen und meine Großmutter im Wedding. Sie hat noch ein richtiges, schönes, altes Berlinisch gesprochen. Der Dialekt ist mir also als Muttersprache vertraut. Wenn ich heute in meiner Heimatstadt bin, merke ich sofort, dass ich wieder stärker in den Dialekt wechsle, auch wenn sich das durch meinen Wegzug 1987 im Alltag natürlich etwas verloren hat. Wie würden Sie den Berliner Dialekt charakterisieren? Dazu gibt es interessante Untersuchungen. Den Sprechern werden oft Merkmale wie Witz, Intelligenz und vor allem Schlagfertigkeit zugeordnet. Die Schlagfertigkeit landete bei einer jüngeren Umfrage gegenüber einer aus dem Jahr 1983 von Platz sieben auf Platz eins. Es gibt aber auch negative Assoziationen, etwa dass der Dialekt schnoddrig, prollig oder vulgär klinge. Sprachwissenschaftlich gesehen definieren wir das Berlinische als einen Stadtdialekt, einen Metrolekt oder Urbanolekt. Die Sprache spiegelt die starke Zuwanderung im Laufe der Jahrhunderte wider.