Besser als ihr Ruf? Diese hochverarbeiteten Lebensmittel sind gesund
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Ein abgepacktes Vollkornbrot kann als hochverarbeitet gelten, eins vom Bäcker dagegen nicht. Und eine Sojamilch kann beim Nutri-Score die Bestnote A tragen und trotzdem in derselben Kategorie landen wie Softdrinks und Süßigkeiten. Klingt widersprüchlich? Genau das zeigt das Problem bei der Einteilung hochverarbeiteter Lebensmittel.
Dahinter steckt das sogenannte NOVA-System. Es teilt Lebensmittel nach dem Grad und Zweck ihrer Verarbeitung in vier Gruppen ein und wird in vielen Ernährungsstudien zum Thema hochverarbeitete Lebensmittel genutzt. In Gruppe 4 landen hochverarbeitete Produkte, die etwa mit bestimmten Zusatzstoffen oder aufwendigen industriellen Verfahren hergestellt werden. In Brasilien, wo das NOVA-System entwickelt wurde, basieren sogar die nationalen Verzehrempfehlungen darauf.
Die Zuordnung sagt aber nichts darüber aus, wie gesund ein Lebensmittel tatsächlich ist. Auch das Max-Rubner-Institut und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung weisen darauf hin, dass sich die gesundheitliche Qualität eines Lebensmittels nicht allein am Verarbeitungsgrad festmachen lässt.
Diese Produkte landen in Gruppe 4
Dort finden sich neben Softdrinks und Fertiggerichten auch Produkte, die Teil einer ausgewogenen Ernährung sein können: abgepacktes Vollkornbrot, Vollkorn-Wraps, pflanzliche Milch- und Fleischalternativen, Tiefkühlgemüsegerichte, Proteinpulver, glutenfreie Lebensmittel, Milchpulver für Säuglinge und zuckerreduzierte Marmelade.
Ein anschauliches Beispiel ist Sojagranulat. Es besteht lediglich aus Soja und liefert 52 Gramm Protein pro 100 Gramm. Weil es durch Extrusion hergestellt wird, also unter Druck und Hitze in Form gebracht wird, fällt es trotzdem in Gruppe 4.
Nicht alle Produkte schneiden gleich ab
Trotzdem sind die bekannten Risiken hochverarbeiteter Lebensmittel nicht vom Tisch. Untersuchungen bringen einen hohen Verzehr unter anderem mit Übergewicht, Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und höherer Gesamtsterblichkeit in Zusammenhang.
Eine im Fachjournal „ The Lancet “ veröffentlichte Untersuchung betrachtete Gruppe 4 genauer. Das erhöhte Krankheitsrisiko hing hauptsächlich mit zuckerhaltigen Softdrinks und verarbeitetem Fleisch wie Wurst zusammen. Bei hochverarbeiteten Vollkorn- und Getreideprodukten sowie pflanzlichen Alternativprodukten zeigte sich dagegen kein erhöhtes Risiko.
Die meisten Daten stammen allerdings aus Beobachtungsstudien. Sie können Zusammenhänge zeigen, aber nicht beweisen, dass hochverarbeitete Lebensmittel selbst die Ursache sind.