Berliner Tiergarten: Gedenkbaum für Opfer des Anschlags auf den CSD aus der Erde gerissen
Unbekannte haben den Gedenkbaum für die Opfer des islamistischen Anschlags auf den Berliner CSD aus der Erde gerissen. Das bestätigte ein Sprecher des polizeilichen Lagedienstes dem Tagesspiegel auf Nachfrage.
„Der Baum wurde aus der Erde gedrückt“, sagte der Sprecher. Eine Polizeistreife habe den beschädigten Baum in der Nacht gegen 1.30 Uhr im Vorbeifahren bemerkt. Auch das Schutzgitter wurde laut Polizei aus der Erde gerissen.
Weitere im Umfeld liegende Gegenstände seien ebenfalls beschädigt und teilweise zerstört worden. Die Polizei hat Ermittlungen wegen gemeinschaftlicher Sachbeschädigung aufgenommen.
Der Fraktionsvorsitzende der Grünen in Berlin, Werner Graf, reagierte schockiert. „Ich bin voller Wut und Fassungslosigkeit, aber auch trotzig“, sagte er. Die queere Community in Berlin werde den Kampf für Freiheit nicht aufgeben. An alle queeren Menschen in der Stadt gerichtet, sagte er: „Ihr seid nicht allein. Wir pflanzen diesen Baum wieder. So oft, wie es nötig ist.“
Auch Berlins Queerbeauftragter Alfonso Pantisano zeigte sich fassungslos. „Was an diesem Gedenkort gerade passiert, ist nicht hinnehmbar. Es verletzt Menschen immer und immer wieder – und es muss jetzt Konsequenzen haben“, schrieb er auf Instagram.
An die Berliner Innenverwaltung und die Polizei appellierte er: „Schützen Sie diesen Ort! Sorgen Sie dafür, dass diese Taten konsequent aufgeklärt und die Verantwortlichen ermittelt werden.“
Steffen Krach, Spitzenkandidat der Berliner SPD bei der kommenden Abgeordnetenhauswahl, äußerte sich ebenfalls entsetzt. „Wir werden nicht zulassen, dass Hass und Gewalt bestimmen, wo und wie Berlin der Opfer des Anschlags auf den CSD gedenkt“, sagte er. Der Ort im Tiergarten müsse besser geschützt, der Baum wieder gepflanzt, die Bank wieder aufgestellt werden, erklärte Krach. „Unsere Botschaft muss klar sein: Berlin schützt seine seine Erinnerungsorte, wenn nötig auch 24/7 mit Videoüberwachung“, teilte er mit.
Erst Anfang der Woche war die Regenbogenbank schwer beschädigt worden, die nach dem Anschlag aufgestellt worden war. Das Bezirksamt Mitte ließ sie daraufhin vollständig abbauen. Sie soll repariert werden.
Die Bank und der Baum waren knapp zwei Wochen nach dem islamistischen Terroranschlag als Gedenkort eingerichtet worden. An die Stelle des Baums, der nach dem Anschlag gefällt werden musste, wurde ein neuer Ahorn gepflanzt. Daneben ließ das Bezirksamt Mitte eine Bank in Regenbogenfarben aufstellen.
Bei dem Anschlag am 25. Juli tötete ein islamistischer Attentäter eine Frau und verletzte 31 Menschen. Der 21-Jährige wurde einen Tag später von der Polizei erschossen.