Berufungsgericht kippt Urteil wegen KI
Im US-Bundesstaat Arizona soll kürzlich ein mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstellter Videobeitrag eines Totschlagopfers einen Richter bei der Entscheidung über das Strafmaß des Täters beeinflusst haben. Das berichtet die „New York Times“ .
Die Schwester des 2021 getöteten Christopher Pelkey hatte das Video demnach während einer Stellungnahme vor Gericht abgespielt.
Zu Beginn des Videos erklärt das KI-Ebenbild von Stacey Wales’ Bruder, es sei nicht die reale Version von Christopher Pelkey. Der Avatar beteuert weiter, dass er an Vergebung glaube und an Gott, der sie gewähren könne. „In einem anderen Leben hätten wir wahrscheinlich Freunde sein können“, sagt er. „Naja, ich gehe jetzt angeln.“
Der zuständige Richter sagte laut dem Bericht daraufhin „Ich liebe diese Künstliche Intelligenz“ und nannte das Video „aufrichtig“. Der Richter verhängte danach eine Haftstrafe von zehneinhalb Jahren gegen den Täter Gabriel Paul Horcasitas und ging damit über die von der Staatsanwaltschaft geforderten neun Jahre hinaus.
Entscheidung basierend auf KI-Video ist ein „fataler Fehler“
Drei Berufungsrichter in Arizona hätten diese Entscheidung nun einen „fatalen Fehler“ genannt, berichtet die „New York Times“. „Tatsächlich dokumentiert das KI-Video nicht etwa ein Ereignis oder hält einen bestimmten Moment fest, sondern zeigt eine Darstellung des Opfers und seiner Gedanken, die auf der Vorstellung seiner Schwester basiert“, zitiert CBS News das Richtergremium.
Durch die Entscheidung des Richters sei eine Linie überschritten worden, heißt es. Das Berufungsgericht ordnete demnach eine erneute Entscheidung über das Strafmaß an.
Die Schwester des Opfers gab an, ihren Bruder mit dem KI-Video vor dem Richter humanisieren zu wollen, so CBS. „Wir werden weiterhin dafür sorgen, dass seine Stimme gehört wird – über jedes zulässige Medium, das uns im Rahmen des Gerichtssystems zur Verfügung steht“, habe Wales erklärt.
Mann wurde wegen Wut im Straßenverkehr erschossen
Horcasitas tötete 2021 den damals 37-jährigen Pelkey aus sogenannter „Road-Rage“. Der Begriff beschreibt eine starke Wut und Aggressivität im Straßenverkehr, die sich nicht zwangsläufig auf ein mögliches Fahrverhalten bezieht. Auch Tötungen mit Schusswaffen oder anderen gefährlichen Gegenständen, die wegen „Road-Rage“ begangen werden, zählen dazu.
Pelkey habe am 13. November 2021 an einem Stoppschild gehalten, als Horcasitas mit seinem Fahrzeug hinter ihm angehalten und gehupt habe, so die „New York Times“. Daraufhin sei der damals 37-jährige Pelkey aus seinem Auto gestiegen, auf das Fahrzeug von Horcasitas zugelaufen und habe die Arme in einer „Was soll das?“-Geste gehoben haben. Horcasitas habe ihn daraufhin mit einem tödlichen Schuss in die Brust getroffen. (irf)